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Mittwoch, 12. Mai 2010. Von Metzingen nach Ehingen (64 km)

Metzingen > Dettingen an der Erms > Bad Urach > Seeburg > Trailfingen > Münsingen > Sondernach > Schmiechen > Allmendingen > Ehingen

Die bisherigen Tagesetappen sind relativ kurz gewesen. Sie hatten es jedoch in sich. Und generell reduziert sich das Tempo mit dem Scorpion auf Naturwegen recht. Keine Ahnung, ob sich das mit einem voll gefederten Trike auch so verhalten würde, aber mit meinem, lediglich heckgefederten Rad bin ich auf solchen Wegen um einiges langsamer unterwegs als mit einem Einspurer. Auf meiner Maireise im letzten Jahr hat mich das am Ende ziemlich genervt, doch diesmal macht's mir überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, ich fühle mich total wohl mit dem Scorpion und ich fahre auch die Steigungen gar nicht mal ungern. Das kommt mir heute in den Sinn, als ich über das Kopfsteinpflaster der Metzinger Innenstadt rolle und den Weg nach Dettingen suche. Das Wetter ist besser als erwartet und es wird - zumindest für mich - den ganzen Tag über trocken bleiben. Die Sonne schimmert bleich und milchig durch die Wolken und die Temperaturen sind recht angenehm. Mit den wuchtigen Höhenrücken des Albtraufes ständig im Blickfeld, folge ich dem Flüsschen Erms. Da gibt es eine ausgeschilderte Route nach Dettingen und weiter nach Bad Urach. Dort hab ich den Eindruck, ewig lang durch ein Kurgebiet, gespickt mit Sanatorien und Kliniken zu radeln, bis ich endlich mal die relativ kleine Innenstadt Bad Urachs erreicht habe.

Jenseits des Bahnhofs befindet sich der Einstieg in eine Radroute entlang der Erms. Das geht durch eine recht imposante Landschaft leicht aber stetig bergauf bis zum Ort Seeburg. Auf dem Weg zum Ursprung der Erms wird das Tal noch enger, irgendwann gibt es nur mehr Platz für das Weglein und den Bach, und später ist der Bach nur mehr eine trockene Rinne. Am Ende kommt man kurz vor Trailfingen aus dem kleinen Canyon heraus. Innerorts wartet ein giftiger Anstieg, doch als ich am Stadtrand oben auf dem Gipfel angekommen bin, habe ich damit auch die letzte nennenswerte Steigung des heutigen Tages hinter mich gebracht.

Nun führt mich meine Route bergab in die Stadt Münsingen. Hier ist es plötzlich spürbar kälter. Ob der soeben überwundene Höhenzug auch eine Luftmassengrenze darstellt? Um der Orientierungslosigkeit Herr zu werden, die mich mitten in Münsingen befällt, frage ich zuerst eine sich als Russin entpuppende Passantin nach dem Weg, die mir - obzwar in gebrochenem Deutsch - durchaus korrekt die Richtung weist. Etwas später nehme ich aber nochmals Hilfe in Anspruch, diesmal von zwei Greisen, die anscheinend beide schon vom Schicksal gestreift wurden. Der eine hat enorme Probleme, sich zu artikulieren, und der andere zuckt beim Sprechen so komisch. Geistig sind sie aber noch voll da und ein paar Minuten später befinde ich mich auf Talfahrt. Ich denke, es ist das Schandental, das ich hinab rausche. Teilweise auf asphaltiertem Untergrund, lange Zeit auch auf Naturwegen. Egal, ich gebe Gas, Gerüttel hin oder her. Tolle Gegend hier! Zwischendrin mal eine Vollbremsung, weil wieder mal eine Schlange auf der Strasse liegt. Ich kann nicht erkennen, ob das Tier tot ist oder sich auf dem Asphalt aufzuwärmen versucht. Bewegen tut sie sich nicht und ich tippe auf Kreuzotter und will sie deswegen lieber mal nicht berühren.

Nach Sondernach begleitet mich ein anderes Gewässer, die Schmiech, die bei Ehingen in die Donau mündet. Da gibt es auch einen ausgeschilderten Schmiechtalradweg, auf den ich mich natürlich sofort packe und der mich prima bis nach Ehingen bringt, wo ich wieder im Hotel Linde unterkomme.


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