Montag, 12. Mai 2008. Von Northeim bis Bad Sooden-Allendorf (69 km)

Northeim > Nörten-Hardenberg > Bovenden > Göttingen > Friedland > Arenshausen > Gerbershausen > Fretterode > Wahlhausen > Bad Sooden-Allendorf

In Göttingen kommt wohl ein Hund pro Einwohner. Mindestens. Wenn man nach Bovenden in das Einzugsgebiet der Stadt kommt und bei Rosdorf wieder aufgetaucht ist, kommt es einem jedenfalls so vor. Soviel Hundebesitzer auf einen Haufen wie hier sind mir schon lange nicht mehr begegnet. Aber alle sind sie diszipliniert und nehmen ihre Hunde zu sich, als sie uns bemerken. Vorausgesetzt sie bemerken uns. Wenn nicht, dann läuft Herrchen rechts am Radweg und Hündchen links am Radweg und dazwischen spannt sich eine Leine und man kommt einfach nicht dran vorbei, ohne zu klingeln oder/und zu bremsen. Naja, man kennt das ja.

Heute läuft es wieder wie geschmiert. Northeim ist ein schönes Fachwerkstädtchen, das wir gestern Abend noch genügend gewürdigt haben, im milden Licht der schwindenden Sonne vor einem Eiscafé in der Fussgängerzone sitzend. Und heute morgen rollen wir nochmals durch die Altstadt, bis wir wieder zum Leine-Radweg gefunden haben. Bis Göttingen kommen wir prima voran und sind schon vor elf Uhr jenseits der Stadt.

Nun rückt das näher, was uns ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet hat: wir müssen irgendwo irgendwie hinüber ins Tal der Werra wechseln. Seit gestern wachsen ja wieder Hügel am Rande des Flusstales in die Höhe und wie wir schon erfahren haben, sind die Steigungen da nicht so ganz ohne. Am liebsten wäre uns ein offiziell ausgeschilderter Weg, bei dem sich die Planer Gedanken über eine möglichst "harmlose" (was Steigungen und Verkehr betrifft) Routenführung gemacht haben. Und es gibt auch so einen offiziellen Leine-Werra-Verbindungsweg. Der läuft jedoch dummerweise entgegengesetzt diagonal zu unserer Route und würde uns zu einem längeren Umweg nötigen. Also dann eben doch auf eigene Faust versuchen, über den Berg zu kommen. Eine Strecke von Arenshausen über Gerbershausen nach Wahlhausen erscheint uns beim Kartenstudium halbwegs geeignet.

Im Ortskern von Arenshausen wartet dann also ein steiler Anstieg auf uns, aber nach ein paar Minuten ist man oben und taucht in eine sehenswerte Mittelgebirgslandschaft ein. Mischwald auf den runden Hügelrücken, riesige gelbe Rapsfelder und auf einmal geht es auf einer Art Plateau angenehm wellig dahin. Noch ein paar Höhenmeter und schon ist man in Gerbershausen und kurz nach diesem Ort öffnet sich ein beeindruckendes Panorama mit der Ortschaft Fretterode und bewaldeten Hügelketten am Horizont. Von nun an geht's fast nur noch bergab bis nach Wahlhausen.

In Wahlhausen sind wir dann auch schon im Werratal angekommen. Ich kann - als erste Impressionen - von einem imposanten Flusstal erzählen und von Hinweisen auf "Original Thüringische Bratwürste", mit Kreide auf Schiefertafeln gekritzelt, die vor Restaurants auf dem Gehsteig stehen. Kurz darauf bewundern wir schon die herausgeputzten Fachwerkfassaden in Allendorf, radeln über die Werrabrücke hinüber nach Bad Sooden, wo im Hotel am Schwanenteich ein Zimmer auf uns wartet.

Hier komme ich mir vor wie in Disneyland. Zumindest ist die Grenze zum Kitsch schon fast überschritten: niedliche Fachwerkhäuschen bis zum Abwinken, Cafés und Wirtschaften, Souvenirläden, et cetera. Das alles hat aber irgendetwas angenehm Anheimelndes an sich. Zu Pfingsten wurde hier ein grosses Fest veranstaltet und das liegt grad in den letzten Zügen. Eigentlich ist es die Clique der Festorganisatoren (erkennbar am Schlips für die Männer und am Abzeichen für die Damen), die grad in den letzten Zügen liegt und die sich jetzt am Schluss der Feier noch mal ordentlich die Kante gibt und auf die wohl gelungene Veranstaltung - kein Wunder bei dem Wetter - anstösst. Da ist noch eine Theke neben einer Weinstube aufgebaut, eine Stereoanlage ist noch betriebsbereit angeschlossen und unter den Damen und Herrn Honorationen befindet sich immer noch ein gewisser Prozentsatz, der das Tanzbein schwingen möchte, trotz nicht zu verleugnenden Alkoholgehalt in den Adern. Ob die wohl alle morgen wieder arbeiten müssen? Den Kater möchte ich nicht haben…