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Sonntag, 24. August 2008
Von Bad Hersfeld nach Motten (79 Km)
Heute ist Sonntag. Da soll man es mit der Ruhe nehmen und sich nicht übermässig anstrengen. Also wird es einen gemütlichen Sonntagsausflug geben, soviel steht schon mal fest. Ausserdem spüre ich heute beim Aufwachen meine Beinmuskeln Sind doch nicht so spurlos an mir vorüber gezogen, diese letzten Tage. Fazit: heute keine Kapriolen sondern gemütliches Cruisen. Im Zweifelsfall immer den leichteren von zwei Gängen nehmen. Die Strecke bis nach Fulda wird wohl eh ziemlich flach sein und wie es dann hinterher weiter geht, das wird sich weisen.

Vom Wetter nichts Neues: es sieht aus wie gestern: bewölkt, trocken und kühl. Sonntags um acht sind in Bad Hersfeld die Trottoirs noch hoch geklappt und man kann Ampeln ignorierend die grossen Strassen überqueren, um gleich anschliessend in die morgenstillen Auen einzutauchen. Eine ruhige Morgenfahrt wartet auf mich, von gelegentlichen Sonnenstrahlen erhellt, die schon ihren Weg durch die Wolken (oder ist das Nebel?) finden. Gegen zehn Uhr überwiegt endlich das Blau am Himmel und wie auf Kommando tauchen nun auch die ersten Radwanderer auf dem Fuldaradweg auf.

Die Fulda mäandert Weiden und Bauernorchideen geschmückt friedlich und ruhig vor sich hin - ähnlich wie es auch die Naab tut. Und das macht die Eder ja auch. Warum ich mit der Eder nicht so recht warm geworden bin, weiss ich nicht. Manchmal hat man einfach so seine Scheuklappen und findet zum Beispiel Pinot Noir wunderbar, wohingegen einem Blauburgunder vielleicht gar nicht so recht munden will… Vielleicht liegt's bei mir auch daran, dass das Wort "Fulda" in meinen Ohren einfach interessanter klingt und ich dagegen beim anderen Fluss an "Meister Eder und sein Pumuckl" denken muss (Gustl Bayrhammer…Gott habe ihn selig!). Oder daran, dass eine Fahrt entlang der Fulda und der Weser Bestandteil meiner ersten grossen Radreise mit Margrit war und die ganze Chose deswegen emotionell besetzt ist. Ganz ähnlich verhält es sich bei mir ja auch mit dem Donauradweg.

Ist ja auch egal. Trotz Schonprogramm komme ich heute gut voran. Die Steigungen zwischen Richthof und Unter-Schwarz und bei Kämmerzell werden brav im kleinsten Gang gefahren, alles fühlt sich relaxt und locker an. Und irgendwann tauchen dann die Türme des Fuldaer Doms im Mittagslicht auf und ich nähere mich langsam der Stadt. Obwohl ich ihr noch vom letzten Mal her eine Besichtigung schuldig bin, halte ich nicht an. Heute ist nicht der Tag dafür. Ich möchte weiter, vielleicht noch ein/zwei Dutzend Kilometer zurücklegen. In Fulda gesellt sich der Hessische Radfernweg R2 zum Fuldaradweg (das ist der R1). Dieser R2 wird mich über Fulda hinaus nach Süden zum Sinntal geleiten und diesem wiederum werde ich bis zum Main folgen.

In und um Fulda herum bin ich mit relativ grosser Radlerdichte konfrontiert. Und hier gibt's sogar eine "Fahrradstrasse". Ich staune. Wollen die hier alle in die Rhön oder was? Oder sind die auf meiner Route unterwegs und wollen zum Main? Nach Eichenzell wird's jedoch ruhiger und ich bin wieder alleine auf weiter Flur. Plötzlich öffnet sich vor mir die Landschaft und ich kann einen Blick auf die Wasserkuppe werfen (diesmal ist sie es wirklich, sagen zumindest einheimische Wanderer, die ich danach frage). Und nun zweigt auch "mein" R2 ab und führt mich weg von der Fulda in Richtung Süden, zuerst wieder über eine Hügelkuppe hinweg und dann leicht wellig auf kleinen Strassen durch kleine Dörfer, in denen irgendwelche Festlichkeiten stattfinden, Bierfeste, Jubiläen der Freiwilligen Feuerwehren oder des örtlichen Schützenvereins, und was es nicht noch alles gibt. Wie's hier wohl mit Übernachtungsmöglichkeiten aussieht? Alles nur so kleine Ortschaften hier. Das Bett&Bike-Verzeichnis weist nur eine einzige Gaststätte auf meiner Route auf. Als ich so um die 75 Kilometer gefahren bin und noch nirgends ein Hotel oder einen Gasthof erblickt habe, rufe ich dort einfach mal an. Fehlanzeige. Alles belegt. Verflixt und zugenäht! Schaffe ich es denn heute noch bis zum Main?

Würde ich wohl noch. Muss ich aber nicht. Denn ein paar Kilometer weiter, in der nächsten Ortschaft, gibt es einen Gasthof und ein Zimmer für mich. Na also. Geht doch auch so.