| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||
|
Mittwoch, 30.8.06. Von Lauingen nach Neuburg an der Donau (79 Km) Heute mal eine Abwechslung: es sieht gleich am Morgen trüb aus! Kein blank gefegter Himmel, der einem die Illusion eines strahlend schönen Tages vorgaukelt! Nein, heute legt man von vornherein die Karten auf den Tisch und man kann sich drauf einstellen. Ein schonungslose Ehrlichkeit ist manchmal besser als na ja lassen wir das Philosophieren. Tatsache ist, dass ich heute hochgradig weich-ei(er)isch denke und alles an Klamotten anziehe, was mir eben so in den Sinn kommt: zwei Paar Socken, zwei Paar Hosen, die Handschuhe und dergleichen mehr. Es ist nämlich, Hand auf's Herz, saukalt! Und es nieselt. Im Frühstücksraum wickelt ein Geschäftsmann sein erstes Geschäft an diesem Tag - das heisst, heutzutage sagt man ja nicht "Geschäft" sondern "Deal" - per Mobiltelefon ab. Danke, dass auch wir anderen Hotelgäste daran teilhaben dürfen! Zumindestens akkustisch. Das hebt nicht gerade die Stimmung, denn es ist heute morgen wirklich ungemütlich. Ein Morgen, an dem man lieber im Bett bleibt. Aber nix da - hier habe ich auf Anhieb kein Thermalbad entdeckt, das einen Pausentag rechtfertigen würde, und so radle ich halt mit dem Berufsverkehr aus Lauingen hinaus. Bald habe ich die Wahl, entweder auf einem Waldweg oder auf dem Radweg entlang der B16 nach Dillingen zu kommen. Angesichts der verregneten Nacht und dem dadurch zu erwartenden Morast und den Nachwirkungen meiner gestrigen Auwald-Paranoja entscheide ich mich gegen den Waldweg. Mittlerweile hat es zu nieseln aufgehört, hinter meinem Rücken dräuen trotzdem dunkle Wolken und über den Wind schreibe ich schon gar nicht mehr... Wehe den armen Radlern, die sich in diesen Tagen von Ost nach West voran arbeiten müssen! Dillingen verfügt über eine noch sehenswertere Innenstadt als Lauingen, allerdings rollt auch hier viel Autoverkehr hindurch und als besonderes Schmankerl gibt's hier auch noch Kopfsteinplaster, das bei den heutigen nassen Strassenverhältnissen den Lärm der Autoreifen nochmals verstärkt. Höchstädt, ein paar Minuten weiter. Hier darf man ebenfalls auf der Durchgangsstrasse radeln, ebenfalls ohne Radstreifen oder Radweg. Stellt sich natürlich schon die Frage, ob man den Donauradweg durch diese Städte nicht auch anders führen könnte - Stichwort "Familienfreundlichkeit". Die "Via Danubia"-Schilder sind anscheinend wieder verschwunden war das eine regionale Route? Nach Höchstädt tauche ich ein in das Donauried. Klar, flachstes Schwemmland hier. Das Landschaftsbild wird geprägt von einzelnen Baumgruppen und Maisfeldern. Und die Namen der Weiler und kleinen Gehöfte enden hier alle auf "schwaig" oder "schwaige": Stoffelhansenschwaig Kilischwaige Bauernhansenschwaige. Jetzt muss ich mich mal wieder um's Wetter kümmern, denn ein dunkles Regenband streift mich knapp und beglückt mich mit seinem Inhalt. Doch nachdem diese Regenwolken durch sind, reisst es plötzlich auf und die Sonne beleuchtet die nass glänzende Welt. An den Temperaturen ändert sich erstmal noch nichts, aber es sieht optisch gut aus! Am Horizont erkennt man jetzt schon die Häuser von Donauwörth. Ich komme an der Firma Eurocopter vorbei, die natürlich - nomen est omen - Helicopter entwickelt oder baut. Auf dem Firmengelände hat man einen Motor samt Rotor installiert und das dröhnt weit hinaus über's Land. Da wird wohl verschärft getestet. Donauwörth selbst sollte man durchaus mal gesehen haben: historisches Stadtbild, reiche Barockfassaden und was halt so dazu gehört. Ich hab's früher schon mal gesehen, deswegen reisst es mich heute nicht allzu sehr vom Hocker, es zieht mich eher zum Aufwärmen in ein Stehcafé. Als die Stadt dann nach einer Weile hinter mir liegt, wird das Radeln landschaftlich interessanter. Es geht nun - Originalzitat BIKELINE Radführer - "wegen der Ausläufer der Fränkischen Alb ein wenig auf und ab". Auf den nächsten sechs oder sieben Kilometern zwischen Schäfstall (neue deutsche Rechtschreibung?) und Marxheim gilt es dann, etwas kräftiger in die Pedale zu treten. Dafür wird man auch mit dem ein oder anderen Panoramablick über's Donaumoos belohnt. Später, nach Marxheim, wird man auf eine Naturstrasse entlang eines Deiches geschickt. Das wird natürlich schnell langweilig, aber da (ich wiederhole mich) der Wind von hinten schiebt und grad vorhin "ein wenig auf und ab" angesagt war, tut die Fahrt im Flachland auf dem Kiesweg ganz gut. Vor zwei Jahren habe ich hier den Schlauch eines hilflosen Radlerehepaares geflickt, ich erinnere mich noch ganz gut daran. Auch an Bertoldsheim. Auch daran, dass man aus unerfindlichem Grunde hinauf auf den Schlossberg geschickt wird, wo man doch eigentlich auch die Umgehungsstrasse unten benutzen könnte - so stark befahren ist die schliesslich auch wieder nicht. Und warum ich mich selbst, wider besseres Wissen, dem Diktat der gelben Beschilderung unterwerfe und den Schlossberg erklimme, dieses Rätsel konnte ich bis zum heutigen Tag, an dem ich diesen Bericht abtippe, nicht lösen. Ich werde es wohl der schönen Aussicht wegen getan haben oder aus sentimentalen Gründen oder weil ich just zu dieser Tageszeit einen Totpunkt hatte. Wie auch immer: what goes up, must come down - und in diesem Sinne gibt's dann auch eine Abfahrt hinunter in die Ebene. Die nächsten Kilometer bis Stepperg lasse ich dem Schicksal seinen Lauf, sprich: ich rase im Affenzahn auf asphaltiertem Untergrund dahin, dass es eine wahre Freude ist - so ein Zwischenspurt macht einen wieder wach! In Stepperg kann man anhand der Hochwassermarken ablesen, wie sehr man 1999, 2002 und 2005 unter demselben gelitten hat. Du meine Güte! Da stand ja das halbe Dorf unter Wasser! Und trotzdem bleibt man weiter dort wohnen. Das ist auch eins der Geheimnisse, das ich für mich noch nicht lösen konnte: warum bleiben Menschen freiwillig in Katastrophengebieten? Wenn wiederholt mit Überschwemmungen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen zu rechnen ist? Ich komme auch heute nicht auf die Lösung, obwohl ich die ganze Zeit, während der ich den Antoniberg hinaufschnaufe, über dieses Thema nachdenke. Das Ende naht. Neuburg an der Donau. Mein Etappenziel. Das Stadtpanorama erhebt sich malerisch über der Ebene. Ich finde Unterschlupf im Hotel Gasthof Bergbauer und streune nach einer Siesta noch durch die Stadt. Neuburg ist bisher meine Nummer Eins der bisher besuchten Städte entlang der Donau! Hier würde ich wohnen können wollen! Falls. Das Wetter ist übrigens nach dem einen Regenguss vor Donauwörth trocken geblieben. Und ganz ehrlich: bisher kann ich mich nicht über's Wetter beschweren! In den Wettervorhersagen zeichnet man täglich ein recht düsteres Bild, aber ich hab Glück und schlüpfe wohl zwischen den Tiefdruckgebieten hindurch. Wenn ich so von Hotel zu Hotel reise, spare ich mir das Mitführen
eigener Waschsubstanz, Seife, Shampoo, etc., da das ja zum Zimmerservice
gehört. Zudem wasche ich jeden Tag meine tagsüber getragenen
Textilien im Waschbecken des Hotels aus, um mit relativ wenig Klamotten
auszukommen. Und wenn man nun von Beherbergungsbetrieb zu Beherbergungsbetrieb
unterwegs ist, stellt man natürlich bestimmte Unterschiede im Angebot
beziehungsweise in der Ausstattung der Zimmer fest. Letztes Jahr hab ich
mich stark mit dem Thema "Nachlaufzeit der Lüftung nach Betätigen
des Lichtschalters und deren Auswirkung auf das Wiedereinschlafvermögen"
auseinander gesetzt. Auf dieser Reise jetzt beschäftige ich mich
mehr mit der Dichtigkeit von Waschbecken (hier reicht die Spannbreite
von "absoluter Wasserundurchlässigkeit" über "kann
das Wasser nicht halt trotz Stöpsel" bis hin zu "Nein,
einen Stöpsel gibt es nicht") und der Bereitstellung von Waschmitteln
für den verschwitzten Gastkörper. Hier gibt es von Seifenspendern
mit dem Inhalt einer ganzen Flasche bis hin zu strengstens rationierten
Portionen auch allerhand zu erleben. Nachdem man mir gestern im ansonsten
absolut empfehlenswertem "Drei Mohren" lediglich eine kleine
Portion Duschgel zugestanden hat und somit nur dem Gast selbst eine Säuberung
vergönnt war, habe ich heute wieder genügend von dem Zeugs zur
Verfügung, um auch die sich seit gestern ansammelnde Wäsche
wieder halbwegs benutzbar aufzubereiten. Auch hält das Waschbecken
das Wasser. Schön, schön. |
||||||||||||||||||||||||
| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||