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Montag, 20. August 2007. Von Mengen
nach Gögglingen (84 Km) In der Karibik treibt Hurrikan Dean sein Unwesen. Im Fernsehen zeigen sie die riesige Wolkenspirale mit dem Loch in der Mitte auf Fotos aus dem All. Man ist plötzlich wieder dankbar, dass wir hier "nur" mit vergleichsweise harmlosen Unwettern konfrontiert werden, auch wenn deren Heftigkeit immer mehr zunimmt. Gestern hat es sich im Laufe des Spätnachmittages zugezogen und in der Nacht bin ich durch Blitz und Donner aufgewacht. Heute begrüsst mich am Morgen leichter Nieselregen. Erneut werden Erinnerungen an die Tour vor einem Jahr wach, wo ich ja bei ähnlicher Witterung von hier aufgebrochen bin. Es sieht so aus, als ob ich dieses Jahr einen ähnlichen Wetter-Rhythmus habe: anfangs zwei schöne Tage und im Anschluss daran eine Wetterverschlechterung (im Wetterbericht sprechen sie sogar von einer nasskalten Woche brr ). Auf unserer Frankreich-Tour im Frühsommer war's ähnlich. Immerhin wird sich das Wetter während der heutigen Tagesetappe wenigstens zeitweise etwas bessern. Ich habe mich heute auf eine lockere und relaxte und angenehme Tagestour eingestellt. Im Hotel Am Zehntstadl in Gögglingen wartet schon ein Zimmer auf mich. Das hab ich mir gestern nach meinem Landkartenstudium noch telefonisch reserviert. Jetzt muss ich nur noch meinen Gesässmuskeln gut zureden, dann ist alles in Butter. Letztere melden nämlich unerwarteter Weise Muskelkater an. Die gestrigen Anstiege waren wohl doch nicht so ganz ohne und zudem hab ich auf der Passage im Ablachtal noch kräftig Zunder gegeben und jetzt büsse ich eben dafür. Selber schuld. Trotzdem, wie gesagt: heute liegt eine eher geruhsame Tagestour vor mir. Es werden zwar um die achtzig Kilometer zusammen kommen, aber bis auf ein paar Ausnahmen wird mich heute meist ebenerdiges Terrain erwarten. Ich werde mich heute also mit und auf dem Donauradweg vergnügen. Ist eben schon auch bequemes Vorwärtskommen hier, denn der Radweg ist Eins A ausgeschildert. Man braucht nicht immer mit der Landkarte hantieren und kann sich ziemlich auf die Wegweiser verlassen. Diesen Abschnitt von Mengen bis so circa Ulm mag ich sowieso recht gerne, er ist vielleicht sogar mein liebster. Ich mag den Anblick der sanften Hänge auf der Nordseite des Donautales. Mit den Kirchen und Häusern der kleinen Orte immer auf dem jeweils ersten kleinen Hügel, der sich aus dem Tal erhebt. Und das Rad läuft hier zügig auf den Wirtschaftswegen voran. Zwischendrin gibt es dann mal diese unangenehme Flussüberquerung auf der Eisenbahnbrücke, mit dem schmalen Steig für Radler oder Spaziergänger. Hier ist nicht meine Höhenangst das Problem, sondern der Gitterboden aus Metall, der bei Nässe glitschig wird. Noch dazu ist dieser Steig recht schmal. Ich frage mich, ob ich mein Trike hier durch bekommen hätte. Später, bei Datthausen, diese extrem steile Rampe hinauf ins Dorf, die sich nur schiebender Weise bewerkstelligen lässt. Die oben erwähnte Muskulatur meiner Hinterpartie freut sich über die Abwechslung. Bei Obermarchtal wird man nun automatisch so geleitet, dass man den Bogen der Donau komplett ausfahren muss oder darf. Also über Mittenhausen und Rechtenstein nach Untermarchtal. Früher war das lediglich eine Alternative und die Hauptroute verblieb neben der Bundesstrasse. Die neue Routenführung ist aber lohnens- und sehenswert. Zum Beispiel ist das Stadtbild von Rechtenstein durchaus ein Sahnestück. Gleiches gilt auch für Munderkingen. Kurz bevor man diese Stadt erreicht, gleitet man einen Hügel hinab und bekommt, als ob die Abfahrt nicht schon Geschenk genug wäre, als Zugabe noch das Stadtpanorama von Munderkingen offeriert. In Rottenacker schweifen dagegen die Gedanken erneut zurück zur letzt jährigen Reise, als ich hier meine Tagestour schon beenden wollte und vergeblich ein Zimmer gesucht habe. Heute ist dies jedoch keineswegs mein Ansinnen, weil es - Hand auf's Herz - heute einfach fantastisch läuft! Zwar regnet es jetzt leicht, doch wir sind noch weit von einem Regenklamottenalarm entfernt und Windjacke, Kappe und die leichten Sommerhandschuhe genügen. Die Stadtdurchfahrt von Ehingen ist so eine Sache: die Altstadt ist attraktiv und bietet vielerlei Infrastruktur, von Lebensmittelläden bis hin zu Hotels. Keine Frage. Aber man wünscht sich trotzdem eine ausgeschilderte Variante ausserhalb der Stadt, damit man dem ganzen Zinnober in der Innenstadt, also den Autoverkehr, ausweichen und ohne Stadtdurchfahrt seines Weges ziehen könnte. Mir wird auf dieser Reise das erste Mal so richtig bewusst, dass es unter anderem auch das Ziel der Radwegeplaner (und der Geldgeber) ist, die Routen möglichst durch die Innenstädte zu lenken. Natürlich ist das logisch. Aber mir Spätzünder wird's heuer zum ersten Mal so richtig bewusst. Also Ehingen. Letztes Jahr beendete ich hier meine Etappe. Dieses Jahr nicht. Ich setze vielmehr meinen Weg bei leichtem Getröpfel fort. Gibt's was Schöneres, als so auf Wanderschaft zu sein, sofern man ein Vagabundenherz sein Eigen nennt, wie ich es tu? Glück. Ja, das ist Glück. So fühlt sich das an. Mein Gaul tanzt zwischen den Regentropfen Slalom. Speedy spielt ihr Temperament aus und rollt und rollt und rollt Der renovierte Zehntstadl in Gögglingen ist eines meiner bevorzugten Hotels auf dem Donauradweg. Dort übernachte ich jetzt schon zum Dritten Mal. Mitten am Nachmittag komme ich an und stelle fest, dass man inzwischen auch den Gasthof auf der anderen Strassenseite renoviert hat. Dort kann man nun also auch unterkommen und zu Abend essen. Was man in "meinem" Hotel eben nicht kann, weil es ein Hotel Garni ist. Abends sehe ich im TV nicht nur einen abgehalfterten Gregory Peck in seinen sechziger Jahren in einem drittklassigen Western (Hat der denn in vorgerückten Jahren keine besseren Rollen mehr bekommen?) sondern auch noch eine Dokumentation über die viel zu früh (und obendrein überaus mysteriös) durch einen Autounfall verstorbene Sängerin Alexandra. Die mochte ich schon immer. Oh Mann, diese Stimme! Sie und ihr Kollege und Freund Adamo! Wie hiess der eine Song von ihm, den ich so mochte, noch? Inch' Allah? |
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