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Samstag, 2. Mai. Von Ramsen nach Mengen (74 Km)

Heute weiss das Wetter noch nicht so recht, was es eigentlich will. Ich auch nicht. Was das Wetter betrifft, so kann man nicht genau unterscheiden, ob nun Wolken oder Nebel den Himmel bedecken. Und was meine Wenigkeit angeht, so bin ich mir noch nicht gänzlich darüber im Klaren, ob ich mich auf die heutige Etappe wirklich freue oder ob sie lediglich eine Pflichtübung darstellen wird. Es gilt nämlich das Höhenniveau der Donau zu erreichen und zwar will ich nicht etwa im Westen bei circa Donaueschingen einsteigen, sondern schon um einiges weiter östlich bei Mengen. Die heutige Etappe bin ich im Jahr 2007 schon mal gefahren und ich hab da ein paar unangenehme, weil recht verkehrsreiche Abschnitte um Stockach herum in Erinnerung, inklusive einem bösen Anstieg innerhalb einer Ortschaft namens Zoznegg. Ich lass es mal auf mich zukommen. Immerhin ist es erstmal freundlich und heiter und es ist weitaus milder als es gestern war. So reise ich beim Grenzübergang Rielasingen in die Bunte Republik Deutschland ein und durchquere die Stadt Singen auf den Rad- und Spazierwegen entlang der Aach. Etwas später dann, in Friedingen, mein erster Kontakt mit hektischem Autoverkehr. Klar, gestern war Feiertag, das Wochenende steht vor der Tür, der Kühlschrank ist leer. Dem Getümmel kann ich aber hier noch leicht entfliehen, indem ich in die kleine Strasse einbiege, die mich aus dem einen Ort hinaus und nach Steisslingen führt. Hier habe ich damals, also 2007, die Abzweigung nach Wahlwies verpasst und musste deswegen auf einem Radweg entlang der Landstrasse einen Umweg um den Kirnberg herum fahren, um über Orsingen-Nenzingen nach Stockach zu gelangen. Heute dagegen lande ich durch Zufall (Baustelle innerorts, Umleitungsschilder, eigenes Umherirren und so weiter und so fort…) auf dem richtigen Weg nach Wahlwies und darf nun den Kirnberg intensivst geniessen und auskosten. Immerhin gibt's auf dieser Strecke kaum Autoverkehr, den ersten Panoramablick auf dieser Reise, als ich die Anhöhe erklommen habe, und eine rauschende Abfahrt hinunter nach Wahlwies. Zwischen Wahlwies und Stockach kann ich dann einen Blick auf den ostwärts liegenden Bodensee erhaschen, der eingebettet zwischen den ihn umgebenden Hügeln hell am Horizont schimmert.

Es folgt das "Erlebnis" Stockach: wütender Stadtverkehr und ich mittendrin. Tut mir halt schon leid, dass der Radweg nur bis fast in die Innenstadt reicht und der Radfahrer anschliessend auf der Strasse fahren muss. Immerhin finde ich diesmal auf Anhieb meinen Weg und verirre mich nicht und befinde mich bald auf der ungeliebten Strecke nach Zoznegg. Hier geht's halt mit dem Strassenverkehr bergauf und die Kombination von beiden will mir gar nicht so recht schmecken. Vor allen Dingen, weil die meisten Leute hier wie verrückt rasen und drängeln. Doch irgendwann liegt das hinter mir und ich gleite hinunter nach Zoznegg und kurble einen Lidschlag später die steile Rampe auf der anderen Seite des Ortes empor. Und auch das geht vorbei, worauf ich in ein tendenziell flaches oder sogar leicht abschüssiges Terrain eintauche. Ich bin im Tal des Flüsschens Ablach angekommen. Eine beschauliche Gegend mit viel Löwenzahnwiesen, renaturierten Baggerseen, angenehm zu fahrenden Wirtschaftswegen und nur bei Messkirch noch ein paar zu erklimmenden Wellenkämmen. Dort kommt mir auch der erste Radreisende des Tages entgegen, ein gross gewachsener Herr auf einem recht bepackten Utopia London. Uff, dieses Rad hatte ich auch mal. Zehn Jahre ist das schon her…

Mitten am Nachmittag erreiche ich dann Mengen. Erneut ist mir das Hotel Rebstock eine angenehme Bleibe und ich bin erstaunlicherweise weniger müde als damals mit der Speedmachine, obwohl meine jetzige Fuhre schwerer ist und ich nicht ganz so leichte Gänge zur Verfügung habe. Doch damals hab ich im letzten Drittel der Etappe noch recht Zunder gegeben, wenn ich mich recht entsinne, wogegen mich heute keinerlei diesbezüglichen Anwandlungen plagen.

Morgen fahre ich eine kürzere Etappe. Weil ich die vor mir liegende Strecke recht gerne mag und ich sie ausgiebig und intensiv geniessen möchte, und weil ich ehrlich gesagt noch etwas Zeit brauche, um mir über den weiteren Verlauf der Reise Gedanken zu machen und eine endgültige Entscheidung über die Streckenführung zu treffen.