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Freitag, 31. August 2008. Von Obernützenbrugg
bis Rorschach (50 Km) Eigentlich hätte ich gestern auch gleich weiter bis nach Rorschach fahren können - von der Kilometeranzahl her gesehen wäre das ohne weiteres möglich gewesen. Ich bin nur nicht auf die Idee gekommen. Ich hätte garantiert besser geschlafen als heute Nacht. Denn viel Schlaf gab's nämlich nicht. Manfred's Bikermühle füllte sich im Laufe des Abends mit allerlei illustren Gästen und wirkliche Ruhe kehrte erst gegen zwei Uhr früh ein. Aber was soll's, irgendwann ging auch das vorbei. Dafür bekomme ich heute zur Entschädigung einen wolkenlosen Morgenhimmel und Rühreier serviert. Um halb sieben sehe ich die Sonne aufgehen. Allerdings überzieht sich der Himmel mit einer Nebeldecke, und als ich um acht Uhr los ziehe, dringt die Sonne nur ab und zu mal durch das Gewölk. Beindruckende Stimmung! Es wartet eine angenehme Talfahrt auf mich. Prinzipiell immer entlang des Flüsschens Leiblach, im deutsch/österreichischen Grenzgebiet, durch kleine Weiler und Dörfer bis hinab zum Bodensee. An einer Kreuzung, an der ich nicht weiter weiss, nimmt sich ein Radfahrer meiner an. Der, ein Pendler auf dem Weg ins Büro, ist mir jedoch viel zu schnell. Landschaftsgucken und Pendeln sind eben zwei verschiedene paar Stiefel, und so lasse ich ihn seines Weges ziehen und falle wieder in meinen ruhigen Morgenrhythmus zurück. Als ich zwischen Lindau und Lochau auf den See treffe, zeigt der Himmel schon viel Blau. Auf dem Bodensee-Radweg gen Bregenz radelnd wird mir bewusst, dass ich zu Pfingsten hier noch mit meinem Vater unterwegs war. Wer hätte damals gedacht, dass wir uns in diesem Leben nicht mehr wiedersehen würden? Der Abschied am Ende der Radreise damals war ein Abschied für immer. Es kommt mir so vor, als ob das erst gestern gewesen wäre, die Beerdigung vor vier Wochen scheint dagegen schon eine Ewigkeit zurück zu liegen. Ich lasse mir ziemlich viel Zeit. Es sind die letzten paar Momente dieser Reise, so eine Art Pufferzone zwischen dem Freiheitsgefühl und dem Alleinsein der letzten zwei Wochen und dem Beginn des Alltags. Ich geniesse den Blick auf den See, halte immer wieder mal an, nehme an einem Campingplatz-Kiosk einen Kaffee zu mir, rolle auf einer Brücke über die Bregenzer Ach und nehme an einer Radfahrerbefragung teil, wo ich für die Beantwortung von zwei Dutzend oberflächlicher Fragen eine Hosenklammer geschenkt bekomme - mein Souvenir. Ein paar Minuten später quere ich den Neuen Rhein, tauche ein in das Naturschutzgebiet im Mündungsdelta des Rheins. Das Wetter bessert sich zusehends, es wird wieder schön warm und etwas dunstig, wie oft an solchen Frühherbsttagen. Bald darauf bin ich in Rorschach und sitze schon um zwölf Uhr mittags auf der Terrasse im Waldau und strecke wohlig die Beine, lasse mir Kaffee und Kuchen munden. Ich bin froh, dass ich gestern Vormittag doch weiter gereist bin und nicht den Zug genommen habe. Es ist recht befriedigend, hier, gewissermassen "nach getaner Arbeit", in der Sonne zu sitzen und eine so gelungene Reise "nach Hause zu bringen". |
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