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Montag, 27. August 2007. Von Kinding
nach Donauwörth (99 Km) Eigentlich hat jeder Tag so seine Höhepunkte. Entweder in positiver oder in negativer Hinsicht. Heute ist das für mich eine Begegnung der besonderen Art, schon fast am Ende der Tagesetappe: Als ich im Donautal, kurz nach Marxheim, eine Anhöhe erklommen habe und auf einem Rastplatz eine kurze Pause machen will, tönt mir schon von weitem herzzerreissendes Wimmern entgegen. Der Rastplatz ist mit einem Tisch und zwei Bänken bestückt, daneben steht ein Baum und in einer Astgabel dieses Baumes sitzt ein kleines getigertes Etwas und traut sich nicht mehr herunter. Auf den Tisch geklettert, reiche ich mit meinen Händen gerade noch bis zu dieser Astgabel und kann das Kätzchen leicht herunter holen. Aber jetzt weicht es mir nicht mehr von der Seite und maunzt und miaut. Oh Mann! Ausgerechnet! Wo wir zuhause schon seit einiger Zeit diskutieren, ob wir uns nun Katzen zulegen oder nicht. Doch es hilft nichts, der kleine Tiger muss hier bleiben zudem ist das Tier ein recht gepflegtes und sauberes kleines Wesen, es ist also nicht verwildert und gehört wohl in das nächste Dorf, das ja nur ein paar Meter hinter mir liegt. Jedenfalls läuft mir das Kätzchen noch nach, bis ich Geschwindigkeit aufnehme und es immer mehr zurück bleibt. Tja besser das Ganze mal schnell vergessen und lieber eine Rückblende auf den heutigen Tag machen: So überfüllt der Altmühltalradweg am gestrigen Sonntag war, so einsam ist er heute am frühen Montagmorgen. Der ein oder andere Hundebesitzer führt seinen Liebling Gassi, aber ich bin erstmal der einzige Radfahrer, früh morgens um acht - kein Vergleich zum gestrigen Hochbetrieb. So kann ich in Ruhe das Morgenlicht auf mich wirken lassen, das Glitzern des Taues auf den Wiesen. Ist natürlich schon ein ideales Radlrevier hier, keine Frage! Der angenehme Weg, das sehenswerte Tal, ab und zu mal eine Burg auf einem Felssporn über dem Fluss - wie zum Beispiel in Kipfenberg. Eichstätt. Ehingen-Syndrom. Aber problemlos. Gleich jenseits der Stadt sitzt ein Senior am Wegesrand und aquarelliert die Willibaldsburg. Der Herr reist ebenfalls mit dem Rad. Mit etwas mehr Geduld würde ich auch tagsüber am Motiv arbeiten können. Aber diese Geduld, mich unterwegs hinzusetzen und zu zeichnen, wo doch die Strasse auf mich wartet, ist mir nicht gegeben. Hm man muss sich einfach so akzeptieren, wie man ist! Oder so. Meine Zeichnungen entstehen immer abends aus dem Gedächtnis heraus. Da ich die Natur oder die Gegend eh nicht eins zu eins abbilden möchte, kann ich gut damit leben. Kurz vor Dollnstein steht ein markanter Kalksteinfels frei am Talrand und will nicht nur von mir fotografiert werden: inzwischen hat sich das Tal wieder bevölkert und ich habe Gesellschaft bekommen. Je weiter der Tag voranschreitet, desto mehr nimmt natürlich auch die Radlerdichte wieder zu, schliesslich ist ja immer noch Saison, eigentlich sogar Hochsaison. Dollnstein. Von dieser Seite kommend sieht man noch die alte Stadtmauer. Hier zweige ich ab und will nun durch das Urstromtal der Donau radeln. Zwar gibt es hier einen Radweg, der bis zur Donau führt, aber ich nehme lieber die schnellere Landstrasse, die parallel dazu verläuft. Es ist Mittag, es sind kaum Autos unterwegs und im Zweifelsfalle ziehe ich Asphalt jeder Schotterdecke vor, möge sie auch noch so feinkörnig sein. Dieses Tal hier steht dem Altmühltal übrigens an Schönheit nicht nach, es sieht - wie nicht anders zu erwarten - nahezu identisch aus: Kalksteinfelsen, Mischwald, Wacholderheide. In Wellheim prägt obendrein eine Burg das Stadtbild, also alles wie gehabt. Auf dieser Landstrasse kommt man recht schnell voran, lediglich bei Mauern gilt es eine kleine Anhöhe zu erobern, dafür darf man gleich im Anschluss daran mit Karacho hinunter nach Rennertshofen rollen und hat damit das Donautal erreicht. Den nun folgenden Abschnitt bis nach Donauwörth bin ich ja schon öfter gefahren und zwar in beide Richtungen, das letzte Mal voriges Jahr. Es ist eine recht abwechslungsreiche Passage, ein paar Kilometer am Damm entlang, dann wieder über die Hügel am nördlichen Talrand, wobei man schöne Ausblicke über die weite Ebene im Süden hat. Und dort geschieht auch die Episode mit dem kleinen Kätzchen. Während ich dem Erlebnis mit dem Mini-Tiger noch nachsinne, bin ich schon fast in Donauwörth angekommen. Zuerst wollte ich wieder im Parkhotel um ein Zimmer anfragen, hoch über der Stadt und mit wunderbaren Blick nach Süden, aber am Eingang zur Altstadt stolpere ich über die Touristeninfo und lasse mir ein Zimmer unten in der Stadt vermitteln. Diese zeigt ein barockes Stadtbild, allerdings ist die Prachtstrasse im Stadtzentrum gleichzeitig auch recht vom Durchgangsverkehr belastet. In einem Buchladen kaufe ich mir noch zwei Landkarten, die das Gebiet südlich der Donau abdecken - ich möchte nämlich ab morgen den Zusam-Radweg befahren, der von hier nach Süden führt. |
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