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Donnerstag,
1. Mai 2008. Von Flensburg nach Bonsberg (49 Km) Der ist schmal und etwas verwildert und gehört zu Flensburg und es ist mittlerweile kurz vor sechs Uhr früh. Na, das nenn' ich wirklich eine angenehme Anreise! Lediglich das Catering gestern Abend ist im Prinzip so gut wie ausgefallen: der überlange Zug, mit Kurswagen nach Warschau und Moskau, verfügte nur über ein einziges unterdimensioniertes Zugrestaurant und das war schon ausgebucht, bevor wir unsere sieben Zwetschgen im Abteil verstaut hatten und uns Gedanken über das Abendessen machen konnten. Also wurde mit dem mitgebrachten Proviant aufgeräumt und lediglich etwas Wein vom Restaurant organisiert. Als ich später nochmals Flüssiges organisieren wollte, gab es lediglich noch eine einzige 0.25 l Flasche Wein im ganzen Zug, ansonsten war schon die ganze Bar leer getrunken. Und das um acht Uhr abends Heute Morgen jedenfalls stehen wir bei Nieselregen auf dem Flensburger Bahnsteig und sortieren uns erstmal ein klein wenig, tun uns die Regensachen über und rollen langsam in die morgenstille Stadt hinein. Die Luft duftet gut, es ist erstaunlich mild, und die ersten Wegweiser des Ostseeküstenradweges sind auch gleich gefunden. Wie ausgestorben liegt die Stadt da, als wir über grobes Kopfsteinpflaster den Weg zum Hafen suchen. Irgendwo vor einer Kneipe steht ein Rudel Männer auf der Strasse. Die sind wohl noch von gestern Nacht übrig geblieben und haben durch gemacht, denn für einen Frühschoppen ist es eindeutig zu früh. Einer macht sich über Margrits gelben Helmüberzug lustig: " ich hab einen gelben Hut, der steht mir so gut " Dass der in seinem Zustand noch so spontan reimen kann, finde ich schon erstaunlich! Bald sind wir unten am Hafen, lassen das Hafenbecken mit dem Stadtpanorama und den Schiffen auf uns wirken und machen uns langsam auf den Weg in Richtung Glücksburg. Wir werden heute und wohl auch noch morgen ein Weilchen dem Ostseeküsten-Radweg folgen. Wie weit und wie spurtreu wir diesbezüglich sein werden, wird sich noch herausstellen. Gleich am Anfang ein erstes Aha-Erlebnis: hier ist es nicht etwa nur flach und eben, wie man sich das so vorstellt, nein, da geht es durchaus auch mal ein wenig auf und ab. Es dauert ein Weilchen, bis wir die Vororte Flensburgs hinter uns gelassen haben. Zwischendurch kommen wir noch am Kraftfahrt-Bundesamt vorbei, das zu pixeln ich mir nicht verkneifen kann. Ein paar Minuten später rollen wir steil hinunter zum Wasser, das hier Flensburger Förde heisst, und dürfen eine Weile am Ufer entlang gleiten. Mann ist das ruhig hier! Viel Singsang von den Bäumen und aus den Sträuchern, ansonsten keine Menschenseele unterwegs. Kein Auto, kein Fluglärm, rein gar nichts - wirklich ein ruhiger Reisestart! Bei Glücksburg radeln wir an einem recht grossen Buchenwald entlang, der vor Nässe trieft und einen interessant gefärbten Moosboden hat. Und schliesslich geht es allmählich raus auf's Land, Hügel auf, Hügel ab. Es hat aufgehört zu nieseln und ein Blick nach Westen zeigt erste Auflockerungen der Wolkendecke. Und ab und zu ist uns jetzt der Kontakt mit dem Wasser vergönnt, bei Schausende oder Bockholm zum Beispiel. Irgendwie fühlen wir uns aber noch eher wie am Bodensee und nicht wie am Meer. Man sieht das andere Ufer - dort drüben liegt Dänemark - die Landschaft sieht ähnlich aus wie der heimische Thurgau, lediglich die Architektur der Häuser hier erinnert an den Norden. Zudem sieht man hier natürlich die Spuren der Gezeiten, den Höchststand der Flut durch eine Linie aus Tang oder anderem Angespülten markiert. Die vielen Muscheln gibt's am Bodensee auch nicht und ausserdem finden wir eine Menge Flint(Feuer-)stein. Wir sind schnell müde heute, so richtig in Fahrt kommen wir nicht. Da hilft auch die schöne Gegend und der Kaffee im Schnellimbiss irgendwo in einem Dorf längs der Strecke nicht. Wir sind froh, als wir um elf Uhr vormittags in unserer Unterkunft im Fähr Café in Bonsberg ankommen und denn ganzen Nachmittag Zeit zum süssen Nichtstun haben. Es war jedoch ein guter Start und eigentlich genau die richtige Etappenlänge, um uns erstmal einzurollen. |
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