Früh am Morgen kämpfen wir zwei uns aus den Gängen unseres Hotels hinaus ins Freie, was sich etwas umständlich gestaltet. Aus nostalgischen Gründen wählten wir dieselbe Unterkunft wie damals vor 16 Jahren. Doch siehe da, man hat erweitert, das Nebenhaus erstanden und hinzugefügt, und daraus resultiert nun ein Labyrinth aus Durchgängen und Zwischenstockwerken. Um vom Zimmer zur Rezeption, zum Frühstücksraum, zum Fahrradabstellraum, zum Ausgang zu gelangen, braucht man zwar kein Navigationsgerät, kämpft aber erstmal doch mit dem Orientierungssinn - und mit schweren Zwischentüren, die natürlich, wie könnt's auch anders sein, von selber zufallen. Man kennt dergleichen Umständlichkeiten ja zu Genüge.

Die Pferdchen gesattelt radeln wir durch die Stadt und schlagen uns zum Fuldaradweg durch, der hier mit "R1" gekennzeichnet ist. In den letzten Jahren haben wir öfters davon geredet, die Stadt Fulda mal ausführlicher zu besichtigen. Das haben wir gestern nach unserer Ankunft auch noch bewerkstelligt. Und mussten dabei feststellen, dass dieser Mythos, den wir uns selber drum herum gebastelt haben, der Realität nicht standhalten kann. Durchaus ein interessantes Städtchen, keine Frage, aber eben. Nicht so überragend und vor allen Dingen nicht so emotionell packend, wie es meinetwegen bei Rothenburg, St. Malo oder Chartres der Fall ist. So lassen wir Fulda Fulda sein und wenden uns der Fulda, also diesmal dem Fluss, zu. Es gilt noch was an Margrits Birdy zurecht zu biegen, denn beim gefalteten Transport und der Hektik beim Ein- und Ausladen in den Zug kommt man schon mal an die "Weichteile" der Räder. Ein paar Minuten später sehen wir nur mehr die Türme der Stadt in der Ferne im Gegenlicht glitzern.

Sonnig und mild zeigt sich das Wetter, das Flusstal beschaulich bis lieblich, der Fluss selber noch klein. Er mäandert durch sein Tal und umfliesst sanfte Hügel, die uns gleich zu Anfang der Reise ein paar Höhenmeter erklimmen lassen.

 

Erst ab Schlitz können wir steigungsfrei dahin gleiten. Immer wieder haben wir Kontakt mit der Fulda, gesäumt mit Weiden und Bauernorchideen, bedeckt mit Seerosen und besucht von vielen Anglern. Bussarde segeln in der Thermik, Graureiher lauern, den Hals zum stossbereit zum "S" gespannt, am Ufer, Schmetterlinge gaukeln neugierig heran, um herauszufinden, ob mein rotes Trikot nicht vielleicht doch eine Nektar spendende Blüte ist. Wir radeln entlang Magerwiesen und Brachland, und etwas später dann, als das Tal noch breiter wird, an goldgelben Getreidefeldern vorbei.

Die Routenführung scheint mir anders zu sein, als ich es von meiner 2008er Tour her in Erinnerung habe. Man wird nun auf der linken Talseite geführt und der Fuldaradweg scheint mit dem "Bahn-Radweg Hessen" zusammen auf gleicher Strecke geführt zu werden. Doch im Gegensatz zur letzt jährigen Reise durch die Normandie hat man hier die ehemalige Bahntrasse asphaltiert und man fährt auch nicht durch einen grünen Korridor, der jegliche Sicht auf die Landschaft versperren würde.

Von unserer 97er Reise blieb ein etwas zartbitterer Nachgeschmack zurück. Die Etappen waren damals zu lange und wir verbrachten zu viele Stunden im Sattel, um den Städten entlang des Flusses noch genügend Aufmerksamkeit widmen zu können. Das soll diesmal anders sein. Deswegen haben wir im Vorfeld unsere Tagesabschnitte kürzer geplant und so sind wir gegen Mittag schon am heutigen Etappenort, der Stadt Bad Hersfeld, angekommen. Unser Hotel liegt direkt am Marktplatz und wir müssen uns erstmal einen Weg durch die Verkaufsstände des Wochenmarktes bahnen, bevor wir dann unser Zimmer beziehen und Siesta halten können.

Den Rest des Tages erkunden wir das Städtchen, lassen uns durch die Fussgängerzone treiben, besichtigen Stadtkirche und Stiftsruine und beobachten das herausgeputzte Volk, das sich abends zur Theaterveranstaltung in die Stiftsruine begibt. Man gibt die Carmen.

 

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    Die Türme der Stadt grüssen von ferne  
           
    Die Fulda noch ein kleiner mäandernder Fluss  
           
    Nebelfetzen hängen noch im Tal  
           
    Deutschland oder Frankreich?  
           
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    Bad Hersfelder Impressionen...  
           
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