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Mittwoch,
7. Mai 2008. Von Hiddingen bis Schwarmstedt (56 km) Halb neun ist es etwa, als ich vor einem Supermarkt in Visselhövede auf Margrit warte, die sich zwecks Proviantbeschaffung in denselben begeben hat. Bis sie wieder auftaucht, vertreibe ich mir die Zeit mit Erhebungen und Beobachtungen. Ich erhebe und beobachte natürlich die ein und ausgehenden Passanten und bin dann doch erstaunt, dass von 10 Frauen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren (Männer sehe ich so gut wie gar keine) 80 Prozent ziemlich fettleibig sind, also nicht nur ein paar Kilo, sondern wirklich reichlich zuviel auf den Rippen haben. Schon erschreckend. Genau diese Frauen steigen dann in recht grosse Schlitten ein. Man(n) wundert sich. Vier Stunden später warte, erhebe und beobachte ich erneut. Und zwar vor dem Landgasthof Leine-Hotel in Schwarmstedt. Heute ist Margrits grosser Organisationstag, und während sie die Schlüssel für unser Zimmer in Empfang nimmt, geht eine Gruppe Teenager an mir vorbei, Schüler von der Schule nebenan. Und die sind alle ausnahmslos schlank bis normal gewichtig. Gibt's also auch. Nachmittags, als wir in einem Strassencafé Kaffee und Kuchen geniessen, dann wieder eine Familie, bei der alle Mitglieder dick sind. Kann man da jetzt irgendeine Regel ableiten? Was will uns das sagen? Was will ich damit sagen? Keine Ahnung. Da darf sich jeder selber seinen Reim drauf machen. Wenn ich meinen eigenen Leib erhebe und beobachte, so stelle ich fest, dass es nicht einfach ist, mit fortschreitendem Alter halbwegs die Gestalt zu bewahren. Heute läuft's irgendwie besonders gut. Das Wetter strahlend wie gehabt, ruhige Strassen warten auf uns, es schwingt die freundliche Stimmung der gestrigen Unterkunft noch nach, obwohl schon eine Woche vergangen ist, haben wir noch so viele Urlaubstage vor uns - wir sind einfach guter Dinge! So kommen wir heute gut voran. Kleine Strassen, wie gesagt, leicht welliges Auf und Ab, natürlich erneut ausgedehnte Rapsfelder in voller Blüte. Und wie das duftet! Wird das Zeugs jetzt nun zu Sprit verarbeitet oder nicht? Eigentlich darf man sich das gar nicht vorstellen: wertvolle Landwirtschaftsflächen zur Treibstoffproduktion umfunktioniert - und andernorts wissen die Leute nicht mehr, wie sie die Grundnahrungsmittel finanzieren sollen. Irgendwie hat man so das Gefühl, dass die Menschheit ein Verbrechen nach dem anderen gegen die Humanität begeht. Ob und wie wir alle wohl mal dafür bezahlen müssen? Am späten Vormittag erreichen wir das Aller-Leine-Tal und "leinen uns an". Die nächsten Tage werden wir der Leine flussaufwärts folgen. Heute ist der erste richtige Sommertag. Wir schwitzen ganz schön, obwohl es hier im Flusstal ebenerdig dahin geht. Ein Päuschen in einem Café oder einer Gartenwirtschaft täte uns ganz gut, aber die kleinen Orte hier bieten auf den ersten Blick bzw. beim Durchrollen keine derartige Infrastruktur. In einem Lebensmittelgeschäft kann man zumindest einen Kaffee bekommen und vor dem Laden auf einer Bank trinken. Ein Blick auf die Karte - hier kommt der Bikeline-Reiseführer "Leineradweg" zum Tragen - zeigt nach dem nächst grösseren Ort, Schwarmstedt, wieder kleinere Ortschaften ohne Übernachtungsmöglichkeiten und so entschliessen wir uns, die heutige Etappe nach 56 Kilometern in eben Schwarmstedt zu beenden. |
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