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Samstag, 25. August 2007. Von Gössweinstein
nach Neumarkt (79 Km) Heute gibt's eine anstrengende Tagesetappe. Die ersten zwanzig/fünfundzwanzig Kilometer bin ich entweder unter sieben oder über vierzig Stundenkilometer unterwegs. Es geht buchstäblich nur bergauf oder bergab. Vielleicht wäre die Fahrt durch das obere Pegnitztal doch die bessere Wahl gewesen? Dazu hätte ich mich aber zuerst fünfzehn Kilometer nach Osten bis zum Städtchen Pegnitz durchschlagen müssen. Der Talabschnitt der Pegnitz, auf den ich dann gestossen wäre, sieht genauso eng aus wie die letzten Kilometer des Wiesenttals, die ich gestern am Schluss meiner Tagesetappe noch gefahren bin. Wenn dort wieder der gleiche ruppige Waldweg auf mich wartet, der immer wieder am Talrand hinauf und hinab führt also ich weiss nicht so recht. Die Aussicht auf zwanzig oder mehr Kilometer dieses Terrains machen mich absolut gar nicht an. Und so scharf bin ich auf wildromantische, enge Flusstäler nun auch wieder nicht. Höchstens manchmal. Heute ist nicht manchmal. So suche ich mir denn auf der Landkarte eine Route, die mich schnurstracks nach Süden bringt. Eine kleine Landstrasse, die dieser Aufgabe gerecht werden könnte, ist bald gefunden, doch ich handle mir dabei eben auch etliche Höhenmeter ein. Leider sehe ich erstmal nichts ausser Feldern und Wälder und dann wieder eine Schneise und erneut einen Waldrand und dazwischen mal die ein oder andere Wiese. Aber kein Ausblick auf blaue Hügel in der Ferne oder auf weite Ebenen Ich empfinde das alles hier zu eng strukturiert und eigentlich gar nicht so recht nach meinem Geschmack. Mir will scheinen, als ob die Fränkische Schweiz eher ein Wanderland ist, meinetwegen auch noch ein Mountainbike-Revier. Obwohl ich mir eigentlich gar kein Urteil erlauben darf, ich hab ja nur einen kleinen Teil davon gesehen. Naja es geht nichts über eine gesunde Subjektivität Meine Stippvisite hierher war natürlich schon OK. Die Gegend von Bamberg aus Main aufwärts bis nach Bayreuth wäre zwar meinem persönlichen Geschmack eher entgegengekommen - das weite Maintal mit dem Staffelberg und Kloster Vierzehnheiligen und der Kulmbacher Plassenburg als markante Punkte - aber als ich mich gestern für eine Route entscheiden musste, hatte ich einfach Lust auf die Fränkische Schweiz. Bereut hab ich's nicht. Es war zudem recht schlüssig, in einem Wallfahrtsort gelandet zu sein, denn das hat der Reise den richtigen emotionellen Dreh gegeben. Eine Kerze hab ich allerdings in der Gössweinsteiner Basilika nicht angezündet (auf der Reise gab's "geeignetere" Orte), denn die Kirche war mir einfach zu kommerziell ausgerichtet und Andacht und Kommerz addieren sich meist gegenseitig zu null. Ich mach lieber mal, dass ich voran komme, kurble nun Kilometer um Kilometer nach Süden, radle durch kleine fränkische Dörfer und verballere ziemlich viel Energie schon in den Vormittagsstunden. Bei Ittling endlich ein Wechsel: hier treffe ich auf einen kleinen Bach, der ebenfalls nach Süden dängt. Und zu diesem Bach gehört natürlich auch ein Tal. Und in diesem Tal führt eine Strasse samt Radweg von der Höhe hinab ins Tal der Pegnitz. Der Bach, das ist die Schnaittach. Dankbar nehme ich dieses Geschenk an und überlasse mich der Schwerkraft. Der Radweg bleibt mir bis zur Stadt Schnaittach erhalten, dann nehme ich wieder die Landstrasse und radle durch Rollhofen (klingt wie die Abkürzung von "Roll over Beethoven" ) und Speikern ins Pegnitztal. Hier läuft der "Fünf Flüsse Radweg" entlang und prompt sieht man wieder Radler mit Gepäck. Kurz vor Hersbruck, bei Henfenfeld, biege ich von der Route ab und folge dem "Pegnitz-Laaber-Radweg", der mich nach Neumarkt leiten soll. Wieso bin ich der Meinung, ich wäre aller Anstiege ledig, sobald ich nur das Pegnitztal bei Hersbruck gequert hätte? Was fantasiere ich mir da zusammen? Auch jenseits des Tales wachsen Hügel aus dem Boden! Immerhin geht's aber nun erstmal etwas moderater zur Sache und vor allen Dingen ist die Landschaft wieder weiter geworden. Da geht auch mir das Herz gleich wieder auf. Doch bei Püscheldorf kommt dann der Hammer des Tages: eine lange vierzehn prozentige Kletterpartie hinauf bis nach Klingenhof. Und genauso geht's auf der anderen Seite anschliessend auch wieder den Berg hinunter. Eigentlich - es ist mittlerweile früher Nachmittag geworden - reicht es mir für heute. Ich spüre die Summe aller bisher gefahrenen Tagesetappen in den Knochen (beziehungsweise Muskeln) und es ist ziemlich heiss. Irgendwo komme ich an einen neu erstellten Rastplatz vorbei, mit Tisch und Sitzbänken und Brunnen. Leider führt der Brunnen kein Trinkwasser, wie man es in der Schweiz gewohnt ist. Ein kleiner Rest Wasser ist aber noch in meiner Trinkflasche, und damit komme ich wohl über den Tag. In Altdorf, der nächsten, etwas grösseren Ortschaft, wäre ich eigentlich schon bereit für eine Beendigung der heutigen Tour, aber dort findet sich leider keine Unterkunft. Also doch noch weiter bis Neumarkt. Um dorthin zu gelangen, bietet sich die Benutzung des Treidelpfades entlang des Ludwig-Donau-Main-Kanals an. Und den suche ich mir jetzt. Erstmal geht's nach Altdorf recht lange abwärts bis zu einem Ort namens Rasch. Es sieht so aus, als ob man mir die Höhenmeter nur so hinterher wirft - wie Sonderangebote im Supermarkt. In Rasch schickt man mich aber dann noch rasch einen Hang hinauf und erst hier finde ich endlich den Einstieg in den Kanalweg. Jetzt darf ich ebenerdig dahinradeln und das ist eigentlich doch ganz schön, muss ich jetzt trotz meiner Müdigkeit zugeben, auch wenn ich Kanalwege nicht so mag. Der Kanal läuft erhöht dahin und man kann linkerhand weit über das Land blicken. Allerdings bleibt die Kamera in der Packtasche, ich will jetzt einfach nur noch ankommen. In Neumarkt finde ich sofort ein Hotel, direkt am Marktplatz. Dort, auf diesem Marktplatz nämlich, kann man abends gemütlich im Freien sitzen und/oder Pizza essen und das Treiben rundherum beobachten. Autos dürfen den lang gezogenen Ortskern nur bis zu einem bestimmten Punkt befahren und an diesem Endpunkt hat man einen Wendeplatz geschaffen, ergo fahren all die Halbstarken mit ihren Schlitten immer mit Karacho bis hierhin, müssen zwangsläufig fast im Schritttempo umkehren und finden dann aber sofort wieder Gelegenheit zu gepflegtem Reifenquietschen und Beschleunigen. Normalerweise nervt mich das lautstarke Gehabe, aber heute amüsiert es mich und erinnert mich an frühere Zeiten. Ich freue mich auf morgen. Ich werde dem Ludwig-Donau-Main-Kanal weiter bis zum Altmühltal folgen und dieses dann in Richtung Eichstätt befahren. Da war ich schon eine Ewigkeit lang nicht mehr unterwegs. Zudem kann ich eine flache Tagesetappe gut gebrauchen. |
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