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Traunstein
und ich, wir werden einfach nicht warm miteinander! Als wir nach
dem Frühstück - ohnehin nicht sonderlich motiviert bei
dem heutigen Regenwetter - unseren Weg durch die Stadt zum Flüsschen
Traun suchen, sind wir sofort wieder mittendrin im ungeduldigen
Schwerverkehr. Ein Blick auf die Landkarte zeigt auch den Grund
dafür: hier treffen zwei Bundesstrassen, die B 306 und die
B 304 aufeinander. Das Wissen darum ist trotzdem kein Trost. Immerhin,
als wir endlich die Traun gefunden, sie überquert und im
Regen stehend die Landkarte nach der weiteren Route befragen,
kommt eine Frau aus dem nächsten Haus (sie hat uns wohl durchs
Fenster beobachtet) und zeigt uns eine Abkürzung, die weniger
Steigungen und kaum Autoverkehr aufweist. Das versöhnt mich
etwas mit dieser Stadt. Auch ein Blick zurück, der ein halbwegs
historisches Stadtpanorama zeigt, stimmt mich positiver.
Wie dem auch sei: wir sind auf Kurs. Und zwar in Richtung Waginger
See. Dieser Kurs führt uns über die Ortschaften Oed
und Lauter nach Rückstetten und weiter nach Petting. Da darf
man natürlich etwas klettern und dafür, als Gegenleistung,
ab und an eine Abfahrt hinunter rollen. Es regnet mal mehr, mal
wieder etwas weniger und leider sieht man nicht viel von der Landschaft.
Wobei es hier bei heiterem Wetter bestimmt sehr schön sein
mag. Irgendwo im Süden müsste man ein beeindruckendes
Gebirgspanorama sehen
Während dieser verregneten Vormittagsstunden holt mich ein
kleines technisches Problem ein: zuhause hatte ich vor einiger
Zeit die Kette geöffnet, um einen neuen Umwerfer zu montieren,
denn der alte hatte sich zu Ostern bei einem Schaltvorgang bergauf
mit verklemmter Kette derartig ungünstig verbogen, dass er
nicht mehr hinzukriegen war. Beim Verschliessen der Kette muss
ich wohl den Stift nicht exakt genug wieder zurück in Position
geschoben haben, jedenfalls tendierte die Kette bei den bisherigen
Anstiegen dieser Reise immer mehr dazu, an genau dieser Stelle
zu holpern. Da noch etliche Höhenmeter auf uns warten, will
ich lieber mal versuchen, das Ganze in den Griff zu bekommen.
So bastle ich eben bei diesem Sauwetter herum und schaffe es endlich,
das sonderbar verbogene Kettenglied zu entfernen und die offene
Kette dann auch wirklich wieder gut zu verschliessen. Bis auf
diese Begebenheit werden wir übrigens auf dieser Reise von
jeglicher technischer Unbill verschont bleiben, es wird auch keinen
einzigen Plattfuss geben - mein Vertrauen in die Schwalbe Marathon
Reifen ist wieder halbwegs hergestellt.
Wo waren wir? Genau: Petting. Angesichts der heutigen Temperaturen
denken wir mal gar nicht über den zweideutigen Ortsnamen
nach, sondern nehmen die ausgeschilderte Radroute ("Seeweg"
oder "Salzhandelsweg") über Kühnhausen, Lampoding
und Kirchanschöring nach Laufen.
Laufen. Das sollte ursprünglich, in der allerersten Planungsphase
dieser Reise, mal Etappenort werden, doch da die Route den verfügbaren
Unterkünften angepasst werden musste, verschob sich alles
nach vorne und die Stadt hier liegt nun gerade in der Mitte einer
Tagesetappe. Dabei machten die Photos im Internet durchaus Laune
auf dieses Städtchen: der Markplatz mit den eigenartigen
Fassaden der Bürgerhäuser, die interessante Brücke
über die Salzach. Und nun rauschen wir mit dem Durchgangsverkehr
durch die Stadt. Zuerst auf einer Einfallstrasse, immer mit den
drängelnden Autofahrern im Nacken. Überraschend früh
kommt dann schon der Marktplatz, gleich darauf die Brücke
und einen Lidschlag später haben wir in einem Automatismus
schon über den Fluss gesetzt, befinden uns in Oberndorf und
damit in Österreich. Hoppla. Das ging aber schnell. Als war
am anderen Ufer der Salzach nochmals zurück blicken verspürt
jedoch keiner von uns beiden eine gesteigerte Lust, nochmals umzukehren.
In meiner Fantasie hatte ich mir den Marktplatz auch eher als
Fussgängerzone vorgestellt - nicht als grossen Parkplatz
mit Bundesstrasse.
Also weiter. Recht unspektakulär sind wir nun also in Österreich
angekommen. Ein Kulturschock ereilt uns nicht, es sieht nicht
anders aus als jenseits der Grenze. Doch, einen Unterschied gibt
es: der Regen hat aufgehört, das Firmament wirkt nicht mehr
gar so düster, wenn auch die Sonne heute generell Schwierigkeiten
hat, ihre Strahlen durch die Wolkendecke zu senden. Die Regensachen
wandern jedenfalls mal wieder in die Packtasche. Wir radeln gen
Süden. Nicht am Uferweg der Salzach entlang, sondern auf
einer Route, die uns über Rabing und Acharting nach Anthering
führt.
Dort treffen wir nicht nur auf den Mozart- und den Salzkammergutradweg,
wir treffen auch auf etwas, dass völlig unerwartet des Weges
kommt: nämlich eine fast zwei Kilometer lange und steile
Steigung. Auf unserer Radkarte von BIKELINE ist die eigentlich
als gar nicht mal so gravierend eingetragen. Wie wir letztendlich
dann da hinauf gekommen sind, weiss ich bis heute nicht. Rennradfahrer
und Mountainbiker, die in umgekehrter Richtung bergab unterwegs
waren, blicken so sonderbar zu uns her. Und doch, irgendwann sind
wir oben auf einer Art Hochebene, radeln durch Ortschaften, die
Mödlham, Untermödlham oder Katzelsberg heissen und rollen
schliesslich hinunter nach Obertrum am gleichnamigen Obertrumer
See. Hier hängen drei Seen ganz dicht aneinander, nämlich
der Obertrumer-, der Graben- und der Mattsee. Zu diesem wollen
wir. Oder, besser gesagt, zu dem gleichnamigen Örtchen an
dessen Gestaden. Und diese fünf/sechs Kilometer haben wir
auch noch in den Beinen.
In Obertrum fragen wir zweimal nach dem Weg und beide Male wird
uns überaus freundlich Auskunft gegeben. Huch. Ösi-Charme!
Tut auch mal gut, ganz ehrlich! Zur rechten Zeit erreichen wir
das Städtchen Mattsee und suchen uns den Weg zum Iglhauser
Schlosshotel. Dass diese Unterkunft die teuerste auf der ganzen
Reise sein würde, war von uns einkalkuliert worden. Nicht
gefasst waren wir jedoch darauf, dass man uns in eine komplette
Suite mit Stilmöbeln (zwei Schlafzimmer samt Salon) verfrachten
würde und dass wir ein Hallenbad samt Sauna zur Verfügung
hätten. Gelegen kommt das natürlich schon, war ein anstrengender
Tag heute
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