| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||||||||
|
Montag,
18. Mai. Von Bad Windsheim nach Heimhausen (77 Km) Das ist also gebongt. Ich bin keiner, der bei einmal getroffenen Entscheidungen den anderen Möglichkeiten oder Alternativen hinterher trauert. Mit dem Bewusstsein, dass die diesmal nicht besichtigten Orte und Landstriche den Appetit auf neue Ausflüge aufrecht erhalten, mache ich mich auf den Weg nach Westen. Das ist anfangs wieder mal mit einer kleinen Irrfahrt verbunden, denn obwohl ich am Marktplatz der richtigen Wegweisung folge, gerate ich erneut auf eine der Bundesstrassen, auf denen ich aber bei der morgendlichen Rushhour nicht fahren möchte. Das letzte Mal hab ich die Speedmachine in den Acker gesetzt, als ich in der anderen Richtung keinen Weg aus der Stadt fand. Irgendwie haben wir es wohl nicht so mit den Abschieden, Bad Windsheim und ich. Irgendwann peile ich es aber dann doch und nach nur zwei Kilometer Umweg befinde ich mich draussen vor den Toren der Stadt auf kleinen Wirtschaftswegen durch die nassen Felder und Fluren und werde wieder von den weiss-roten Schildern geleitet. Zeit, sich auch mal dem Wetter zu zuwenden. Im Osten ziehen die Gewitterwolken der letzten Nacht ab, im Westen tut es langsam auf. Da man hier, in der Windsheimer Bucht, weit über's Land sieht, ergibt das ein recht eindrucksvolles Bild. Mit der Sonne frischt auch der Wind auf und bläst stetig aus Südwesten, da behält man lieber mal die Handschuhe an. Die heutige Fahrt gliedert sich wieder in zwei Teilabschnitte: zuerst noch den restlichen Aischtalradweg bis kurz vor Rothenburg ob der Tauber und im Anschluss daran auf kleinen Landsträsschen querbeet bis hin zur Jagst. Von Bad Windsheim bis Burg Berneck geht die Chose im leicht welligen Auf und Ab auf kleinen Wirtschaftswegen dahin. Immer wieder mal blickt man über die weit über's Land. So mag ich das! Nach Burgbernheim begleitet der Radweg auf separater Trasse die Bundesstrasse bis Steinach. Von hier aus führt die Route auf Feldwegen über den Endseer Berg, bis man das Plateau erreicht, auf dem auch die Stadt Rothenburg liegt. Ob das jetzt hier noch die Frankenhöhe ist oder schon zur Hohenloher Ebene gehört, geht aus meinen Landkarten nicht genau hervor, was mir aber keine allzugrossen Kopfzerbrechen verursacht. Rothenburg, ansonsten gern besuchtes Juwel mit dem grossartigen Blick hinab in den Laubwald- und Buschwerkdschungel des Taubertales, bleibt diesmal links liegen. Also eigentlich eher rechts, denn ich fahre ostwärts über Schweinsdorf, Neusitz und Gebsattel an der Stadt vorbei. Zwar grüsst der ein oder andere Turm zu mir herüber, doch das eigentlich sehenswerte Stadtpanorama hat man von der anderen Seite, wenn man sich der Stadt von der Tauber aus nähert. Nun also hinüber ins Württembergische. Die Hohenloher Ebene ist ungleich ihres Namens eher ein welliges Fleckchen Erde, ich bin auf Landstrassen unterwegs und das erste Mal seit längerem wieder mit dem Autoverkehr konfrontiert. Man gewöhnt sich so an diese ruhigen Radfernwege, die meist komplett autofrei sind. Ich arbeite mich Ortschaft für Ortschaft voran: Lohr, Brettheim, Wiesenbach, Blaufelden, Raboldshausen. Kurz nach Billingsbach, unten an der Hertensteiner Mühle, folge ich einem Waldweg, der mich schliesslich hinunter ins Jagsttal trägt, das ich bei Eberbach erreiche. Noch ein Weilchen dem Fluss gefolgt und ich erreiche den Landgasthof Jagstmühle, in Heimhausen gelegen, etwas südlich der Stadt Mulfingen. Abends kann man draussen im Innenhof des Gasthofes sitzen und den Frühling geniessen, was ich auch auskoste. Während ich diese Zeilen hier in mein Tagebuch tippe, schnuppert eine Hornisse an meinem Weinglas. Aber hallo! Das Teil ist so gross wie mein Daumen! Der Volksmund hat früher die Angst vor diesem Tier geschürt, dabei ist es anscheinend eine friedliebende Wespenart. Vor dieser hier habe ich allerdings reichlich Respekt. |
||||||||||||||||||||||||||||||