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Dienstag,
26. August 2008
Von Marktheidenfeld bis Bad Mergentheim (73 Km)
Heute hab ich die Krise! Besser gesagt: ich leider unter einem akuten
Anfall von Orientierungslosigkeit. Oder Ideenlosigkeit. Anders ausgedrückt:
ich weiss nicht so recht, wie's denn nun weiter gehen soll mit dieser Reise
und mit mir und den noch verbleibenden Tagen. Ohne jetzt auf den ganzen
Planungsprozess im Vorfeld der Tour einzugehen, möchte ich doch wenigstens
soviel erklärend Kund tun: nach längerem Hin und Her hatte ich
mich letztendlich dazu entschlossen, von hier aus die Tauber hoch zu fahren
und endlich mal die Romantische Strasse zu bereisen. Auch über die
Romantische Strasse hatte ich mir Anno dazumal im Rausch der Aufbruchstimmung
ein BIKELINE-Buch gekauft. Wird also, vierzehn Jahre später, endlich
mal Zeit, diese Strecke in Angriff zu nehmen, sonst zerfällt mir das
Büchlein noch zu Staub. Bis Füssen wollte ich demzufolge radeln
und von dort über den Bodensee-Königsee-Radweg Lindau erreichen.
Doch mittlerweile wird mir klar, dass mich dieser Plan zu recht langen Tagesetappen
zwingen würde und ausgerechnet heute Vormittag ereilt mich eine Motivationskrise,
so dass ich mir 5 oder 6 weitere Tagestouren mit jeweils um die 90 Kilometer
Länge gar nicht vorstellen mag. Doch wie krieg ich die Kiste nun nach
Hause? Ich entscheide mich dafür, heute mal nur bis Bad Mergentheim
zu radeln und dort eine Krisensitzung mit meinem inneren Schweinehund zu
halten. Jenseits von Rothenburg ob der Tauber würde zum Beispiel auch
das Altmühltal auf mich warten, mit dem See bei Gunzenhausen, eine
Gegend, die ich schon auch sehr gerne mag. Allerdings bedeutet das am Ende
der Reise dann Zugfahrt ab Regensburg. Und beim Gedanken daran, das Rad
mit Gepäck in den Zug zu wuchten, meldet sich sofort mein Rücken
wieder. Bisher ging's nämlich wirklich gut und das Radfahren bereitete
mir keinerlei Beschwerden, wohingegen das Sitzen auf Stühlen und das
Aufstehen von denselben nicht so sehr der Hit ist, vom Heben schwerer Gegenstände
mal ganz abgesehen. Ich sitze aber nicht nur auf Stühlen, sondern im
Augenblick auch zwischen ihnen. Also wie nun weiter? Man könnte ja
auch von Bad Mergentheim aus über den Berg ins Jagsttal reisen, der
Jagst bis zum Neckar folgen und dann ernsthaft dem Neckar flussaufwärts
radeln.
Angefangen
hat es heute ja wieder mal mit Nebel. Es will mir aber scheinen, dass
(hoffentlich) die Sonne bald Oberhand gewinnen wird und wirklich kann
ich mich bald über interessante Zwie- und Gegenlichtstimmungen freuen
und die Fahrt am Main geniessen.
Bald bin
ich in Wertheim, und als ich mein Rad durch die Altstadtgassen schiebe,
wird's Zeit für einen Kleiderwechsel und die Sonnenbrille. Es ist
das erste Mal seit meinem Aufbruch von Chrissie, dass ich kurzärmelig
und barfuss in den Sandalen radeln kann. Und das Beste: es wird die nächsten
Tage so schön warm bleiben! Ein paar Minuten später bin ich
dann im "lieblichen Taubertal". Ob die vielen Radwanderer, die
mir hier begegnen, sich wohl dessen bewusst sind, dass sich dieses "lieblich"
auf die Gegend und nicht auf den Radweg entlang der Tauber bezieht? Denn
dieser bietet hier und später dann zwischen Creglingen und Rothenburg
durchaus die ein oder andere giftige Steigung.
Bei Tauberbischofsheim
ereilt mich oben angesprochene Sinnkrise, ich ziehe den Karren noch bis
Bad Mergentheim und quartiere mich dort ein. Nachmittags laufe ich wieder
mal durch die Ausstellung im Deutschordensschloss und verlustiere mich
im Schlosspark. Ich mag das Städtchen hier.
Und, ja,
ich habe mich im Laufe des Tages entschieden: werde morgen hinüber
ins Jagsttal radeln, und von dort zum Neckar. Mit den verbleibenden Tagen
könnte ich wahrscheinlich bis in den S-Bahn-Bereich von Zürich
oder Winterthur gelangen, und wenn ich Glück habe, erwische ich einen
dieser ganz neuen S-Bahn-Züge und kann mein Rad in den Waggon schieben,
ohne es tragen zu müssen. Und hier hab ich mir soeben in einem Buchladen
noch Kartenmaterial besorgt, damit ich auf der Fahrt nach Süden nicht
gänzlich aufgeschmissen bin. Heute Nachmittag rückt das Ende
der Reise plötzlich ganz nah an mich heran, obwohl ich noch fünf
Tage vor mir habe.
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