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Donnerstag, 30. August 2008. Von
Bad Waldsee bis Obernützenbrugg (45 Km) Ich radle wieder durch eine regennasse und nebeltrübe Landschaft. Wahrscheinlich ist es sogar landschaftlich recht schön hier sehen tu ich jedoch nicht sehr viel. Die Trockenperiode ist nach etwa einer Stunde vorüber, der Himmel öffnet seine Schleusen halb und schickt mir Nieselregen. Das wäre nicht weiter schlimm, doch der Wind frischt auf und kommt meistens von backbord, wenn nicht gar von vorne und treibt mir die Tropfen unter dem Schirm meiner Mütze ins Gesicht. So was liebe ich ja über alles zwischen Wolfegg und Kisslegg bin ich dann so genervt, dass ich einen Abbruch der Reise ernsthaft in Erwägung ziehe. Die Versuchung, zum nächsten Bahnhof zu radeln, wird jetzt ziemlich gross. Einfach den nächsten Zug nach Hause nehmen mich in die Badewanne legen und pflegen bevor ich Gelegenheit habe, diese Gedanken in die Tat umzusetzen, ändert sich jedoch die Windrichtung und nun hab ich das Gebläse grösstenteils von hinten, was dem ganzen Treiben gleich ein anderes Gesicht gibt. Bei Wolfegg scheine ich erneut eine Wasserscheide überschritten zu haben, denn obwohl ich noch die ein oder andere Bodenwelle zu erklimmen habe, geht's insgesamt gesehen doch eher bergab. Mitten am Vormittag bin ich in Wangen. Obwohl ich vorgestern schon vorsorglich ein Zimmer bei Hergensweiler geordert habe (dort werde ich wohl um die Mittagszeit eintreffen), käme ich heute lieber in einem etwas feudalerem Stadthotel unter. Am Nachmittag Siesta halten, später dann noch in der Stadt herum streunen, das wäre genau nach meinem Gusto. Also versuche ich in Wangen mein Glück. Hoffnungslos! Im ersten Hotel, in dem ich um eine Unterkunft nachfrage, winkt man entnervt ab: alles ist wegen der Eurobike in Friedrichshafen ausgebucht. Auch hier ist man recht hilfsbereit und telefoniert für mich mit der Touristeninfo. Doch in ganz Wangen kriegt man kein Zimmer mehr. Nichts zu machen. Schade. Also weiter. Auf den letzten Kilometern bis zu meiner Unterkunft - "Manfred's Bikermühle" in Obernützenbrugg - regnet es wieder stärker, sodass ich eigentlich über jede Übernachtungsmöglichkeit froh bin. Doch was macht man in der Pampa an einem regnerischen Nachmittag, wenn das Zimmer karg und kalt ist, man nicht andauernd schreiben oder zeichnen oder lesen mag und auch kein Fernsehgerät für Zerstreuung sorgt? Man schlägt, so gut es geht, die Zeit tot. Die zum tausendsten Mal auseinander gefalteten Landkarten, den fast ausgelesenen Roman, das Tagebuch Nachdenken über die fast abgeschlossene Reise Abends kommt nochmals die Sonne raus, sodass ich im Garten sitzen kann. Ich vergnüge mich mit einer Motorradzeitung und staune, was man da alles lesen kann bzw. wie sich diese Szene präsentiert. Und im Schuppen steht die Speedmachine neben einem Chopper. Endlich ist es Zeit, ins Bett zu gehen. Uff so langweilig wie heute war's mir schon lange nicht mehr Morgen kommt mir Margrit mit dem Zug entgegen. Wir werden uns im Parkhotel Waldau in Rohrschach treffen und am Samstag miteinander nach Hause fahren oder radeln. |
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