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Samstag, 15. Mai 2010. Von Ramsen nach Zürich (75 km)

Ramsen > Diessenhofen > Schaffhausen > Neuhausen > Jestetten > Lottstetten > Rafz > Eglisau > Glattfelden > Bülach > Rümlang > Oerlikon

In letzter Zeit - also seit ziemlich genau einem Jahr - hab ich ein Reifenproblem. Es ist ja nicht so, dass ich in meinem Leben noch keine Schläuche geflickt und Reifen gewechselt hätte. Und ich weiss auch, dass man den Pneu nach Rückständen von Dornen, Stacheln, Scherben, etc. untersuchen muss, bevor man alles wieder montiert. Doch seit der Reise im Mai 2009, wo ich zweimal einen Platten am selben Vorderrad hatte, verfolgt mich ein Trauma: ich fahre einen Platten, wechsle den Schlauch, untersuche den Mantel so genau wie möglich, finde nichts Verdächtiges, baue alles zusammen, und am nächsten Morgen fahre ich mir am selben Laufrad wieder einen Platten. Das ging mir diesmal auch an Ostern mit dem Flux so und heute ereilt mich dieses Schicksal erneut. Zwischen Diessenhofen und Schaffhausen, wieder dieser gelblich-weisse Split, wieder ein Platten am Hinterrad. Oh Mann! Ob es wohl am Reifenmaterial liegt? Oder sind vielleicht 20er Räder anfälliger gegen Pannen? Der Luftdruck bewegt sich im vom Hersteller vorgegebenen Rahmen. Vielleicht sollte ich mal ein anderes Produkt wählen, obwohl die Schwalbe Marathons doch solide Tourenreifen sein sollen.

Jedenfalls, man sieht schon, irgendwie ist im realen wie im übertragenen Sinne die Luft raus. Heute ist der dritte Tag, an dem ich bei trüber Witterung und tiefen Temperaturen aufbreche, und langsam geht mir da schon auch die Laune flöten. Immerhin begegnet mir auf meinem Weg noch ein anderer Liegeradfahrer, der ist mit einem dunklen Challenge Mistral unterwegs. Anhalten tut er nicht, der hat's wohl eilig. Aber für so Minderheiten wie unsereins ist es natürlich schon auch nett, wenigstens mal einen Gleichgesinnten vorbei flitzen zu sehen.

Über die heutige Etappe gibt's kaum was zu berichten. Die Strecke ist Routine, das Wetter ist launisch - mal nieselt es, mal hat man von oben wieder mal eine Weile lang Ruhe. Die Füsse sind nach wie vor nicht warm zu bekommen und so spule ich einfach mein Programm ab: Schaffhausen, Rheinfall, Neuhausen, über die grüne Grenze zuerst nach Deutschland und dann wieder zurück in die Schweiz. Eglisau, den Rhein gequert, dann die Glatt hoch in Richtung Zürich. Und wenn draussen nichts Weltbewegendes geschieht, kann man ja mal innerlich eine Bilanz ziehen.

Die Tour selber wäre in ihrer Gesamtheit eigentlich sehr sehenswert gewesen. Wenn mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Vielleicht fahre ich sie irgendwann nochmals - oder baue Teilstrecken davon in eine andere Tour ein. Mal sehen. Richtig zufrieden war ich dagegen mit meinem Trike. Die Vorbehalte, die ich auf der letzt jährigen Reise hatte, haben sich alle verflüchtigt. Dass man bei verschieden groben Naturwegen dann halt langsamer unterwegs ist als mit dem Einspurer, muss einem ja nicht unbedingt zum Nachteil gereichen. Dafür nimmt man dann auch die Natur wieder ganz anders wahr. Diesmal hat es mich jedenfalls überhaupt nicht gestört. Auf Asphalt ist das alles eh kein Thema. Bergauf fahren mit dem Trike ist einfach eine Qualität für sich, finde ich. Und das hat eben schon auch damit zu tun, dass man bei steilen Anstiegen nicht mit der Balance des Rades zu kämpfen hat, wenn eine gewisse Geschwindigkeit unterschritten wird. Da kurbelt man sich einfach gemächlich hoch und hat auch noch die Zeit, den Käfer am Wegesrand zu bestimmen… Wie dem auch sei: diese Reise hat mir trotz allem gut getan und Perspektiven für kommende Unternehmungen aufgetan.

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