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Freitag,
22. August 2008 Von Reddingen nach Fritzlar (91 Km) Grossartiges Gefühl, wenn man die Regentropfen auf das Dachflächenfenster prasseln hört, wenn man es gerade noch bis ins Hotel geschafft hat, wenn man sich nach der Dusche auf dem Bett räkeln kann und wenn draussen die Altstadt von Fritzlar auf eine Besichtigung wartet! Vor knapp einer halben Stunde hat mir die nette Dame in der Touristeninfo das Hotel in der Nähe des Domes vermittelt und wiederum eine halbe Stunde davor bin ich die steile Giessener Strasse herauf geschnauft und habe schnurstracks das im BIKELINE-Tourenbuch aufgeführte Fahrradgeschäft aufgesucht, um die Beläge meiner vorderen Scheibenbremsen auswechseln zu lassen. Nach den vielen Bremsmanövern der letzten Tage haben sie - wie schon erwartet - spürbar an Biss verloren und diesmal führe ich Ersatz mit. Die Tour im Schwabenland-Tour im Sommer '06, wo ich am Schluss nur noch die Hinterradbremse zur Verfügung hatte, war mir diesbezüglich eine Lehre. Doch die Werkstatt in Fritzlar führt sogar die passenden Bremsbeläge und nach 10 Minuten ist alles erledigt. Wunderbar! Die Wettervorhersage für heute war eigentlich alles andere als rosig und der Himmel zeigt am Morgen das gleiche bedeckte Gesicht wie auch schon an den letzten Tagen. Schade. Ich würde mich sehr über einen dieser warmen Spätsommertage freuen, die, die etwas diesig sind und bei denen die Luft so herrlich flirrt. Aber immerhin regnet es (noch) nicht und damit zufrieden, lenke ich das Rad um acht Uhr auf den Weg entlang des Flusses. Heute darf ich mir genau das abholen, was ich die letzten Tage so ersehnt habe: eine zügige Fahrt auf guten Wegen. Zumindest bis Frankenberg ist mir das vergönnt. In einer Stunde ist das erledigt - dabei komme ich gerade recht, um im Supermarkt Proviant zu erstehen, aber ich bin zu früh dran für den Service der Fahrradwerkstatt hier. Diese öffnet erst um 10 Uhr und ich hab keine Lust, hier eine Stunde zu vertrödeln. Also müssen die Bremsbeläge noch bis Fritzlar halten, was sie schliesslich auch tun. Überdies (die Sonne ist inzwischen heraus gekommen) künden die Wolkenformationen über der Stadt schlechtes Wetter an. Also schaue ich besser, dass ich vorankomme. Bis Viermünden kann ich die Zügel noch locker lassen, dann verlangsamen Naturwege und kurze Anstiege automatisch mein Tempo. Bei Herzhausen komme ich an dem Campingplatz vorbei, an dem 2002 das erste Bikefreaks-Treffen stattfand. Und nun geht's den Edersee entlang. Dieser führt allerdings kaum Wasser, was den (Wassersport-) Touristen und Gastronomen hier gar nicht recht gefällt. Irgendwie erinnert das alles an einen Küstenstrich in der Bretagne bei Gezeitentiefststand. Anscheinend kann man jedoch bei diesem Wasserstand die Reste der ehemaligen Ortschaften sehen, die damals dem Staudamm zum Opfer fielen. Ich sehe allerdings nur die Brücke, über die man ans andere Seeufer gelangen kann. Bei Hemfurth verlasse ich das Ederseegebiet und jetzt liegen noch 20 Kilometer ebenes Terrain bis Fritzlar vor mir, mit guten Wegen und reichlich Rückenwind und mit dunklen Wolken am westlichen Horizont. Das ist bald abgehakt. Um 14 Uhr montiert mir der Mechaniker der Fritzlaer Fahrradwerkstatt die Bremsbeläge und kurz darauf prasseln auch schon die ersten Regentropfen auf den Asphalt. Morgen habe
ich noch gut 30 Kilometer bis Guxhagen vor mir und dann biege ich nach
Süden ab, werde die Fulda gegen den Strich bürsten und in ihrem
Tal flussaufwärts radeln. So richtig Freunde sind wir jetzt nicht
geworden, die Eder und ich. Vielleicht liegt's daran, dass ich mir das
Quellgebiet beziehungsweise den Oberlauf anders vorgestellt habe: hochmooriger,
weiter, buchenwäldlerischer, nicht so nadelwaldig. Nadelwälder
empfinde ich immer als düster und sie erzeugen in mir immer so ein
durchzogenes Stimmungsgebräu. |
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