[ zurück zu den Reiseberichten ¦ zurück zur Startseite ¦ weiterlesen ]
Dienstag, 17. August 2010.
Von Traunstein bis Mattsee (64 Km)
 
 
 
 
 
 
 
 

Traunstein und ich, wir werden einfach nicht warm miteinander! Als wir nach dem Frühstück - ohnehin nicht sonderlich motiviert bei dem heutigen Regenwetter - unseren Weg durch die Stadt zum Flüsschen Traun suchen, sind wir sofort wieder mittendrin im ungeduldigen Schwerverkehr. Ein Blick auf die Landkarte zeigt auch den Grund dafür: hier treffen zwei Bundesstrassen, die B 306 und die B 304 aufeinander. Das Wissen darum ist trotzdem kein Trost. Immerhin, als wir endlich die Traun gefunden, sie überquert und im Regen stehend die Landkarte nach der weiteren Route befragen, kommt eine Frau aus dem nächsten Haus (sie hat uns wohl durchs Fenster beobachtet) und zeigt uns eine Abkürzung, die weniger Steigungen und kaum Autoverkehr aufweist. Das versöhnt mich etwas mit dieser Stadt. Auch ein Blick zurück, der ein halbwegs historisches Stadtpanorama zeigt, stimmt mich positiver.

Wie dem auch sei: wir sind auf Kurs. Und zwar in Richtung Waginger See. Dieser Kurs führt uns über die Ortschaften Oed und Lauter nach Rückstetten und weiter nach Petting. Da darf man natürlich etwas klettern und dafür, als Gegenleistung, ab und an eine Abfahrt hinunter rollen. Es regnet mal mehr, mal wieder etwas weniger und leider sieht man nicht viel von der Landschaft. Wobei es hier bei heiterem Wetter bestimmt sehr schön sein mag. Irgendwo im Süden müsste man ein beeindruckendes Gebirgspanorama sehen…

Während dieser verregneten Vormittagsstunden holt mich ein kleines technisches Problem ein: zuhause hatte ich vor einiger Zeit die Kette geöffnet, um einen neuen Umwerfer zu montieren, denn der alte hatte sich zu Ostern bei einem Schaltvorgang bergauf mit verklemmter Kette derartig ungünstig verbogen, dass er nicht mehr hinzukriegen war. Beim Verschliessen der Kette muss ich wohl den Stift nicht exakt genug wieder zurück in Position geschoben haben, jedenfalls tendierte die Kette bei den bisherigen Anstiegen dieser Reise immer mehr dazu, an genau dieser Stelle zu holpern. Da noch etliche Höhenmeter auf uns warten, will ich lieber mal versuchen, das Ganze in den Griff zu bekommen. So bastle ich eben bei diesem Sauwetter herum und schaffe es endlich, das sonderbar verbogene Kettenglied zu entfernen und die offene Kette dann auch wirklich wieder gut zu verschliessen. Bis auf diese Begebenheit werden wir übrigens auf dieser Reise von jeglicher technischer Unbill verschont bleiben, es wird auch keinen einzigen Plattfuss geben - mein Vertrauen in die Schwalbe Marathon Reifen ist wieder halbwegs hergestellt.

Wo waren wir? Genau: Petting. Angesichts der heutigen Temperaturen denken wir mal gar nicht über den zweideutigen Ortsnamen nach, sondern nehmen die ausgeschilderte Radroute ("Seeweg" oder "Salzhandelsweg") über Kühnhausen, Lampoding und Kirchanschöring nach Laufen.

Laufen. Das sollte ursprünglich, in der allerersten Planungsphase dieser Reise, mal Etappenort werden, doch da die Route den verfügbaren Unterkünften angepasst werden musste, verschob sich alles nach vorne und die Stadt hier liegt nun gerade in der Mitte einer Tagesetappe. Dabei machten die Photos im Internet durchaus Laune auf dieses Städtchen: der Markplatz mit den eigenartigen Fassaden der Bürgerhäuser, die interessante Brücke über die Salzach. Und nun rauschen wir mit dem Durchgangsverkehr durch die Stadt. Zuerst auf einer Einfallstrasse, immer mit den drängelnden Autofahrern im Nacken. Überraschend früh kommt dann schon der Marktplatz, gleich darauf die Brücke und einen Lidschlag später haben wir in einem Automatismus schon über den Fluss gesetzt, befinden uns in Oberndorf und damit in Österreich. Hoppla. Das ging aber schnell. Als war am anderen Ufer der Salzach nochmals zurück blicken verspürt jedoch keiner von uns beiden eine gesteigerte Lust, nochmals umzukehren. In meiner Fantasie hatte ich mir den Marktplatz auch eher als Fussgängerzone vorgestellt - nicht als grossen Parkplatz mit Bundesstrasse.

Also weiter. Recht unspektakulär sind wir nun also in Österreich angekommen. Ein Kulturschock ereilt uns nicht, es sieht nicht anders aus als jenseits der Grenze. Doch, einen Unterschied gibt es: der Regen hat aufgehört, das Firmament wirkt nicht mehr gar so düster, wenn auch die Sonne heute generell Schwierigkeiten hat, ihre Strahlen durch die Wolkendecke zu senden. Die Regensachen wandern jedenfalls mal wieder in die Packtasche. Wir radeln gen Süden. Nicht am Uferweg der Salzach entlang, sondern auf einer Route, die uns über Rabing und Acharting nach Anthering führt.

Dort treffen wir nicht nur auf den Mozart- und den Salzkammergutradweg, wir treffen auch auf etwas, dass völlig unerwartet des Weges kommt: nämlich eine fast zwei Kilometer lange und steile Steigung. Auf unserer Radkarte von BIKELINE ist die eigentlich als gar nicht mal so gravierend eingetragen. Wie wir letztendlich dann da hinauf gekommen sind, weiss ich bis heute nicht. Rennradfahrer und Mountainbiker, die in umgekehrter Richtung bergab unterwegs waren, blicken so sonderbar zu uns her. Und doch, irgendwann sind wir oben auf einer Art Hochebene, radeln durch Ortschaften, die Mödlham, Untermödlham oder Katzelsberg heissen und rollen schliesslich hinunter nach Obertrum am gleichnamigen Obertrumer See. Hier hängen drei Seen ganz dicht aneinander, nämlich der Obertrumer-, der Graben- und der Mattsee. Zu diesem wollen wir. Oder, besser gesagt, zu dem gleichnamigen Örtchen an dessen Gestaden. Und diese fünf/sechs Kilometer haben wir auch noch in den Beinen.

In Obertrum fragen wir zweimal nach dem Weg und beide Male wird uns überaus freundlich Auskunft gegeben. Huch. Ösi-Charme! Tut auch mal gut, ganz ehrlich! Zur rechten Zeit erreichen wir das Städtchen Mattsee und suchen uns den Weg zum Iglhauser Schlosshotel. Dass diese Unterkunft die teuerste auf der ganzen Reise sein würde, war von uns einkalkuliert worden. Nicht gefasst waren wir jedoch darauf, dass man uns in eine komplette Suite mit Stilmöbeln (zwei Schlafzimmer samt Salon) verfrachten würde und dass wir ein Hallenbad samt Sauna zur Verfügung hätten. Gelegen kommt das natürlich schon, war ein anstrengender Tag heute…

[ nach oben ]