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Montag, 28.8.06. Von Mengen nach Ehingen (57 Km) Leider gelang es mir am gestrigen Abend nicht mehr, einen Regionalwetterbericht auf dem SWR zu erwischen, der mir eine etwas detailliertere Auskunft über die nun zu durchfahrende Gegend hätte geben können als die allgemeindeutsche Wettervorhersage. Dort spricht man von lang anhaltenden und ergiebigen Regenfällen im Südwesten Deutschlands und von kräftigem Wind aus westlichen Richtungen (als ob es die letzten Tage windstill gewesen wäre!). Als ich heute morgen meine sieben Zwetschgen zusammen packe, läuft wieder das TV nebenbei und im ZDF erklärt oder interpretiert oder besser: inszeniert irgendein Fritze recht theatralisch die Wetterkarte. Um Himmels Willen! Brauchen wir jetzt auch schon für den Wetterbericht so einen Hampelmann? Muss auch das zum Event hochstilisiert werden? "Fängt" man den geneigten Zuschauer auch hier nur mehr über solches Gehabe und Getue? Wahrscheinlich bin ich selbst längst ein konservativer alter Sack geworden, weil ich sowas nicht mehr nachvollziehen kann, sinniere ich selbstzweifelnd vor mich hin...Nun, am Wettergeschehen ändert sich gegenüber der gestrigen Vorhersage nichts, aus dem kräftigen Wind sind allerdings Orkanböen geworden. Beim Frühstück gelingt es mir, einen Blick in eine aktuelle Tageszeitung zu werfen, und dort stellt sich alles ganz anders dar: keine Rede von Dauerregen, im Gegenteil, man spricht in diesem Blatt von allmählicher Abtrocknung. Dann glaub ich mal lieber der Zeitung! Hier im Hotel kann man den Radlerschwund übrigens nicht bestätigen, es scheint eine subjektive Wahrnehmung des Tuttlinger Hoteliers gewesen zu sein. Allerdings begegnen mir auf dem Donauradweg erstaunlich wenig Radler, so dass ich persönlich eher der tuttlinger'schen Hypothese zugeneigt bin. Das Stadtbild von Mengen wird in meinem antiken Reiseführer recht positiv hervorgehoben, aber, ganz ehrlich, für meinen Geschmack gibt's hier einfach zuviel Strassenverkehr. Mengen gehört absolut nicht zu meinen Lieblingsstädten entlang der Donau. Nach kurzer Zeit interessiert das jedoch gar nicht mehr, da ich nach ein/zwei Kilometern draussen auf weiter Flur bin und mich langsam auf die heutigen Gegebenheiten einstelle. Hier ist alles flach und weit. Links die bewaldeten Hügel der Schwäbischen Alb. Die Orte sind alle auf den Hängen erbaut, wohl wegen der Donauhochwasser (?). Rechts ist alles flach bis zum Horizont. Der Wind ist heute wirklich kräftig. Aber hallo! Er kommt von hinten - ist sozusagen von gutartiger Natur - und stört mich eigentlich nicht weiter. Die Wolken ziehen sehr schnell und es schaut so gar nicht nach Dauerregen aus. Ich mag diesen Abschnitt hier. Besonders nach der Enge des gestrigen Tales tut mir die Weite recht wohl: bei all den Mäandern und Kehren und Talschleifen bin ich mir fast wie in einem Labyrinth vorgekommen. Jedenfalls passt mir der Wechsel der Szenerie heute ganz gut ins Konzept. Und der Wind schiebt von hinten und die Wege sind überwiegend asphaltiert und somit bestens befahrbar und so könnte die wilde Jagd eigentlich ihren Lauf nehmen. Könnte. Aber ich lasse mir trotzdem Zeit und kurble gemütlich durch das Ackerland und die Wiesen, freue mich an den bauschigen Konturen der Weiden, die im Wind ihre weissen Blattunterseiten zeigen, was irgendwie wie ein zufälliger erhaschter Blick auf ein Stück Reizwäsche oder Spitze unter einer Damenbluse wirkt (man möge mir diese leicht erotische Anwandlung verzeihen). Trotzdem ziehen die Landmarken recht schnell an mir vorbei Hundersingen Binzwangen Riedlingen. Kurz nach Zell kommt wieder diese unliebsame Eisenbahnbrücke mit dem schmalen Radlsteig über vergittertem Boden. Und dann wird das Tal wieder etwas enger und dann - ich denke es ist bei Datthausen - muss man eine steile Rampe in den Ort hoch und rüber über die B311 setzen. Kurze Zeit später dominiert die Klosterkirche in Obermarchtal die Landschaft. Hier hat man wohl die Routenführung geändert, denn man wird jetzt automatisch in den Ort geleitet, während man das damals lediglich als Alternative wählen konnte. Macht ja nix. Im Örtchen findet sich ein Stehcafé und anschliessend führt der Weg ein Weilchen an der Eisenbahn entlang und auf diesen paar Kilometern bis nach Untermarchtal entdecke ich recht interessante Felsformationen. Das ist in etwa da, wo die Lauter zur Donau stösst. Etwas später rolle ich eine Anhöhe hinab und geniesse das Stadtpanorama von Munderkingen. Das sehenwerte Städtchen (im Gegensatz zu Mengen gibt's hier ein historisches Stadtbild UND eine Fussgängerzone) war Etappenort auf unserer Hochzeitsreise. Irgendwie rollt es heute nicht gut. Ich meine: innerlich. Eine Stimme in mir will partout den Nachmittag nicht auf dem Velo verbringen! So was aber auch! Ein Mittagsschläfchen will diese Stimme halten, die drei Zeichnungen fertig stellen, die ich gestern angefangen habe und im Márai weiter lesen. Wie geht man denn mit so einer Stimme um, die sich zuerst ganz leise meldet und dann immer lauter und fordernder wird? Richtig! Man stellt sich gut mit ihr! Versucht ihr zu schmeicheln, versucht ihr zu gefallen, versucht sie zu besänftigen und ihr gut zu zureden. In Rottenacker gäbe es zum Beispiel ein Hotel. Die Stimme freut sich und hat plötzlich gar nichts dagegen einzuwenden, dass man aus diesem Grunde den Hang hinauf treten und ein paar zusätzliche Höhenmeter einfangen muss. Das angepeilte Hotel hat aber heute Ruhetag. Die Stimme ist enttäuscht. Die Fahrt durch das Rottenacker Ried, einer Auenlandschaft mit Teichen, besänftigt die Stimme etwas, aber dann gibt's keine Gnade mehr: Ehingen naht! Dort checke ich kurz nach Mittag im Hotel Linde ein - bin ja im Urlaub und nicht auf der Flucht! Nachdem die Stimme in jeder Hinsicht zufrieden gestellt worden ist, darf
ich wieder an mich selbst denken und kann (mittlerweile regnet es Bindfäden)
später zu Fuss durch die Innenstadt schlendern. Dabei beschliesse
ich, heute Abend mal nicht ins Restaurant zu gehen und mich selbst zu
versorgen. Industrie-Leerdamer aus den Niederlanden und Chianti aus kontrolliert
biologischem Anbau
auch eine Kombination
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