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Wieder
hat es in der Nacht geregnet, doch schon als wir nach dem Frühstück
aufsatteln, drückt die Sonne durch die Wolken, so dass der
Tau (oder vielmehr die Regentropfen) im Gegenlicht glitzert. Zuerst
sind uns, entlang des Inns, ein paar Minuten ruhiger Auwald vergönnt,
bevor wir in den Rosenheimer Stadtverkehr eintauchen. Rüber
über den Inn, den Schlossberg hinauf geradelt und einen Weg
zum Simssee gesucht, den wir bei Baierbach erreichen.
Dort irgendwo latschen wir eine klatschnasse Liegewiese hinunter
zum Ufer des Sees - es hat wohl in der letzten Zeit ziemlich viel
geregnet, so aufgeweicht, wie der Boden ist. Hier kann man es
aushalten. Besonders bei dem mittlerweile strahlend blauen Himmel.
Ein ausgeschilderter Radweg, der Simssee-Rundweg, führt uns
nun an der Nordwestseite des Sees entlang, immer zwischen den
Bahngeleisen und dem Seeufer. Leider hat man nur ab und an mal
einen Blick auf das Gewässer. Sehr idyllisch etwas später
dann der Weg durch das Schilfgebiet an der Nordostseite des Sees
- wir sehen einen Silberreiher (den ersten von vielen auf dieser
Reise), der kurz auffliegt und anschiessend wieder ins Schilf
abtaucht. Bald müssen wir etwas stärker in die Pedale
treten, denn die Strasse bis zum Chiemsee ist nicht flach. Dafür
darf man über den Namen einer der Ortschaften spekulieren,
durch die wir kommen. Das Dorf nennt sich "Antwort".
Bei
Rimsting erreichen wir schliesslich den Chiemsee und allmählich
ist es Zeit für eine kleine Pause - da kommt die Gartenwirtschaft
mit Blick über den See gerade recht. Schwül warm ist
es mittlerweile geworden und im Westen braut sich was zusammen.
Ob uns das noch was angehen wird? Wir radeln jedenfalls jetzt
den Uferweg des Chiemsees entlang. Tags zuvor haben wir eine Reportage
über die Maler des Chiemsees gesehen und jetzt, wo die Gewitterwolken
dramatisch über dem See dräuen, lässt sich die
Faszination der Künstler für diesen Ort hier sehr gut
nachvollziehen. Und wir? Eigentlich verfolgen wir das Schauspiel
auch mit einer gewissen Faszination, natürlich ist diese
Faszination von einem eher mulmigen Gefühl durchzogen - ein
heftiges Sommergewitter in freier Wildbahn wollen wir natürlich
auch nicht unbedingt erleben. Wir ziehen einstweilen mal unsere
Regensachen über und hoffen auf das Beste. Glücklicherweise
zieht das Gewitter weiter im Süden über den See und
bis auf einige Regentropfen bleiben wir verschont.
Doch wir kommen heute nicht so recht voran. Um drei Uhr nachmittags
haben wir erst 45 Kilometer "gemacht" und im Prinzip
würde uns das für heute auch reichen. Und, es kann ja
gar nicht anders sein, wir kommen natürlich an einem sehr
einladend wirkenden Hotel direkt am Seeufer vorbei
Da zeigt
sich eben der Nachteil vorausgebuchter Unterkünfte: man kann
dann nicht so, wie man gerade will und ist festgelegt. Es sei
denn, man sagt alle nachfolgenden Übernachtungen ab. Was
soll's, es sind noch gut zwanzig Kilometer bis Traunstein, und
das bekommen wir auch noch geregelt. Nur die Lust und die Freude
am Radeln ist heute mit der Zeit verloren gegangen: In Seebruck
finden wir für unseren Hunger nur eine Pizzeria direkt an
der Hauptstrasse. Zum Strassenlärm gesellt sich noch der
Energiepegel einiger Kinder am Nachbartisch, die dermassen laut
und ungezogen sind, wie wir es selten erlebt haben. Obendrein
wird uns Speis und Trank von einem sehr ungehobelten Kellner gebracht,
was als Tüpfelchen auf dem i die ganze Szenerie verkomplettiert.
Man sieht: so ein Reisetag kann auch seinen Tiefpunkt haben. Wir
ziehen unseren Aufenthalt an diesem so gastlichen Ort dann gar
nicht gross in die Länge, sondern machen uns schleunigst
wieder auf den Weg, nach dem das Essen seinen Weg durch den Schlund
und ein gewisser Geldbetrag seinen Platz im Geldbeutel des Obers
gefunden hat.
Erst mal wieder die Hauptstrasse queren und dann weiter, den Uferweg
entlang bis hinter Chieming, weiter über Oberhochstätt
und Erlstätt und schliesslich bis nach Traunstein. Dort kommen
wir geradewegs zur Rush Hour an, finden unser Hotel nicht ausgeschildert
und fragen uns eben durch, so gut es geht. Weil es umständlich
ist (besonders angesichts unserer Müdigkeit), vernünftig
mit dem Rad die Hauptverkehrsadern zu queren, steigen wir ab und
schieben über die Fussgängerampeln. Ich vergesse dabei
wieder aufzusteigen und etwas später, als wir endlich im
Hotel angekommen sind, fragt mich Margrit, warum ich ein paar
Minuten vorher den Berg hinunter geschoben habe und nicht gerollt
bin. Ist mir gar nicht aufgefallen. Bin wohl etwas müde geworden.
Heute bleibt die Küche kalt, unser Hotel samt Restaurant
hat Ruhetag (man hatte uns den Schlüssel hinterlegt) und
wir haben keine Lust mehr, nochmals aufzubrechen. So begnügen
wir uns mit Mitgebrachtem. Im Zweifelsfall ist gutes Brot, Käse
und Rotwein sowieso alles, was man benötigt
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