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Sonntag, 16. August 2010.
Von Happing nach Traunstein (65 Km)
 

Wieder hat es in der Nacht geregnet, doch schon als wir nach dem Frühstück aufsatteln, drückt die Sonne durch die Wolken, so dass der Tau (oder vielmehr die Regentropfen) im Gegenlicht glitzert. Zuerst sind uns, entlang des Inns, ein paar Minuten ruhiger Auwald vergönnt, bevor wir in den Rosenheimer Stadtverkehr eintauchen. Rüber über den Inn, den Schlossberg hinauf geradelt und einen Weg zum Simssee gesucht, den wir bei Baierbach erreichen.

Dort irgendwo latschen wir eine klatschnasse Liegewiese hinunter zum Ufer des Sees - es hat wohl in der letzten Zeit ziemlich viel geregnet, so aufgeweicht, wie der Boden ist. Hier kann man es aushalten. Besonders bei dem mittlerweile strahlend blauen Himmel. Ein ausgeschilderter Radweg, der Simssee-Rundweg, führt uns nun an der Nordwestseite des Sees entlang, immer zwischen den Bahngeleisen und dem Seeufer. Leider hat man nur ab und an mal einen Blick auf das Gewässer. Sehr idyllisch etwas später dann der Weg durch das Schilfgebiet an der Nordostseite des Sees - wir sehen einen Silberreiher (den ersten von vielen auf dieser Reise), der kurz auffliegt und anschiessend wieder ins Schilf abtaucht. Bald müssen wir etwas stärker in die Pedale treten, denn die Strasse bis zum Chiemsee ist nicht flach. Dafür darf man über den Namen einer der Ortschaften spekulieren, durch die wir kommen. Das Dorf nennt sich "Antwort".

Bei Rimsting erreichen wir schliesslich den Chiemsee und allmählich ist es Zeit für eine kleine Pause - da kommt die Gartenwirtschaft mit Blick über den See gerade recht. Schwül warm ist es mittlerweile geworden und im Westen braut sich was zusammen. Ob uns das noch was angehen wird? Wir radeln jedenfalls jetzt den Uferweg des Chiemsees entlang. Tags zuvor haben wir eine Reportage über die Maler des Chiemsees gesehen und jetzt, wo die Gewitterwolken dramatisch über dem See dräuen, lässt sich die Faszination der Künstler für diesen Ort hier sehr gut nachvollziehen. Und wir? Eigentlich verfolgen wir das Schauspiel auch mit einer gewissen Faszination, natürlich ist diese Faszination von einem eher mulmigen Gefühl durchzogen - ein heftiges Sommergewitter in freier Wildbahn wollen wir natürlich auch nicht unbedingt erleben. Wir ziehen einstweilen mal unsere Regensachen über und hoffen auf das Beste. Glücklicherweise zieht das Gewitter weiter im Süden über den See und bis auf einige Regentropfen bleiben wir verschont.

Doch wir kommen heute nicht so recht voran. Um drei Uhr nachmittags haben wir erst 45 Kilometer "gemacht" und im Prinzip würde uns das für heute auch reichen. Und, es kann ja gar nicht anders sein, wir kommen natürlich an einem sehr einladend wirkenden Hotel direkt am Seeufer vorbei… Da zeigt sich eben der Nachteil vorausgebuchter Unterkünfte: man kann dann nicht so, wie man gerade will und ist festgelegt. Es sei denn, man sagt alle nachfolgenden Übernachtungen ab. Was soll's, es sind noch gut zwanzig Kilometer bis Traunstein, und das bekommen wir auch noch geregelt. Nur die Lust und die Freude am Radeln ist heute mit der Zeit verloren gegangen: In Seebruck finden wir für unseren Hunger nur eine Pizzeria direkt an der Hauptstrasse. Zum Strassenlärm gesellt sich noch der Energiepegel einiger Kinder am Nachbartisch, die dermassen laut und ungezogen sind, wie wir es selten erlebt haben. Obendrein wird uns Speis und Trank von einem sehr ungehobelten Kellner gebracht, was als Tüpfelchen auf dem i die ganze Szenerie verkomplettiert. Man sieht: so ein Reisetag kann auch seinen Tiefpunkt haben. Wir ziehen unseren Aufenthalt an diesem so gastlichen Ort dann gar nicht gross in die Länge, sondern machen uns schleunigst wieder auf den Weg, nach dem das Essen seinen Weg durch den Schlund und ein gewisser Geldbetrag seinen Platz im Geldbeutel des Obers gefunden hat.

Erst mal wieder die Hauptstrasse queren und dann weiter, den Uferweg entlang bis hinter Chieming, weiter über Oberhochstätt und Erlstätt und schliesslich bis nach Traunstein. Dort kommen wir geradewegs zur Rush Hour an, finden unser Hotel nicht ausgeschildert und fragen uns eben durch, so gut es geht. Weil es umständlich ist (besonders angesichts unserer Müdigkeit), vernünftig mit dem Rad die Hauptverkehrsadern zu queren, steigen wir ab und schieben über die Fussgängerampeln. Ich vergesse dabei wieder aufzusteigen und etwas später, als wir endlich im Hotel angekommen sind, fragt mich Margrit, warum ich ein paar Minuten vorher den Berg hinunter geschoben habe und nicht gerollt bin. Ist mir gar nicht aufgefallen. Bin wohl etwas müde geworden.

Heute bleibt die Küche kalt, unser Hotel samt Restaurant hat Ruhetag (man hatte uns den Schlüssel hinterlegt) und wir haben keine Lust mehr, nochmals aufzubrechen. So begnügen wir uns mit Mitgebrachtem. Im Zweifelsfall ist gutes Brot, Käse und Rotwein sowieso alles, was man benötigt…

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