Freitag, 2. Mai 2008. Von Bonsberg nach Eckernförde (63 Km)

Bonsberg > Gelting > Rabenholz > Kappeln > Olpenitz > Karby > Damp > Ludwigsburg > Eckernförde

Das Fähr Café in Bonsberg ist übrigens absolut empfehlenswert: gute Küche, saubere, gepflegte Unterkunft, nur ein paar Schritte zum Meer und man hat vor allen Dingen einen geräumigen Garten zur Verfügung, in dem wir es uns gestern für den Rest des Tages gemütlich machen konnten. Wie einem da gleich das Herz aufgeht, wenn man Muse hat, die Schwalben hoch oben ihre Kreise ziehen und man neben ihrem Zwitschern noch das heisere Kreischen der Seemöwen hört.

Und heute früh scheint die Sonne ins Zimmer! Um acht gibt es Frühstück, um halb neun radeln wir schon gen Süden. Da wir nicht sklavisch auf dem Ostseeküsten Radweg bleiben wollen und dieser auf der Strecke bis nach Kappeln sowieso nur kurz die See berührt, ansonsten aber im Zickzackkurs über das Land geführt wird, nehmen wir bei Gelting die kleine Landstrasse, die über Rabenholz schnurstracks nach Süden, auf Kappeln zu, führt. Und das ist keine schlechte Entscheidung, denn es rollt prima, die Gegend ist sehenswert - inklusive blühender Rapsfelder soweit das Auge reicht - und es gibt kaum Autoverkehr. Letzteres ändert sich dann auf der Einfahrt nach Kappeln. Und besonders vor der Brücke über die Schlei staut sich der (Auto-)Verkehr gewaltig, was uns Radfahrer jedoch kaum tangiert, es gibt ja schliesslich Radwege… Nachdem wir die Schlei überquert haben, gönnen wir uns erstmal ein Päuschen. Dafür eignet sich besonders gut ein Restaurant mit Garten und Blick auf den Fluss und auf das Kappelner Stadtpanorama.

Von hier an folgen wir wieder den Schildern des Ostseeküsten Radweges. Das bedeutet leicht welliges Bauernland - gelb ist natürlich die vorherrschende Farbe - bis wir bei Nordbagen das Meer erreichen und der Weg eine zeitlang direkt am Ufer geführt wird.

Das nenne ich nun aber wirklich "Meer"! Kein Bodensee-Feeling mehr wie gestern! Kilometer langer Sandstrand, kein Land mehr in Sicht, und wie für uns bestellt ziehen da gerade zwei grosse Segelboote vorbei, also wenn das nicht Klischee pur ist! Leider führt dieser Weg nach einem oder höchstens eineinhalb Kilometern wieder fort von der Küste, so ist der Anblick des Meeres nur von kurzer Dauer. Dafür dürfen wir uns Ortsnamen wie Karby oder Dingelby auf der Zunge zergehen lassen. Als diesbezüglich besonders ergiebig erweist sich Schuby und es gibt sogar einen Schubystrand! Ahumm…schubidubi…

Von der Ferne aus sieht man am Strand ein monumentales Bauwerk. Wer denkt, das wäre eine Fabrik, der täuscht sich: das sind die Zimmerburgen des Ostseebades Damp! Nun, wer sich dort wohl fühlt, meinetwegen. Wir umfahren das ganze Dingens und rollen weiter gen Eckernförde, wo wir uns ein Zimmer reserviert haben. Nach Pommerby radeln wir einen mit Bäumen und Sträuchern gesäumten Hohlweg entlang und es taucht die Frage auf, woher der Begriff Hohlweg kommt. Genau beantworten kann sie keiner von uns beiden, also zuhause mal recherchieren…oder so…

Das Gut Ludwigsburg, einen Lidschlag später, wäre wahrscheinlich wirklich eine Besichtigung wert gewesen, aber das verpassen wir mal wieder irgendwie. Kurz vorher kommen wir nämlich an einer Pferdekoppel vorbei, in der sich ein halbes Dutzend Fohlen mit ihren Müttern tummelt, eines davon scheint erst kurz vorher "geschlüpft" zu sein. Und der Anblick der jungen Pferde (wir sehen so was wirklich nicht aller Tage) erfreut und erheitert uns so, dass wir plaudernder Weise an besagtem Gut vorbei rauschen. Immerhin nehme ich es beim Vorbeigleiten aus den Augenwinkeln wahr und denk mir noch: was die hier für riesige Gutshöfe haben…

Wir sind auf der Einflugschneise nach Eckernförde, ein Radweg an einer grösseren Landstrasse. Und jetzt brauchen wir doch noch mal ganz kurz die Regensachen, denn im Laufe des Tages sind Cumuluswolken in die Höhe gewachsen und einige tragen anscheinend viel Wasser, ihrer dunklen Färbung nach zu schliessen. Überhaupt haben wir heute einen Tag erhöhten Kleiderwechsels: es ist recht warm in der Sonne, aber ziemlich kühl im Schatten oder bei dem frischen Wind, der heute weht. Also sieht man uns alle paar Minuten Windjacken und Handschuhe an oder ausziehen. Und jetzt am Schluss der Etappe streift uns auch noch diese Regenwolke - aber nur so peripher, dass wir die Regensachen umsonst hervor gekramt haben. Als wir in die Eckernförder Innenstadt rollen gewinnt die Sonne jedoch wieder Oberhand über die Regenwolken.

Hoppla, hier ist aber viel los! Die Fussgängerzone quillt fast vor Touristen über. Wir genehmigen uns ein Erdbeereis vor einem Eiscafé und machen uns dann auf die Suche nach unserem Hotel "Alte Fischereischule", das "oben auf dem Berg" (Originalzitat einheimischer Auskunftgeber) liegt und von dessen Terasse man einen schönen Blick über die gesamte Bucht hat. Dumm ist nur, dass unsere Unterkunft ein Hotel Garni ist, man kann dort also nicht essen. So machen wir uns, nach dem Genuss von Wannenbad und kühlem Bier, schweren Herzens (oder mit müden Gliedern) nochmals auf den Weg und essen alsbald nicht wirklich gut in einer Pizzeria. Aber man lernt hinzu. Vielleicht sollte man sich generell in einer Pizzeria wirklich nur auf Pizzas und meinetwegen noch diverse Pasta-Gerichte beschränken, nicht aber Lammfilet an Rotweinsauce bestellen…

Als Ausgleich dafür geniessen wir später nochmals den Panoramablick von der Hotelterrasse mit den blauen Wassern der Bucht im warmen Abendlicht.