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Sonntag, 27.8.06. Von Tuttlingen nach Mengen (70 Km) Um fünf Uhr werde ich heute das erste Mal wach, wohl weil Regentropfen heftig auf das Dach herunterprasseln und das Wasser in den Regenrinnen gluckst. Um acht Uhr ist der Himmel allerdings strahlend blau, wie leergefegt. Im Frühstücksraum ist der Inhaber des Hotels eigenhändig mit der Vervollständigung des Frühstücksbuffets beschäftigt, und, wie's eben so geht, kommt man miteinander ins Gespräch. Er interessiert sich sehr für alte, wenn nicht gar antike Handschriften und die darin oftmals enthaltenen, heute verloren gegangenen Weisheiten und so weiter und so fort. Ist ja als solches nicht uninteressant, ich kann ihm aber in meinem noch nicht gänzlich aufgeweckten Zustand nur teilweise folgen, zumal die Unterhaltung dann auch noch durch die Thematiken Lichtgeschwindigkeit und Gravität ins Physikalische abdriftet, was nicht wirklich mein Fachgebiet ist, beziehungsweise ich hab überhaupt keinen blassen Schimmer davon. Ok, das mit der Erdanziehungskraft erfährt man als Radler bei jeder Steigung am eigenen Leibe, aber sonst? Immerhin erzählt mir der nette Herr aber noch, dass die Zahl der übernachtenden Radler in den letzten zehn Jahren von über tausend auf vielleicht hundert (pro Saison!) zurückgegangen ist. Wird wohl daran liegen, dass seit einem Jahrzehnt die Fernradwege in Deutschland wie Pilze aus dem Boden schiessen und der Donauradweg nicht mehr an erster Stelle der Beliebtheitsskala rangiert. Wie dem auch sei, etwas später bin ich wieder unterwegs und kämpfe mit den Sichtverhältnissen - ich fahre genau gen Osten und die Strasse ist pitschnass und die Sonne steht noch tief und alles blendet und gleisst und blitzt. Bald hab ich mich aus Tuttlingen heraus gearbeitet und lasse auch noch das Gewerbegebiet hinter mir und als hinter Mühlheim dann das Tal ganz eng wird und die ersten Felsen wie Zähne aus dem Wald ragen, bin ich recht glücklich und zufrieden mit mir. Ich stelle fest, dass man die Donau halt schon genau in dieser, also der Fliessrichtung, befahren muss! Die Ausblicke und Perspektiven gefallen mir besser und irgendwie ist es für mich schlüssiger, dem Fluss in seinem Lauf zu folgen und nicht umgekehrt. Ich bin heute erst zum zweiten Mal in dieser Richtung unterwegs und auf eine gewisse Art und Weise ist jetzt doch alles wieder Neuland für mich. Mutterseelenallein bin ich an diesem Morgen. Als ich wiederholt anhalte und fotografiere, höre ich nur die heiseren Schreie eines Mäusebussards von den Felswänden widerhallen. Es ist wirklich schön hier! Irgendwann nach Fridingen, so circa bei Ziegelhütte, liegt eine Gaststätte am Weg und ein Kellner wischt die Tische und Stühle ab und bereitet sich auf den Ansturm der Massen (?) vor und wünscht mir eine gute Fahrt. Kurz darauf endet die Asphaltdecke und man muss eine Schranke im Matsch umfahren und der Naturweg beginnt. Ob das wohl heute eine Schlammschlacht wird? Der Himmel hat sich nämlich inzwischen wieder bedeckt und es sieht nicht so aus, als ob ich heute erneut vom Regen verschont bleiben werde. Hinter mir erscheinen nun vier Radler. Und da ich extrem lässig-landschaftsguckend unterwegs bin, werde ich natürlich sofort überholt. Bei diesem Manöver verliert einer der Radler sein rechtes Pedal. Es ist so ein Plastikpedal, das auf einer Stahlachse sitzt. Dumm gelaufen! Das kann für den Herrn unter Umständen das Ende der heutigen Tagesetappe bedeuten. Man beratschlagt und ich gebe auch noch meinen Senf dazu und dann fahre ich weiter - Ersatzpedale samt Pedalschlüssel schleppe ich nun mal nicht mit mir herum und kann auch nicht weiterhelfen. Ein paar Minuten später ist Regenalarm. Raus mit den Regensachen, rein in die Hosen und Gamaschen und schnell die Handschuhe übergezogen. Und wie es gleich schüttet! Platzregen haben aber auch ihr Gutes: meist sind sie ebenso schnell wieder vorbei wie sie gekommen sind. Als ich am Kloster Beuron vorüberziehe, haben die Wolken ihren Inhalt schon wieder geleert und es trocknet ab. Burg Wildenstein und Werenwag, Hausen und Gutenstein ich komme an der Mühle Dietfurth vorbei, wo ich vor zwei Jahren übernachtete, schnaufe die Steigung zum Kloster Inzigkofen hoch und sehe bei Laiz schon die Gebäude von Sigmaringen und das Hohenzollernschloss vor mir. Der idyllische oder romantische oder spektakuläre - wie immer man das bezeichnen will - Abschnitt des Donautales liegt also nun hinter mir, abgesehen vom Donaudurchbruch in Weltenburg kurz vor Regensburg. Die Hügel, die das Flusstal begrenzen, werden niedriger oder blieben ganz zurück. Hier in Sigmaringen habe ich vor zwei Jahren - von der anderen Seite her kommend - vergeblich nach einem Hotel Ausschau gehalten. Ich weiss bis heute noch nicht, warum ich solche Tomaten auf den Augen haben konnte! In Donauwörth ist mir damals zwei Tage früher ja dasselbe passiert. Einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Heute bemerke ich genügend Hinweisschilder auf Übernachtungsmöglichkeiten in dieser Stadt. Manchmal ist eben einfach ganz massiv der Wurm drin! Zwischen Sigmaringen und Sigmaringendorf regnet es mich dann noch ein zweites Mal ein. Wieder sehr kräftig, aber wieder nur kurz. In Scheer, ein paar Augenblicke später, lacht schon wieder die Sonne vom Himmel. Und in Mengen reicht's für heute, ich checke im Hotel Rebstock ein und drapiere das Hotelzimmer mit den nassen Klamotten. |
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