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Donnerstag,
28. August 2008
Von Bad Wimpfen bis Obertürkheim (94 Km)
Am morgen meine ich, meinen Augen nicht trauen zu können: auf den
ersten Kilometern nach Bad Wimpfen sehe ich ein älteres türkisches
(?) Paar vor mir auf dem Weg, beide in traditioneller Kleidung, also er
mit Strickmütze und sie mit Kopftuch und langem Gewand. Und was tun
die beiden? Sie betreiben Sport, und zwar Nordic-Walking! Click-click machen
die Stöcke. Da staunt man erstmal und fährt schmunzelnd dran vorbei.
So was sieht man ja auch nicht alle Tage. Und später - das ist dann
schon kurz vor Stuttgart, gesellt sich ein älterer Rennradfahrer zu
mir, fährt eine Weile neben mir her und erklärt mir den Weg durch
Stuttgart hindurch. Im Zweifelsfalle solle ich einfach jemanden fragen,
meint er zum Abschied, auch die Schwaben sprächen deutsch
Zwischen
diesen beiden Begegnungen liegen 40-50 Kilometer Neckartalradweg. Das
bedeutet Auwiesen und Hafenanlagen, Weinberge und ein Kernkraftwerk, Fachwerkstädtchen
und Schwerverkehr, eine Kletterpartie zwischen Heilbronn und Lauffen und
viel flache und gut ausgebaute Strecke. Warum sich die Angler in Heilbronn
direkt gegenüber dem riesigen Kühlturm niederlassen und sich
durch das hässliche Teil gar nicht gestört fühlen, weiss
ich auch nicht. Dabei wird mir bewusst, dass der Name der Stadt eigentlich
einmal "Heilbrunnen" bedeutet haben mag
Die Sonne
hat es heute recht schwer mit dem Nebel. Aber es ist warm und trocken
und windstill und ich komme aufgrund der gut ausgebauten, meist asphaltierten
Wege gut und schnell voran, auch wenn mein Elan der ersten Reisetage mittlerweile
einer ruhigen Gangart gewichen ist. Stuttgart naht! Und lässt sich
im Prinzip auch ganz gut durchqueren bzw. umfahren, denn die Stadt selber
liegt westlich des Flusses, während ich östlich davon bleibe.
Trotzdem erstreckt sich der Ballungsraum auch über diese Flussseite
und zieht sich in die Länge. Ich würde mir gerne jenseits davon
eine Unterkunft in einem kleineren Städtchen suchen, aber Müdigkeit
und die noch bis dorthin zurück zu legende Strecke korrelieren nicht
miteinander und so wird es wohl doch ein Hotel hier im Ballungsraum werden.
Ich radle durch Bad Cannstatt, entlang eines grossen Teiches mit ausgedehnter
Parkanlage, und auch an den Mercedes Benz Werken vorbei. Später erreiche
ich Untertürkheim, wo ich schon mal Zimmer suchend in den Ortskern
fahre. Fehlanzeige, spontan sehe ich hier nichts, was nach einer gemütlichen
Bleibe aussieht. Ein paar Kilometer weiter finde ich dann aber was in
Obertürkheim. Sonderbarer Ort ist das: unten am Fluss weitläufige
Hafenanlagen, am Bahnhof das Einkaufs- und Gewerbezentrum und weiter oben
am Hang ein paar Villen und darüber der Weinberg.
Abends kann
ich zwar vor einer Pizzeria im Freien sitzen, doch weil ich die gestrige
Aussicht und den genialen Sitzplatz noch in Erinnerung habe, empfinde
ich es heute eher als, naja, suboptimal. So ziehe ich mich schnell in
mein Zimmer zurück und lasse den Spätsommer Spätsommer
sein
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