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Mittwoch, 27. August 2008
Von Bad Mergentheim nach Bad Wimpfen (83 Km)
Kaiserwetter! Heute wird mir einer dieser Spätsommertage vergönnt sein, von denen ich letzte Woche geträumt habe. Und die nächsten Tage über soll es schön und warm bleiben. Einziger Wermutstropfen heute: ich kann erst um acht Uhr frühstücken, da ich diesmal kein Hotel erwischt habe, sondern ein privat geführtes Gästehaus - ich weiss schon, warum ich Hotels so gerne mag. Nun, da ziehe ich dann eben ein Stündchen später los, was mir aber wie eine unnötige Zeitverschwendung erscheint. Zuerst gilt es jetzt, die Hügel zu überqueren, die sich zwischen Jagst- und Taubertal befinden und so starte ich erneut mit einer Kletterpartie in den Tag. Diese Passage kenne ich recht gut, ich bin sie nun schon wiederholt gefahren, 1999 mit Margrit in derselben Richtung und 2003 auf meinem Weg nach Würzburg in die andere. So weiss ich schon im Voraus was mich erwartet und füge mich ergeben in mein Schicksal. Was natürlich Quatsch ist, denn so anstrengend das nun auch wieder nicht: es geht eben bis Stuppach und noch ein Stückchen darüber hinaus bergauf, dafür gibt's dann eine ellenlange Abfahrt bis ins Jagsttal.

Dort angekommen geht es in typisch-idealer Flusstalradwegmanier voran: wechselweise ebene Wirtschaftswege im Talgrund und leicht hügeliges Geläuf am Talrand. Berlichingen… Jagsthausen…Möckmühl…Bad Friedrichshall…das rollt alles gut und flüssig. In Jagsthausen, als sich in etwa heraus kristallisiert, wie weit ich heute noch fahren werde, mache ich mir per Mobiltelefon ein Zimmer in Bad Wimpfen flott und schon bin ich wieder auf Piste. Und irgendwann erscheint dann die Silhouette der Stadt mit dem Blauen Turm am Horizont. Nicht ganz so spektakulär wie Rothenburg ob der Tauber, aber ein bisschen schon…

Als ich nach Siesta, Duschen und Proviantbeschaffung endlich "Zeit für mich" habe, begebe ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen, um mich meinem Tagebuch widmen zu können. In Reichweite des Blauen Turmes finde ich ein griechisches Restaurant mit einer grossen Terrasse, die einen Panoramablick auf das Neckartal bietet. Unter mir ziehen Ausflugsboote vorbei, es kriechen Ruderer wie Wasserläufer über die Fluten, neben, über und unter mir tummeln sich Turmfalken am bewaldeten Hang und die Sonne taucht alles in ein warmes Spätnachmittagslicht. Da gehen die Gedanken wie von selber auf die Reise und ich erinnere mich kurz an die Zeit, als ich vor Jahrzehnten einmal während eines Ferienjobs die Chronik des Türmers von Bad Wimpfen abtippte. Seitdem mag ich diesen Ort hier. Es war eine gute Entscheidung, heute im Laufe des Tages das Bed&Bike-Verzeichnis zu zücken und mir hier in der Stadt ein Zimmer zu reservieren. Und jetzt, wo ich das Treiben unten im Tal beobachten kann, freue ich mich wirklich auf die (erneute) Tour entlang des Neckars. Wiederholungstäter, der ich bin.

Später setzt sich noch das Radlerpaar mit dem Tandem, das ich vorher im Hotel kennen gelernt habe - die beiden sind auf ihrer ersten Tandemtour überhaupt und sind den Kocher- und Jagstradweg gefahren. Und noch etwas später läuft im Fernsehen ein Dokumentarfilm über das Steinhuder Meer. Ich wusste gar nicht, dass Haubentaucherküken wie Zebras gefärbt sind.