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Samstag, 30. August 2008
Von Horb nach Donaueschingen (93 Km)
Jetzt, zum Schluss, zeigt er es uns noch mal, der August! Siedend heiss soll es heute werden, man spricht von 30 Grad Celsius im Südwesten Deutschlands. Doch die Nächte sind zur Zeit schon herbstlich kalt und so friere ich heute Morgen erstmal bis mein Körper auf Betriebstemperatur ist. Da trifft es sich gut, dass ich zwei Paar Handschuhe dabei habe: "normale" Fahrradhandschuhe, die ich anziehe, wenn es einfach nur ein kleines bisschen zu kühl wird, und meine SealSkinz-Regenhandschuhe, die auch ordentlich warm geben können und die sich auch im Winter bewährt haben. Heute brauche ich während der ersten Stunde die SealSkinz, etwas später die normalen Handschuhe und erst kurz vor Mittag bin ich dann kurzärmelig und barfuss in den Sandalen unterwegs, denn auch heute braucht die Sonne wieder ewig lang, bis sie den Nebel aufgelöst hat. Übrigens wurde gestern im Wetterbericht erwähnt, dass wir dieses Jahr einen ganz normalen Sommer hatten - nicht zu warm und nicht zu kalt, nicht zu trocken und nicht zu nass. So was gibt's also durchaus auch noch!

Heute steht mir ein entspannter Tag bevor. Weitgehend ebenes Terrain, kaum Konfrontationen mit dem Strassenverkehr, meistens Landschaft pur. Eine Ausnahme stellt der Anstieg vom Neckartal hinauf nach Rottweil dar, und natürlich dort dann der Stadtverkehr. Am Schluss der Etappe werde ich noch das Plateau der Baar geniessen können, das ist diese Ebene zwischen Donaueschingen und Villingen-Schwenningen, da wo der Neckar entspringt und auch der Donauradweg beginnt - genau die Gegend, die mir im Kopf herum spukte, als ich vorige Woche an der Eder unterwegs war.

Also los! Gestern bin ich oben in der Altstadt von Horb untergekommen: einfacher Gasthof, sehr nette Wirtsleute, sehr angenehm das alles. Nur das Wasser aus dem Hahn im Badezimmer schmeckt sonderbar, fast wie mit Chlor versetzt. Da ich beim Zähneputzen kein Wasser schlucke, fällt mir das erst bei Sulz auf, als ich den ersten Schluck aus meiner Wasserflasche nehmen will. Bääääh… Da liegen aber schon etliche Kilometer Nebelfahrt hinter mir. Teilweise liegt das Flusstal komplett unter einer Nebeldecke, teilweise kommt aber auch schon die Sonne durch und mir werden erneut diese typischen Zwiellichteffekte mit der milchigen Sonnenscheibe geboten. Das Tal ist hier eng und gewunden, die Wegebeschaffenheit gut. Später, als sich die Nebel gelichtet haben, sieht man auch, durch was für eine Landschaft man gerade radelt: Mischwaldhügel, saftige Talwiesen und ein plätscherndes kleines Flüsschen. Und Städtchen, die immer den Hang hinauf gebaut sind, zum Beispiel Sulz oder Obernau.

Irgendwann ist dann Rottweil gar nicht mehr so weit weg und ein paar Kilometer vor der Stadt wartet der Aufstieg vom Talgrund auf das Plateau auf mich. Es wird jedoch nicht so heiss gegessen wie es gekocht wird und wieder bewährt sich mein neues kleines Kettenblatt an der Speedmachine. Das erwartete Kontrastprogramm dann in Rottweil: Verkehrstrubel und Marktbetrieb in der Innenstadt. Endlich kann ich mir Mineralwasser kaufen und schon bin ich wieder draussen aus der Stadt. Nun ist es nicht mehr weit bis nach Schwenningen und bis zur Neckarquelle. Der Fluss, der in Heilbronn so grosse Kähne getragen hat, ist hier nur ein kleines Bächlein.

Auf der Ortseinfahrt von Schwenningen verirre ich mich aus irgendeinem Grund und weil ich keine Lust habe, in die Stadt zu radeln und dort (m)einen Weg zu suchen, komme ich auf die Idee, diese über Mühlhausen, Hochemmingen und Aasen zu umfahren, und damit handle ich mir eine Odyssee über die Baar ein, das alles in der Frühnachmittagshitze und schon mit dem Ziel, also Donaueschingen, vor Augen. So geht's also nochmals im Zickzackkurs durch die Landschaft. Mit 93 Kilometern hab ich heute eigentlich nicht gerechnet, ich denke, ich hab mir durch die Irrfahrt am Schluss noch um die 10 Kilometer eingehandelt. Andererseits gefällt mir diese Gegend hier und ich hab mitbekommen, dass es in Bad Dürrheim ein schönes Thermalbad gibt….