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Freitag, 20. August 2010.
Von Seewalchen nach Wels (57 Km)
 

Ich freue mich auf die kommenden Tage. Auf einen Wechsel im Grundcharakter der Radreise. Zum einen hat uns auf den ersten Etappen die Nähe zum Strassenverkehr mit all den bekannten Begleiterscheinungen sehr gestört. Die gewählte Route verlief leider nur abschnittsweise auf Radwegen abseits der Autostrassen - zum Beispiel im Mangfalltal und auf dem Uferweg des Chiemsees. Zum anderen waren diese ersten Etappen durch die Steigungen recht anstrengend. Wenn wir ehrlich sind, sehnen wir uns augenblicklich einfach nach entspannendem Gleiten auf ebenen Asphaltweglein inmitten einer ruhigen Landschaft… Und von nun an soll's tendenziell in diese Richtung gehen. Wir werden der Traun auf dem Römerradweg flussabwärts bis zur Donau folgen. Und der Donauradweg zwischen Passau und Wien soll ja sowieso in jeder Hinsicht ein Genuss sein.

Mal sehen, was daraus wird. Heute starten wir in den ersten Nebelmorgen dieses Jahres und das macht eigentlich gar nichts, denn bis Vöcklabruck (da scheint längst schon die Sonne) fehlt jegliche Landschaft, wir haben eher das Gefühl, durch eine einziges Stadtgebiet zu radeln, so zusammenhängend scheint hier alles bebaut: Gewerbegebiet folgt auf Wohngegend folgt auf Umgehungsstrassen folgt auf Gewerbegebiet. Erst ab circa Schwanenstadt wieder so etwas wie Gegend. Immerhin radeln wir auf halbwegs autofreier Trasse, und zwar - wie schon erwähnt - auf dem Römerradweg. Und endlich auch wieder flüssiges Vorankommen auf flachem Terrain, abgesehen von einer Umleitung an den Ufern der Ager, die uns dann doch noch eine Kletterpartie beschert.

Wir radeln also nach Norden, der Donau entgegen. Die Berge werden langsam kleiner und verbleiben als Kulisse am Horizont, kaum sichtbar im Dunst der Vormittagssonne. Jetzt sieht man öfters mal Radler mit Gepäck auf dem Träger. Zum Beispiel eine tschechische Familie, mit der wir kurz ins Gespräch kommen, als wir an einem Gehege zottige Langhaarrinder fotografieren. In den Dörfern, durch die wir radeln, sieht man recht geräumige neue Häuser mit weitläufigen Gärten. Wie viele Generationen pro Haus hier wohl wohnen mögen?

Als wir an einem Baggersee pausieren, kommt ein Herr des Weges und fragt uns nach dem unsrigen. Er kann es gar nicht fassen, dass wir drei Wochen am Stück unterwegs sind und fragt mich, ob ich wohl schon pensioniert bin? Das kann ich nun gar nicht fassen! Also wirklich! Für einen Rentner hat mich noch niemand gehalten! Muss ich mich jetzt allmählich auch daran gewöhnen?

Wieder sind wir müde geworden, als wir in Wels auf dem Marktplatz nach einem Hotel Ausschau halten, das auch gleich gefunden ist. Heute ist der erste Tag ohne voraus gebuchte Unterkunft. Wels ist eine Überraschung, und zwar eine sehr positive. Die Stadt sieht genau so aus, wie ich mir ein paar Tage vorher das Laufener Stadtbild ausgemalt hatte - nur garniert mit einer Fussgängerzone! Schön sind die Innenhöfe mit den Arkaden. Alles hat schon ansatzweise dieses K&K-Flair. Wir verbringen einen sehr gemütlichen Abend in einem Strassencafé in der Mitte dieses sehenswerten Marktplatzes, lauschen dem fremden Idiom (natürlich, so sehr unterscheidet sich der hiesige Dialekt nun auch wieder nicht vom Bayerischen und ich kann plötzlich nachvollziehen, warum ich in der Schweiz oft eher für einen Österreicher als für einen Bayer gehalten werde) und vertiefen unsere Beziehung zum Blaufränkischen.

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