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Sonntag, 26. August 2007. Von Neumarkt
nach Kindig (45 Km) Als ich heute morgen kurz nach Neumarkt bei einer Umleitung kurz mal eine steile Rampe hoch muss, spüre ich den gestrigen Tag in den Knochen. War schon nicht ganz ohne, diese Etappe. Deswegen und weil heute Sonntag ist, lasse ich es ruhig angehen. Keine grossen Pläne, kein vorher schon gewähltes Etappenziel, einfach drauf los radeln. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal, der mir gestern schon gute Dienste geleistet hat, bietet sich nochmals an. Obzwar mich normalerweise die Eintönigkeit kerzengerader Kanalwege schnell langweilt - heute früh ist mir das alles herzlich willkommen. Übrigens bin ich jetzt auf der "Tour de Baroque" unterwegs, die von Neumarkt zuerst bis zur Altmühl und weiter die Donau entlang bis Passau führt. Ich bleibe dieser Route aber nur bis zum Altmühltal treu, dann scheiden sich unsere Wege. Zuerst also noch der oben erwähnte Weg am Kanal entlang, da muss ich aufpassen, dass ich auf dem Rad nicht einschlafe - denn das wäre Öl ins Getriebe all derer, die mir unterwegs gerne dazu passende Sätze zurufen, wie etwa: "Sach ma, schläfste mit dieser Kutsche nicht andauernd ein?" oder "Haste n'en Wecker dabei?" Aber ganz ehrlich: wenn man so bequem im Sitz liegt, ist man wirklich gefährdet, kurz mal wegzudösen - den Sekundenschlaf gibt's auch auf dem Liegerad In Plankstetten soll der Kultur beflissene Reisende der Kirche Tribut zollen, wozu ich mich heute aber nicht befinden kann. Mir durchaus meines Banausentums bewusst, radle ich an dem sakralen Bauwerk vorbei und habe damit zu tun, den Kirchgängern auszuweichen, die jetzt am Schluss des Gottesdienstes ins Freie strömen. In Berching wird das erste Mal (für den, der in Neumarkt die Augen verschlossen hatte und Plankstetten links liegen liess) klar, warum dieser Radfernweg "Tour de Baroque" heisst: Barockfassaden wohin das Auge blickt! Alles piekfein renoviert! Und wie das Gelb und Weiss in der Vormittagssonne glänzt! Für die nächste Stadt, Beilngries gilt übrigens dasselbe. Beilngries liegt schon im Altmühltal und plötzlich hat man es mit einer hohen Touristendichte und einem dementsprechenden Verkehrsaufkommen auf dem Altmühltalradweg zu tun. Was da heute alles unterwegs ist! Jung und alt, gross und klein, ganze Radlerkolonnen und auch der ein oder andere Zigeunerjunge. Ich reihe mich da mit ein und versuche, gegen den Strom voranzukommen. In Kinding ist es dann soweit: ich werde hinterrücks von einem heimtückischen Hunger überfallen und kann mich nur dagegen wehren, indem ich der Gastwirtschaft in der Ortsmitte einen Besuch abstatte. Eigentlich ist es nicht nur der Hunger. Ich bin heute generell nicht so radl-freudig. Kaum habe ich die Speisekarte ganz durchgelesen, realisiere ich, dass man hier auch Zimmer vermietet. Ist es verboten, mittags um halb zwölf die Etappe schon zu beenden? Genau! Schluss für heute! Morgen ist auch noch ein Tag! Nach dem Mittagessen will ich mich nur mal kurz ein bisschen hinlegen und wache prompt erst nach zwei Stunden wieder auf. Ich scheine es wohl nötig gehabt zu haben Den Rest des Tages vertrödle ich im Biergarten. Ich finde es ganz unterhaltsam, den vorbei fahrenden Radlern zuzuschauen. Es gibt hier sogar einen Linienbus mit speziellem Gepäckanhänger für Fahrräder, der wohl im Altmühltal von Ort zu Ort fährt ich sehe und staune! Mir tut der ganze Trubel hier, nach der relativen Einsamkeit der letzten Tage, richtig gut. Heute ist mein neunter Reisetag und ich habe immer noch fünf oder sechs vor mir. Auf Radreisen hab ich immer ein so sonderbares Zeitempfinden: einerseits vergehen die Tage rasend schnell, andererseits kommt's mir jetzt schon wieder wie eine Ewigkeit vor, seit ich vor über einer Woche von zuhause aus aufgebrochen bin. Wenn ich mir zum Beispiel das Aussehen der verschiedenen Hotelzimmer, in denen ich bisher übernachtet habe, ins Gedächtnis rufen will, so gelingt mir das nur mit Mühe und Not. Wann wohl die Schwalben in den Süden ziehen? Die hier scheinen es nicht sonderlich eilig zu haben. Viele Stare sind mir während der Reise aufgefallen, zu grossen Schwärmen zusammen geschlossen, in dunklen Wolken über die Felder ziehend. Sollten die nicht auch schon längst weg sein? Und heute hab ich hier im Altmühltal wohl einen Wanderfalken gesehen. Bin mir aber nicht hundertprozentig sicher. Auf jeden Fall war es ein Falke, der Vogel war grösser als ein Turmfalke und hatte auch ein anderes Flug- bzw. Jagdverhalten, hat nicht nach Turmfalkenart gerüttelt. Am Nachbartisch schimpfen sie über den lausigen Sommer. Ich kann das für mich nicht nachvollziehen. Mir kommt's so vor, als ob wir schon ewig lang Sommer haben. Ich hatte bisher eine gute Outdoor-Saison. Das fing ja schon im März an. Dann kam der trockene und schon fast sommerliche April im Sommer dann der stete Wechsel zwischen nassen und trockenen Zeitabschnitten, der für viel Grün gesorgt hat und jetzt steht uns noch der Altweibersommer ins Haus. Also ich kann das ganze Gejammer nicht nachvollziehen, aber klar, ein jeder hat so seine eigene Perspektive und Wahrnehmung. |
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