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Donnerstag,
21. August 2008
Von
Kreuztal nach Reddinghausen (79 Km)
Langsam werde ich wohl senil. Das wird's wohl sein. Ich meine: wirklich!
Heute denke ich mir während der Fahrt mehrmals, dass die eine Packtasche
so sonderbar leer aussieht. Doch da mein Proviant so gut wie aufgebraucht
ist, also weder Bananen noch belegte Brötchen Platz beanspruchen, nehme
ich das nur so nebenbei zur Kenntnis. Abends im Hotel stelle ich dann allerdings
den Verlust meiner betagten Goretex-Regenhose, einer Travelhose, eines Hemdes
und meines nagelneuen Fleecepullis fest. Das Schlimme daran: ich kann beim
besten Willen nicht nachvollziehen, wo ich das alles liegengelassen habe!
War das schon in Unna? Nachforschende Telefonate führen zu keinem Ergebnis
und so muss ich wohl den Verlust schlucken. So was ist mir wirklich noch
nie passiert!
Als ich um
acht auf dem Hotelparkplatz das Rad bepacke, hat es ein ebenfalls abreisender
Herr mit seinem Auto sehr eilig und steigt, einen Meter neben mir, gleich
recht heftig in die Eisen. Reifen quietschen, der Motor heult auf, kleine
Steinchen fliegen in meine Richtung. Vielen Dank! Ich bin aber schon wach!
Auf die heutige
Etappe habe ich mich richtig gefreut. Die letzten zwei Tage gab's ja kaum
einen ebenen Meter Boden und nur wenig wirklich autofreie Strecken. Doch
heute werde ich im Laufe des Vormittages auf den Ederauenradweg treffen,
und der sieht laut BIKELINE-Buch so richtig nach typischem Flussradweg
aus. Doch noch bin ich nicht im Edertal, ein paar Kilometer Durststrecke
warten noch auf mich. Vor allen Dingen ist mir nicht ganz klar, wie ich
von Hildenbach (das ist die nächste Stadt) bis zum Ort Lützel
kommen soll, wo offiziell der Ederauenradweg beginnt.
In Hildenbach
finde ich zwar eine Beschilderung für Radfahrer, aber nachdem ich
mir den Zickzackkurs dieser Route eine zeitlang angetan habe, wechsle
ich doch lieber auf die B 508, die stetig, doch langsam und gleichmässig
steigend in die Höhe führt. Der Verkehr ist ganz akzeptabel
und stört gar nicht so, und ich kann sogar für einen Grossteil
des Aufstieges das mittlere Kettenblatt benutzen. Die Strasse zieht einen
Bogen um die Ruine Ginsburg und irgendwo hab ich plötzlich durchs
Buschwerk einen grossartigen Panoramablick auf die Bergkuppen des Siegerlandes.
Dieser Ausblick kommt aber leider kein zweites Mal und ich mag hier auf
der Bundesstrasse nicht halten und wenden - so wird eben nicht fotografiert,
sondern in meinem Gedächtnis gespeichert.
In Lützel
angekommen begebe ich mich auf die Suche nach dem Startpunkt des Ederauenradweges
und muss mich erstmal mit schmalen Waldwegen und schlechter Wegequalität
auseinandersetzen. Diese paar Kilometer bis zur nächsten Stadt, Erndtebrück,
sind eine herbe Enttäuschung: irgendwie hat mir meine Fantasie eine
Wegführung wie am Oberlauf der Donau vorgegaukelt, also flach und
asphaltiert und eingebettet in eine weite Landschaft, wie es eben bei
Donaueschingen der Fall ist. Doch wie so oft klaffen Wunschdenken und
Realität weit auseinander (dafür darf ich am Ende der Reise
dann genau diese ersten paar Kilometer Donauradweg geniessen). Hier gibt's
jetzt erstmal schlechte Waldwege, vom schweren Gerät der Forstarbeiter
ausgefahren, dazu teilweise noch steile Rampen. Das verlangt nach Konzentration
und eigentlich wollte ich doch heute endlich mal wieder locker dahin gleiten
können. Da wäre ich wohl besser noch die paar Kilometer auf
der Bundesstrasse geblieben, die am anderen Talrand verläuft. In
Erndtebrück verirre ich mich zudem auch noch und folge irrtümlicherweise
lokalen Radwegweisern und bis ich es endlich bemerke, hab ich mich auch
schon halbwegs einen Hügel hinauf gearbeitet. Mist!
Später,
in Aue, hab ich den groben Weg endgültig satt und nehme die Landstrasse
auf der anderen Talseite. Und hier wendet sich plötzlich das Blatt:
nun läuft es fast wie von selbst! Tendenziell ist es abschüssig,
der Wind weht kräftig von achtern und dazu kommt auch noch die Sonne
raus. Ich sauge diese idealen Velo-Bedingungen wie ein Schwamm in mich
auf und freue mich, rhythmisch und flott unterwegs sein zu können.
Irgendwo auf dieser Strecke kommen mir zwei Radler entgegen, von denen
einer ein Trike fährt. Dem wünsche ich viel Vergnügen auf
den Naturwegen weiter oben
Bei mir geht's
nun Schlag auf Schlag: Berghausen, Raumland, Arfeld, Schwarzenau, Beddelhausen,
Hatzfeld
so mag ich das! Sogar die Abschnitte auf den unbefestigten
Wegen laufen prima, denn der Untergrund lässt höhere Geschwindigkeiten
zu. In Reddinghausen reicht's mir dann für heute und ich nehme den
erstbesten Gasthof, der auf meiner Strecke liegt. Und das ist zudem auch
noch eine gute Wahl. Abends kann ich nämlich draussen im Freien essen,
mit Blick über eine Wiese zur Eder - das ist Urlaub!
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