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Sonntag,
31. August 2008
Von Donaueschingen nach Stein am Rhein (63 Km)
Nachdem ich gestern einfach zu müde dafür war, steht jetzt
erstmal noch der Besuch der Donauquelle auf dem Programm. Leider kann man
heutzutage nicht mehr mit dem Fahrrad durch den Park bis zur Quelle fahren,
wie es noch 1995 noch der Fall war, als ich mit einem Freund hier unterwegs
war. Jetzt hat auf einmal der Schlossherr was dagegen und um die Quelle
ist ein Bretterzaun gezogen. Tja, schade. Dafür wird mir heute eine
wunderbare Morgenstimmung vergönnt. Diese ersten Kilometer Donauradweg
bis etwa Geisingen mag ich ja eh total gerne (hab ich ja nun in diesem Bericht
oft genug erwähnt). Und dann zu dieser Tageszeit und bei diesem Wetter!
Früh am morgen ist es so herrlich einsam hier, die meisten Radwanderer
brechen erst in ein/zwei Stunden auf, und so warten auch noch ein paar "ornithologische
Schnäppchen" auf mich: ein Silberreiher und eine Weihe, nebst
einigen Störchen und Reihern. Das ist fast der Höhepunkt der Reise
und ich geniesse diese wenigen Kilometer, diese paar Minuten gleissenden
Lichts.
Ja, wie war
sie denn nun, diese Tour? Ich denke, ich kann der Reise bzw. den durchradelten
Gegenden nicht wirklich gerecht werden. Es ist keine Objektivität
möglich und viele Orte sind bei mir emotionell besetzt und ich habe
einen besonderen Bezug zu ihnen, den ein anderer vermutlich nicht nachvollziehen
kann - ich rede da zum Beispiel von Bad Wimpfen, dem Fuldatal oder genau
hier die Gegend an der oberen Donau. Generell war diese Reise von der
Deutschlandtour im Mai "überschattet". Ich wollte nicht
nochmals dieselben Wege fahren, hatte aber auch keine Lust mehr auf eine
Zugfahrt mit mehrmaligem Umsteigen, was bei einer anderen Streckenplanung
vielleicht der Fall gewesen wäre. Im ersten Teil der Reise, auf der
Fahrt durchs Sauerland und durchs Bergische Land, hab ich mich auch nicht
wirklich wohl gefühlt. Da spielte natürlich auch das Wetter
mit hinein, aber mir scheint, dass diese Gegend dort eher Autofahrerland
ist. Gut, es gibt die vielen Stauseen und grünen Landschaften, doch
scheint mir das Terrain eher geeignet für Autotouristen oder Wanderer.
Und dann die Eder. Fragt mich nicht, was dort oben mit mir los war! Recht
viel anders als im Fuldatal oder am Neckar sah es dort ja auch nicht aus,
und trotzdem war das einfach nicht meine Gegend. Keine Ahnung, warum das
so ist. Im Nachhinein scheint mir, ich hätte besser daran getan,
Freundesbesuche und Radreise nicht miteinander zu verknüpfen, sondern
beides getrennt zu behandeln, denn andere Gegenden hätten mich vielleicht
mehr angezogen.
Es gab aber
auch viele schöne Augenblicke, während denen die Seele baumeln
konnte. Die stillen Momente am Morgen, wenn ich mutterseelenallein unterwegs
war, die Weiden an den Flussufern, die Falken, die Bussarde und Störche
und Reiher und die vielen Schwalben, die bald schon nach Süden fliegen.
Oder die ein oder andere belustigende Episode: gestern zum Beispiel kam
ein Kaninchen im Affenzahn auf mich zu gerast, stoppte zehn Meter vor
mir, stutze, sah mich, erschrak, dreht sich um und galoppierte in die
gleiche Richtung zurück, aus der es soeben gekommen war
das
kann man zwar vielleicht nicht mit "Whale Watching" vergleichen
- aber schön ist es doch. Das alles sind eben meine "weissen
Strände" und meine "Südseeinseln"
Und auch
noch ein technisches Resumée: die Speedmachine hat sich wiederum
als zuverlässige Begleiterin erwiesen. Es ist die zehnte Reise, die
ich mit diesem Rad unternehme (Wochenendtrips zum und um den Bodensee
mit eingerechnet) und die 11500 gefahren Kilometer entfallen zum grossen
Teil auf Radreisen. Mittlerweile stelle ich jedoch fest, dass ich gerne
wieder ein Liegerad mit Untenlenker fahren würde. Wenn man mehr als
eine Woche Tag für Tag unterwegs ist, wünscht man sich manchmal,
die Arme einfach nur sanft nach unten auf einen Lenker ablegen zu können,
wie es zum Beispiel bei meiner Streetmachine GT der Fall war. Klar, im
Vergleich zu den Problemen mit den Handgelenken, die ich mit den Uprights
hatte, ist jedes Liegerad ein ergonomisch ausgereifter Traum und die Speedmachine
ist wirklich super komfortabel. Aber es gibt eben immer noch Steigerungen.
So hab ich mich während der Reise dazu entschlossen, mir wieder eine
unten gelenkte Reisesänfte zuzulegen. Ansonsten gab es keinerlei
Pannen. Der Schwalbe Marathon Plus, den ich seit dem Sommer ´06
fahre, ist wirklich ein super Reifen, das war eine gute Wahl. Bremsbeläge
sind natürlich Verschleissteile und sie halten bei mir an der Vorderbremse
um die 5000 Kilometer. Noch etwas ist wohl auch ein Verschleissteil: der
SRAM-Drehschaltgriff. Im Laufe dieses Jahres hat sich die Gummibeschichtung
immer mehr aufgelöst und nun ist das Plastik darunter zum Vorschein
gekommen. Bergauf mit verschwitzen Händen lässt sich kaum mehr
schalten, und die Steigung nach Rottweil bin ich gestern trotz der Hitze
mit den Handschuhen gefahren, einfach nur um die Schaltung betätigen
zu können.
Und letzteres
werde ich wohl jetzt wieder machen, denn bei Geisingen muss ich das Donautal
verlassen und über die Hügelkette klettern. Die Landstrasse,
die mich nach Engen bringen soll, führt mit mässigem Anstieg
hügelan, man kann sich hier angenehm nach oben meditieren. Am Scheitelpunkt
befindet sich allerdings eine Gaststätte namens "Hegaublick"
und da gibt's heute ein Motorradtreffen. Bergab muss ich mir die Strasse
dann mit vielen, teilweise rasant fahrenden Bikern teilen und bin froh
als ich kurz vor Engen dann einen Radweg zur Verfügung habe.
Und schon
bin ich auf der Zielgeraden. Von Engen nach Singen und von Singen nach
Stein am Rhein, das ist eigentlich nicht mehr der Rede wert. Und zum Schluss
der Reise bekomme ich noch ein besonderes Geschenk: die S-Bahn von Stein
am Rhein nach Winterthur ist eine ganz neue und ich brauche das Rad einfach
nur vom Bahnsteig in den Waggon zu schieben, ohne es auch nur einen Zentimeter
lupfen zu müssen. Dasselbe wird mir auch beim Umsteigen in Winterthur
beschert
und das empfinde ich nun als passenden Ausklang dieser Reise.
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