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Freitag, 29. August 2008
Von Obertürkheim nach Horb am Neckar (95 Km)
Ich bin heute unleidlich. Die Vorstellung, mich gleich am Morgen wieder in das Gewühl der Ausfallstrassen zu stürzen und mit dem Berufsverkehr konfrontiert zu werden, vergällt mir die Laune am Frühstückstisch. Ich ärgere mich, weil ich den Ballungsraum Stuttgart nicht via Enztal-Radweg und entlang der Würm umfahren habe, wie damals auf der Schwabenland-Tour 2006. Denn ganz ehrlich: ab circa Besigheim war's gestern kein rechtes Vergnügen mehr. Durchgekommen bin ich gut, keine Frage, aber man spürt so deutlich, dass man im Einzugsgebiet einer grossen Stadt radelt, und das macht nicht wirklich Spass. Demgegenüber steht die schöne Landschaft auf der oben erwähnten Alternativroute. Andererseits kenne ich diesen Abschnitt des Neckarradweges noch überhaupt nicht und so stimmt's dann irgendwie doch für mich. Oder auch nicht. Oder doch. Also wie jetzt? Innerlich vor mich hingrummelnd kaue ich missmutig an meiner Frühstückssemmel, schlürfe meinen Kaffee (zufälligerweise auch noch der mit Abstand Beste der ganzen Reise) und reihe mich ein paar Minuten später unter all die Geschäftsleute ein, die zeitgleich mit mir auschecken wollen.

Doch endlich unterwegs, geht es besser als erwartet: nachdem ich gestern irgendwann mal die Wegweisung verloren hatte und nur mehr auf Verdacht in die richtige Richtung geradelt bin (was zugegebenermassen im engen Flusstal kein Kunststück ist), stosse ich hier nach ein paar Metern auf eine Infotafel mit Stadtplan. Und schon sieht alles wieder ganz anders aus. Zwei oder drei Kilometer Ausfallstrasse warten auf mich und schon bin ich wieder auf dem Neckartalradweg. So kann ich wenigstens durch den schmalen Grüngürtel am Fluss entlang radeln. Es nervt einfach die Geräuschkulisse - neben mir die Eisenbahn und noch besagte Ausfallstrasse, auf der anderen Flussseite die Autobahn - eine disharmonische Symphonie. Und weil ich heute, ich erwähnte es schon, nicht wirklich gut gelaunt bin, dramatisiere ich das natürlich auch noch vor mir selber - und darin bin ich wirklich gut!

So geht das bis Plochingen. Hier hat sich Hundertwasser ausgetobt und die Türmchen des nach ihm benannten Hauses mit goldenen Kugeln verziert. Mich verzückt hingegen, dass es nun allmählich etwas ländlicher wird. Doch erst zwischen Nürtingen und Tübingen hab ich das Gefühl, den ganzen Ballungsraum hinter mich gebracht zu haben und jetzt schafft es auch die Sonne allmählich durch den Nebel.

Als Tübingen hinter mir liegt, heitert sich mit dem Himmel auch mein Gemüt auf und jetzt macht's wieder richtig Spass, mit dem Rad unterwegs zu sein. Man sieht wieder Landschaft und kleinere Städtchen. In Rottenburg, bei Kaffee und Kuchen, beschliesse ich, noch die 25 Kilometer bis Horb zu fahren, es läuft grad gar so schön. Ein Zimmer per Handy organisiert und dann nehme ich die restliche Strecke relaxt in Angriff. Im Gegensatz zu meinem gestrigen Etappenort ist Horb ein malerisches Städtchen, die Altstadt hoch über dem Fluss gebaut.