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Dienstag,
19. August 2008
Von Unna bis Marienheide (94 km)
"Un(n)a fest sui prati, un(n)a bella signorina
". Tja, wenn
man in einer Stadt mit solch sonderbarem Namen verweilt, muss man sich nicht
wundern, wenn einem längst vergessen geglaubte Schlager einfallen!
Heute weiss ich nicht so genau, was mich denn nun eigentlich erwartet. Fest
steht lediglich, dass ich bis Marienheide kommen möchte, denn dort
wohnen Bille und Rudi. Es geht prinzipiell darum, das Ruhrgebiet irgendwie
hinter mich zu bringen und im Anschluss daran einen Weg durchs Sauerland
zu finden. Bei radweit.de habe ich eine Route von Münster nach Bonn
gefunden und ausgedruckt. Gestern schon bin ich ihr teilweise gefolgt und
heute wird das meine hauptsächliche Orientierungshilfe sein, denn die
anderen Karten, die ich mitschleppe - eine 1:75.000er und eine 1:150.000er
Karte - sind mir irgendwie nicht aussagekräftig genug. Bei der 1:150.000er
fehlen mir die Details, bei der anderen Karte hat man die Strassen je nach
Verkehrsdichte verschiedenfarbig gekennzeichnet, was immer ein bisschen
irritierend auf mich wirkt. Ich würde mir für Deutschland einfach
mal so Michelin-Karten wünschen, wie man sie von Frankreich her kennt
- 1:100.000er ohne den ganzen Schnickschnack. Aber ist ja auch egal, die
beste Landkarte ändert nichts an der topografischen Beschaffenheit
und ich weiss natürlich, dass mir eine hügelige Tour bevorsteht.
Es ist gut, dass ich gestern doch noch bis Unna gefahren bin und damit die
Distanz bis nach Marienheide verkürzt habe.
Zuerst folge
ich regionalen Wegweisern, die mich von Unna über Holzwickede nach
Schwerte leiten, wo ich die Ruhr erreiche und mich in den dazu gehörigen
Flussradweg einfädele. Das läuft ganz gut und bald ist der Stausee
erreicht, der sich an der Mündung der Lenne befindet. Nun ein paar
Kilometer die Lenne flussaufwärts und irgendwann muss ich dann, südlich
von Hagen, über den ersten Berg. Hier wird das Navigieren etwas schwieriger
und ich ziehe noch fast bis Hohenlimburg durch, ehe ich mich von der Lenne
verabschiede. Zwischendurch sieht mich eine Mountainbikerin mit meiner
Karte hantieren und sie gibt sich zwar ganz hilfsbereit, kann mir aber
letztendlich auch keinen Ratschlag bezüglich einer geeigneten Routenführung
geben. Die Anstiege wären hier alle giftig und dann mit dem Liegerad?
Also, wie man weiss, diese Aussagen kenne ich zur Genüge und eigentlich
hab ich keine Angst vor Höhenmetern, sondern eher davor, unversehens
auf einem dieser Autobahnzubringer oder anderen grossen Verkehrsachsen
zu landen, die sich dauernd rechts von mir in Hörweite befinden.
Schliesslich
geht's zur Sache: bei Holthausen den Berg hinauf, bis kurz vor der Autobahn,
und dann parallel zu dieser noch weiter geklettert, bis ich bei Hunsdiek
hinunter gleiten kann, hinunter bis ins Städtchen Dahl, das sich
in einem engen Flusstal befindet. Ein paar Kilometer darf ich hier verschnaufen,
und anschliessend geht es einen langen Anstieg hinauf in den Ort Breckerfeld.
Das eigentlich Gemeine an dieser Steigung: man wähnt sich schon oben
am Scheitelpunkt angekommen, als man das Ortschild von Breckerfeld passiert,
doch es geht innerorts noch weiter bergauf und jenseits des Städtchens
auch noch für eine Weile, ehe man den Gipfel erreicht. Das ist natürlich
irgendwie enttäuschend. Gelinde gesagt.
Später
verliere ich mich fast in der klein ziselierten Berg- und Tal- und Wiesenlandschaft
beim Flüsschen Ennepe. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich bei den
Strassenkreuzungen hier immer die richtige Abzweigung erwischt habe. Die
Vorstellung, eine steile Abfahrt in ein Tal hinunter zu gleiten, nur um
dann festzustellen, dass ich in einer Sackgasse gelandet bin und umkehren
muss und den ganzen Berg wieder nach oben zu strampeln habe, behagt mir
gar nicht. Das sind so Probleme, die man sich selber macht. Man nennt
das dann "Urlaub".
Doch irgendwann
sehe ich einen Wegweiser "Wipperfürth 11 km" und da bin
ich dann schon halber Sieger, denn von Wipperfürth aus hat mir Bille
eine detaillierte Wegbeschreibung gebastelt. Und auch diese 11 Kilometer
erweisen sich als angenehme und sehenswerte Strecke, die auf einem Hochplateau
entlang führt, bevor ich hinab nach Wipperfürth rolle und mich
auf eine stillgelegte Bahntrasse packe (dort gibt es zum Beispiel Orte,
die heissen "Böswipper"!), die mich nach Marienheide führt,
wo ich von meinen beiden Gastgebern herzlich empfangen werde und wir einen
schönen Abend erleben.
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