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Freitag,
16. Mai 2008. Von Bad Salzungen nach Mellrichstadt (72 Km) Als wir nachmittags um zwei bei Schwickershausen unsere letzte Banane essen, frag ich mich, ob der runde Buckel in der Ferne wohl die Wasserkuppe oder der Kreuzberg ist. Weit schweift hier der Blick über das Land, mit den Hügeln der Rhön am Horizont und einem einladenden Tal direkt vor uns. Wieder eine neue Landschaft, wieder ein neuer Abschnitt und auch wieder ein neues Bundesland. Wir verabschieden uns von Thüringen und begrüssen Bayern. Zum ersten Mal empfängt uns heute kein blauer Morgenhimmel, als wir um acht Uhr früh Bad Salzungen verlassen. Es nieselt leicht und es ist deutlich kühler. Doch die Luft ist frisch und würzig und ich mag diese Witterung mit ihrer ganz eigenen Stimmung gerne, denn, man darf es fast gar nicht sagen: sogar das schöne Hochdruckwetter der letzten Tage wird irgendwann eintönig. Gut vierzig Kilometer begleiten wir die Werra heute noch durch ihr Wiesental. Es wieder ist es ein schöner Radweg, diese Strecke von Bad Salzungen bis nach Meiningen. Gut ausgebaut, gute Infrastruktur, vor allen Dingen auch wieder eine sehenswerte Landschaft. Anscheinend soll der Streckenabschnitt von Bad Sooden flussabwärts bis hinunter nach Hannoversch Münden sogar noch schöner sein, haben uns gestern noch andere Radler berichtet. Nun, wir sind mit dem zufrieden, was wir bisher erlebt haben. Es summieren sich nun ja schon so viele Eindrücke seit unserem Aufbruch in Flensburg. Nach Meiningen verlassen wir das Werratal und packen uns auf den Main-Werra-Radwanderweg. Dieser ist leider erstmal nur spärlich ausgeschildert, was sich aber kurz vor Mellrichstadt wieder ändert. Hier gibt es erstmal ein paar Steigungen. Nicht allzu anstrengend, aber wir sind dann doch froh, als wir kurz nach Mühlfeld die letzte Anhöhe erklommen haben und Mellrichstadt unter uns im Tal liegt. Die letzten Tage sind wir immer im hessisch-thüringischen Grenzgebiet geradelt und ich hab mir heute überlegt, was das für die Leute in Thüringen wohl für ein Gefühl gewesen sein mag, wenn auf den Wegweisern auf einmal wieder Strassen nach rechts aufgeführt waren, mit Städtenamen wie Fulda oder Kassel? War das eine Sensation oder hat man das eher gleichmütig achselzuckend zur Kenntnis genommen? Unsere Unterkunft, das Hotel Sturm hat es in sich: von vorne ein schmuckloser Klotz, entpuppt es sich von der Rückseite her betrachtet als angenehme Überraschung: nach hinten hinaus gibt es einen grosszügig angelegten Garten beziehungsweise Park mit einem Teich, der gleichzeitig Biotop und "Schwimmbad" ist. Da könnte man es schon eine Weile lang aushalten! Zudem stellt uns der Hotelier beim Einchecken ungefragt ein Begrüssungsbier auf den Tresen, mit den Worten: "Wer sich angestrengt hat und schwitzt, der muss auch was trinken". Der Meinung sind wir auch! Der Wirt hat zwei Motorradgruppen aus Holland und Norddeutschland bei sich und scheint die Leute schon länger zu kennen. Jedenfalls wird für diese beiden Gruppen und für uns übrige Gäste ein grosser Grill angefeuert, ein riesiges Buffet aufgebaut und wir staunen wirklich Bauklötze, was da alles aufgefahren wird. Das tun wir auch, ich meine: staunen, als sich vor dem Essen - wir sitzen lesender Weise an einem grösseren Tisch - ein Ehepaar zu uns setzt, weil es die einzigen noch freien Plätze sind. Und was tun die beiden? Ignorieren unsere aufgeschlagenen Bücher und unsere nach innen gekehrten Mienen und fangen erstmal an uns auszufragen, bevor sie dann selber vom Leder ziehen und uns ungefragt ihre halbe Lebensgeschichte erzählen. Bitte! Ein Himmelreich für eine Handvoll Taktgefühl! Wirklich! Zum guten Glück ziehen die beiden bald wieder ab. |
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