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Dienstag,
5. Mai. Von Lauingen nach Wemding (73 Km) Sonnenschein und Morgenfrost, so sieht's heute aus. Nachts war der Himmel wolkenlos, da sind die Temperaturen eben in den Minusbereich gefallen und es braucht erstmal wieder die volle Montur, um warm zu werden und warm zu bleiben. Schwachstelle sind die Schuhe, da helfen auch zwei paar Socken nicht viel. Es wird ja bald wärmer werden, zumindest darin sind sich die Wetterfrösche in den verschiedenen Fernsehprogrammen einig. Heute werde ich erstmal noch das gestrige Thema weiterführen, und das heisst, und ich wiederhole mich: Strecke machen. Mit dem Berufsverkehr nach Dillingen, dort über's Kopfsteinpflaster geholpert, wieder mit dem Bedauern darüber, dass sich die eigentlich sehenswerten Städte hier nicht zu verkehrsberuhigten Innenstädten durchringen konnten. In Dillingen schaffe ich es schon wieder nicht, korrekt aus der Stadt hinaus zu kommen und verhasple mich auf Feldwegen, bei Höchstadt ist jedoch wieder alles im Lot. Nun noch Blindheim und danach kommen wieder diese "schnellen" Strassen durch das Donauried, vorbei an Weilern, deren Namen mit "-schwaig" oder "-schwaige" enden. Hier gelingt es mir einfach nicht, langsam zu fahren. Alles brettl-eben und asphaltiert, da schaltet man automatisch in immer schwerere Gänge und so treibe ich auch diesmal mein Rad voran, immer genau an der Temperaturgrenze, bei der mich der Fahrtwind entweder frösteln lässt oder eben gerade nicht. Das ist jetzt zugegebenermassen kein Affenzahn, aber doch um einiges schneller, als ich die letzten Tage über unterwegs war. Hier kämpfen die Anwohner, wohl meist Landwirte, darum, dass ihr Wohn- und Ackerland nicht als Überschwemmungszone ausgewiesen wird, das im Notfall, also bei Hochwasser, gezielt geflutet würde, um flussabwärts die Lage zu entspannen. So jedenfalls interpretiere ich die Schilder und Transparente, die am Strassenrand aufgestellt sind. Seit mehr als 100 Jahren gab's hier keine Hochwasser mehr, sagen sie. Jetzt soll alles einer höheren Ordnung zuliebe geopfert werden dürfen. Bei meinem Tempo ist es kein Wunder, dass ich kurz nach zehn Uhr schon die 40 Kilometer bis nach Donauwörth zurückgelegt habe und mich erstmal in einem Stehcafé aufwärme. Gut zweieinhalb Tage bin ich nun dem Donauradweg gefolgt, habe vorgestern meine Lieblingsstrecke auf dieser Route bei traumhaften Wetter durchradelt, gestern und heute die eher ungeliebte Trasse benutzt, um zügig bis hierher zu gelangen. Nun verlasse ich die Donau und radle nach Norden, bediene mich eine Weile lang der Beschilderung der Romantischen Strasse. Die Wörnitz ist ein kleiner Fluss, dem ich nun ein Stück weit Richtung Norden folge. Das Donauried bleibt hinter mir zurück und die Landschaft wird wieder etwas hügeliger und kleinräumiger. Dann kommt der - im positiven Sinne - dicke Hund des Tages: die Stadt Harburg. Von Süden kommend nimmt man es zuerst gar nicht so richtig war, Gewerbeansiedlungen verhindern den freien Blick darauf. Und wenn man näher kommt, sieht man zwar die Burganlage schräg oben auf dem Berg, aber so was kennt man ja von anderen Städten. Interessant und unverhofft aber dann der Blick von Norden, wenn die gesamte Anlage in ihrer Gesamtheit vor einem liegt. Da staunt man dann doch. Leider ist das Licht nicht grad optimal, um das Ding auch schön zu fotografieren. Überhaupt bleibt es heute ungemütlich. Mittlerweile weht es auch noch heftig aus nord-westlichen Richtungen und es will kein rechtes Wohlfühlen aufkommen. Andererseits bin ich nun schon fast im Nördlinger Ries und als ich bei Rudelstetten nach Osten abbiege, um die letzten Kilometer bis Wemding hinter mich zu bringen, treibt mich der Wind vor sich her und die Zeit vergeht buchstäblich wie im Flug. Wemding wäre eigentlich ein nettes Barockstädtchen, wenn nicht, wie woanders eben auch, überall, selbst in den kleinsten Gassen, Autos fahren und parken würden. Geht halt wohl nicht anders. |
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