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Mittwoch, 20. Mai. Von Bad Wimpfen nach Niefern bei Pforzheim (86 Km)

Heute ist es total heiss und es ereilen mich zwei Platten, beide jeweils am rechten Vorderrad, wie neulich schon im Altmühltal. Der zweite Plattfuss ist so ein schleichender, der mir ein paar Kilometer vor meinem Etappenziel Niefern passiert. Da kann ich mich durch wiederholtes Nachpumpen und Gewichtsverlagerung auf die linke Seite noch so einigermassen bis zur Unterkunft retten und flicke sowohl meinen "guten" und als auch meinen Ersatzschlauch dann im Hotelzimmer, lasse mir dabei ein kühles Radler schmecken und anschliessend bin ich dann selber dran. Mit duschen meine ich. Eigenartig, das mit den beiden Platten am rechten Rad. Im Prinzip passiert so was ja, wenn man beim ersten Mal den Reifen nicht genau untersucht hat und sich noch ein Dorn oder sonst ein spitzer Gegenstand drin befindet. Doch ich war mir sicher, dass ich da sorgfältig nachgeschaut hatte. Nun, war wohl Zufall.

Heute war's anstrengend. Das lag schon auch an den Temperaturen und an der Luftfeuchtigkeit. Es gab zudem ein paar Passagen, die Kraft gekostet haben. Natürlich sind meine Beine nach den drei Wochen auch etwas leer geworden, das merke ich vor allen Dingen an den Steigungen. Wenn man Bad Wimpfen verlässt, bremst man erstmal hinunter zum Fluss, quert die grosse Kreuzung und packt sich auf den Neckartalradweg, mit einem letzten Blick zurück auf die Stadt. Die Fahrt entlang der Hafenanlagen und Gewerbeansiedlungen bei Heilbronn ist nicht gerade idyllisch, aber problemlos. Es kommt der Streckenabschnitt zwischen Northeim und Lauffen, und hier zieht's mir heute das erste Mal die Energie aus den Beinen. Nach Northeim geht's nämlich hinauf und über die Weinberge hinweg bis nach Lauffen, heute eben bei schwül-heisser Witterung schon am frühen Vormittag. Da muss ich mich wohl erstmal wieder akklimatisieren.

In Besigheim wird's mir auch nicht einfach gemacht. Vor der Stadt könnte man prinzipiell schon zum Enztalradweg wechseln, doch ein entgegen kommender Radler erzählt mir, dass der Weg durch ein Bergungsfahrzeug blockiert ist, das ein Auto aus den Fluten der Enz ziehen soll. Links der Fluss, rechts der steile Hang, da kommt man nicht mal mit dem Rennrad durch. Nun, dann halt doch hinein beziehungsweise hinauf nach Besigheim. Dort wird in der Innenstadt grossflächig gebaut und ich kann meine Fuhre grad so den schmalen Fussgängerpfad entlang bugsieren. Natürlich finden sich da keine Radwegweiser mehr und ich lande dann halt auf der falschen Flussseite. Immerhin gibt's hier einen Radweg entlang der Bundesstrasse und ich komme auch so bis nach Bietigheim, doch so ein lautes Stück Weg wie dieses hier hab ich auch schon lange nicht mehr geniessen dürfen. Endlich kann ich auf ruhigen Wegen das Enztal entlang rauschen und radle mir, kaum dass ich draussen aus der Stadt bin, meinen ersten Platten. Die Apfelschorle, die ich dann in Vaihingen geniesse, hab ich mir ehrlich verdient. Anschliessend geht's ereignisloser weiter. Immer der Enz entlang an Weinbergen, durch Wiesen und grossen Pappeln, bis halt dann zum zweiten Mal das rechte Vorderrad Luft lässt…