Freitag, 1.9.06. Von Bad Gögging nach Zeitlarn (54 Km)

Heute gibt's als Novum Hopfenfelder zu besichtigen. Ich könnte jetzt natürlich schreiben, dass es auf dem Weg von Bad Gögging nach Weltenburg nach Bier röche, aber das wäre schlichtweg gelogen, es wär' halt einfach ein passendes Bild dazu. Zwischen Weltenburg und Kelheim liegt der Jura quer und die Donau hat lange gefräst und gesägt, um sich da eine Bahn zu brechen. Schon interessant, nach den weiten Ebenen der letzten Tage nun dieses schroffe Schauspiel zu erleben. Kloster Weltenburg und die Befreiungshalle in Kelheim waren so typische Ziele für die Klassenfahrten im Gymnasium. Natürlich auch die Walhalla bei Regensburg. Solche Ausflüge endeten dann oftmals in der Bierkneipe "Kneitinger" in Regensburg - je nach Toleranz der begleitenden Lehrkraft. Wie oft wir damals diese Sehenswürdigkeiten abgeklappert haben? Bestimmt im Laufe meiner Schulzeit ein halbes Dutzend Mal!

Aber so früh am Morgen wie heute war ich noch nie in Weltenburg. Das erste Schiff wird mich erst in einer dreiviertel Stunde mitnehmen und so hab ich genügend Zeit, um die Szenerie auf mich wirken zu lassen. Langsam wird es warm, das kenne ich gar nicht mehr. Die Fahrt durch die enge Passage verläuft ruhig, für einmal keine lärmenden Schulklassen, auch keine Blasmusik, man kann in Ruhe das Naturschauspiel auf sich wirken lassen. In Kehlheim schaut es dann gleich ganz anders aus: hier wartet schon eine erkleckliche Anzahl von Ausflüglern darauf, vom selben Schiff zum Kloster gebracht zu werden.

Mich kümmert das natürlich nicht gross, ich suche mir lieber meinen Weg durch die Kelheimer Altstadt, quere dabei noch die Altmühl und mache mich auf den Weg in Richtung Regensburg. In Poikam gibt's eine Kartoffelsuppe mit Würstchen für mich und anschliessend, so etwa zwischen Lohstadt und Minoritenhof, die bisher übelste Piste auf der ganzen Reise. Da setzen sich Suppe und Wurst…

In Minoritenhof ist ein Golfplatz ganz weiss gesprenkelt - wer sammelt am Ende des Tages all die Bälle wieder ein? Dann durch Sinzing hindurch. Hier könnte man, böge man nach links ab, die schwarze Laaber entlang radeln, was ich auch schon mal angedacht habe. Ich dagegen überquere kurz darauf bei Mariaort die Naab und fahre weiter gen Regensburg, um den Einstieg in den Regental-Radweg zu finden. Den finde ich auch nach ausgiebiger Passantenbefragung und so lasse ich ab hier die Donau Donau sein und schwenke nach Norden, folge noch ein paar Kilometern dem Regen und gelange nach Zeitlarn, wo ich im Hotel Bartholomäus ein Zimmer reserviert habe. Eigentlich hätte ich ja hier schon bei meiner Schwester übernachten können, aber ich fühl mich grad so wohl in meiner Solitude, dass ich das noch ein bisschen auskosten möchte.

Und erneut kann man heute im Freien sitzen! Ich würde ja eigentlich zu Gyros tendieren (das zum Hotel gehörige Restaurant offeriert italienisch/griechische Küche), aber der Trubel um den Fleischskandal in München hat mir diesbezüglich den Appetit verdorben. Also dann eben Calamari vom Grill, hab ich auch schon lange nicht mehr gegessen.

Auch hier zeigt man sich sparsam mit der Waschsubstanz: kein Shampoo, dafür wenigstens ein Stück Seife…damit kann man die Haare ja auch waschen…sie bekommen dann so einen, sagen wir mal: seidigen Glanz. Was ist nur los hier in Bayern? Brauchen die das Zeugs für den Papstbesuch? Um sich ihre Hände in Unschuld zu waschen oder wie?