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Mittwoch, 13. Mai. Von Weiherhammer nach Bayreuth (82 Km)

Ich weiss nicht so recht, vielleicht hätte ich mich gestern ja doch zu den kosmetisierten Damen gesellen sollen, unter Umständen hätte ich da einen Tipp bekommen, wie ich meiner heutigen Müdigkeit Herr werden könnte. Heute hab ich nämlich nicht ausgeschlafen und ausserdem wird's eine straffe Etappe werden. Zuerst sehr viel grobe Wege und später eine Menge Höhenmeter und zudem begehe ich den Kardinalfehler, dass ich am einzigen Lebensmittelgeschäft, das ich heute sehe - dem Supermarkt in Pressath - vorbeirausche, ohne mich mit Proviant einzudecken. Vier Getreideriegel und ein belegtes Brötchen, das ich vom Frühstück mitgenommen habe, sollen ausreichen. Die tun es natürlich nicht und deswegen laufe ich prompt kurz vor Etappenende in einen Hungerast. Zum guten Glück liegt aber gerade rechtzeitig eine Tankstelle am Weg, so eine mit Shop…

Doch der Reihe nach: Aufbruch bei trockener Witterung. Das immerhin. Allerdings hat es nachts wieder geregnet und dementsprechend sind alle Wald- und Feldwege nass und tief. Zuerst schlängelt sich die Route - ich folge dem Haidenaab Radweg - zwischen den Teichen und Baggerseen hindurch, die sich neben dem Flüsschen befinden. Teilweise ist die Beschaffenheit der Wege schon recht abenteuerlich, was ich mit dem Dreirad natürlich recht intensiv wahrnehme. Lässt sich zwar alles fahren, aber es kostet eben Kraft, weil sich die Räder teilweise wie festgesaugt haben. Dann gibt's bei Brückendorfgmünd, beim Kurven durch in eine reizvollen Wiesenlandschaft, eine Holzbrücke mit einem eigenartigen Auf- und Abstieg, der wohl über 45 Grad steil ist und glitschig feucht. Also runter mit den Ortliebs und zuerst die Taschen rüber getragen und im Anschluss dann das Rad geschoben, denn das bepackte Rad ist mir einfach zu schwer um es auf die Brücke zu schieben. Eine Sache von zwei Minuten, dann ist alles erledigt. Das wird übrigens die einzige Stelle auf der ganzen Reise bleiben, bei der ich das Gepäck vom Rad nehmen musste Schiebestellen gab's später noch mal bei Baustellen, aber ansonsten konnte ich alles gut fahren.

Pressath (mit dem ignorierten Supermarkt) markiert den ersten Abschnitt dieser Etappe. Die Waldwege weichen asphaltierten Strassen und die Landschaft wird hügeliger. Auch sieht man nun etwas weiter und der Blick ist nicht mehr in diesem Korridor aus Buschwerk gefangen. Irgendwann taucht der Rauhe Kulm, ein Vulkankegel, auf dem Horizont auf und dominiert für lange Zeit das Landschaftsbild. Kastl, Kaibitz, nochmals ein schwieriger Wegabschnitt kurz vor Höflas, schliesslich die Ortschaften Teufelhammer und Wirbenz. Hinter Wirbenz steil den bergauf und noch steiler hinab in den Ort Haidenaab.

Etwas später, so bei Speichersdorf, hat man dann die europäische Hauptwasserscheide Rhein-Main-Donau überquert und fast wie auf Knopfdruck geht's gleich mehrere Kilometer lang bergab. Obwohl mich das natürlich erstmal freut, kommt es mir doch irgendwie suspekt vor. Geht das jetzt bis Bayreuth so flott dahin? Natürlich nicht. Bei Seybothenreuth liegt ein harscher Anstieg im Weg, hinauf nach Fenkensees, wo der letzte meiner vier Getreideriegel dran glauben muss. In Weidenberg glaube ich schon, alle Höhenmeter des Tages überwunden zu haben, aber es wartet noch ein teils heftiges Auf und Ab auf mich und ich kurble durch die Ortschaften Görau und Döhlau um den Kühberg herum, bis ich kurz nach Rodersberg, wo mir endgültig die Energie abhanden kommt und besagte Tankstelle auftaucht, endlich das Tal des Roten Maines erreiche und ich auf flacher Strecke bis in die Innenstadt von Bayreuth gleiten kann. Dort radle ich direkt an der Touristeninfo vorbei und lasse mir ein Zimmer vermitteln. Trotz allem war es heute eine schöne und abwechslungsreiche Etappe. Besonders im zweiten Abschnitt gab's von den Anhöhen aus wunderbare Panoramablicke zu geniessen.