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Freitag,
22. Mai. Von Horb nach Donaueschingen (83 Km) Als ich vor ein paar Tagen schrieb, dass ich morgens immer noch Freude daran hätte, mich auf's Rad zu setzen, so ist das auch jetzt noch so. Worauf ich allerdings wirklich keine Lust mehr habe, das sind Baustellen, bei denen man dann hinterher die Orientierung verliert, weil die Wegweiser für die Fernradwege entweder von Baumaschinen und sonstigem Gerät verstellt sind oder man sich mit dem Durchgangsverkehr die Trassen teilen muss. Das fällt mir jedenfalls in Schwenningen auf, wo ich gleich zweimal mit diesen Situationen konfrontiert bin. Klar, irgendwie kommt man ja immer durch. Aber ich will heute ein bisschen jammern und ein wenig wehleidig tun. Das muss schliesslich auch mal sein. Heute ziehe ich eh mit gemischten Gefühlen los. Die letzte Unbekannte war gestern das Nagoldtal und von nun an bin ich eigentlich schon fast wieder auf heimischem Terrain. Natürlich noch nicht wirklich. Aber vom Gefühl her schon, schliesslich bin ich genau die Etappe Horb-Donaueschingen erst letzten Sommer gefahren und das ist ja noch nicht solange her. Ich weiss, dass sich die heutige Strecke hinzieht und anstrengend sein wird, woran auch die abzuarbeitenden Höhenmeter ihren Anteil haben. Und, natürlich, allmählich marschieren die Gedanken auch wieder gen Zürich, an die berufliche Situation, die mich zuhause erwartet. Davon habe ich zwar in der letzten Zeit wunderbar Abstand bekommen, doch nun drängt sich das recht massiv in den Vordergrund. Da radle ich jetzt also erstmal mit allerlei bewegten Gedanken los, rolle wieder mal, wie vorgestern auch schon, von einer hoch gelegenen historischen Altstadt - Horb ist wirklich auch ein schönes Städtchen - hinab in ein Flusstal und suche meinen Weg zum Fluss begleitenden Radweg. Die Kilometer bis nach Sulz vergehen wie im Flug, während in mir drin das Kopfkino abläuft. Zwischen Sulz und Oberndorf kommt dann eine Wegstrecke, die ich nicht so besonders mag. Da gibt's wieder nassen Waldweg und Kraxeleien. Der gestrige Gewittersturm hat natürlich auch im Wald allerlei Schaden abgerichtet und ich kurve immer wieder mal um herab gefallene Äste und Zweige, bis mir plötzlich ein umgestürzter Baum die Weiterfahrt versperrt. Zum guten Glück kann ich mich seitlich in die Büsche schlagen und das Hindernis umfahren oder, besser gesagt: umschieben. Den Talabschnitt nach Oberndorf mag ich wieder lieber. Irgendwo gibt's einen Kiosk am Wegesrand und das Angebot von Kaffee und Kuchen nehme ich natürlich sehr gerne an. Zwischen anderen Radlern sitzend geniesse ich beides und dazu die Ruhe am Fluss, als plötzlich einer dieser grossen Geländewagen den schmalen Weg entlang gebraust kommt, direkt vor dem Kiosk hält und eine auftätowierte und rastabezopfte junge Frau aussteigt und dabei den ganzen Platz mit lauter Musik aus ihrem Autoradio beschallt. "Sag mir wo die Blumen sind". Obwohl ich momentan wirklich darüber Auskunft geben könnte (man vertausche nur das Auto mit dem Fahrrad und wird garantiert nach ein paar Minuten fündig, denn Blumen gibt's hier wirklich genug), fühle ich mich nicht persönlich angesprochen und bin mit ein paar Pedalumdrehungen dem Lärm entflohen. Logischerweise geht mir der Song jetzt nicht mehr aus dem Kopf, zumal ich ihn ja eigentlich mag. War eines der ersten Lieder, die ich auf der Gitarre begleiten konnte. Als ich mich vom Talgrund zur Anhöhe kurz vor Rottweil empor arbeite, sorgt das Lied für Abwechslung im Kopf, während ich Meter für Meter höher steige. In Rottweil, mit dem Stadtverkehr konfrontiert, ist das aber bald wieder vergessen. Ausserdem ändert sich hier die Landschaft. Das enge Neckartal liegt hinter mir und ich radle auf einer Art Plateau dem Ursprung des Neckars entgegen. Da kommt man noch durch ein paar kleinere Ortschaften, radelt ein paar Kilometer durch den Wald und an einem Flugplatz vorbei und ehe man sich's versieht, steht man plötzlich an einer Kreuzung und muss sich entscheiden. Letztes Mal hab ich mich hier falsch entschieden und mir dabei eine Irrfahrt über die Dörfer der Baar eingehandelt. Heute stelle ich mir die Weichen mal etwas anders und radle in die Innenstadt von Schwenningen auf der Suche nach der Neckarquelle und nach einer Route, die mich nach Donaueschingen führt. Durch die weiter oben geschilderten Baustellen hebt sich zwar mein Adrenalinspiegel ein wenig, aber die Richtung ist vorgegeben und bald bin ich jenseits der Stadt wieder auf Kurs und nach ein paar letzten Bodenwellen erreiche ich Donaueschingen. Im Gegensatz zur letzten Reise zeigt der Tacho heute nur 83 Kilometer an, deutlich weniger als letztes Mal. Damals bin ich wirklich noch ganze 11 Kilometer Umweg gefahren. So kann's gehen |
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