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Ich
freue mich auf die kommenden Tage. Auf einen Wechsel im Grundcharakter
der Radreise. Zum einen hat uns auf den ersten Etappen die Nähe
zum Strassenverkehr mit all den bekannten Begleiterscheinungen
sehr gestört. Die gewählte Route verlief leider nur
abschnittsweise auf Radwegen abseits der Autostrassen - zum Beispiel
im Mangfalltal und auf dem Uferweg des Chiemsees. Zum anderen
waren diese ersten Etappen durch die Steigungen recht anstrengend.
Wenn wir ehrlich sind, sehnen wir uns augenblicklich einfach nach
entspannendem Gleiten auf ebenen Asphaltweglein inmitten einer
ruhigen Landschaft
Und von nun an soll's tendenziell in
diese Richtung gehen. Wir werden der Traun auf dem Römerradweg
flussabwärts bis zur Donau folgen. Und der Donauradweg zwischen
Passau und Wien soll ja sowieso in jeder Hinsicht ein Genuss sein.
Mal sehen, was daraus wird. Heute starten wir in den ersten Nebelmorgen
dieses Jahres und das macht eigentlich gar nichts, denn bis Vöcklabruck
(da scheint längst schon die Sonne) fehlt jegliche Landschaft,
wir haben eher das Gefühl, durch eine einziges Stadtgebiet
zu radeln, so zusammenhängend scheint hier alles bebaut:
Gewerbegebiet folgt auf Wohngegend folgt auf Umgehungsstrassen
folgt auf Gewerbegebiet. Erst ab circa Schwanenstadt wieder so
etwas wie Gegend. Immerhin radeln wir auf halbwegs autofreier
Trasse, und zwar - wie schon erwähnt - auf dem Römerradweg.
Und endlich auch wieder flüssiges Vorankommen auf flachem
Terrain, abgesehen von einer Umleitung an den Ufern der Ager,
die uns dann doch noch eine Kletterpartie beschert.
Wir radeln also nach Norden, der Donau entgegen. Die Berge werden
langsam kleiner und verbleiben als Kulisse am Horizont, kaum sichtbar
im Dunst der Vormittagssonne. Jetzt sieht man öfters mal
Radler mit Gepäck auf dem Träger. Zum Beispiel eine
tschechische Familie, mit der wir kurz ins Gespräch kommen,
als wir an einem Gehege zottige Langhaarrinder fotografieren.
In den Dörfern, durch die wir radeln, sieht man recht geräumige
neue Häuser mit weitläufigen Gärten. Wie viele
Generationen pro Haus hier wohl wohnen mögen?
Als wir an einem Baggersee pausieren, kommt ein Herr des Weges
und fragt uns nach dem unsrigen. Er kann es gar nicht fassen,
dass wir drei Wochen am Stück unterwegs sind und fragt mich,
ob ich wohl schon pensioniert bin? Das kann ich nun gar nicht
fassen! Also wirklich! Für einen Rentner hat mich noch niemand
gehalten! Muss ich mich jetzt allmählich auch daran gewöhnen?
Wieder sind wir müde geworden, als wir in Wels auf dem Marktplatz
nach einem Hotel Ausschau halten, das auch gleich gefunden ist.
Heute ist der erste Tag ohne voraus gebuchte Unterkunft. Wels
ist eine Überraschung, und zwar eine sehr positive. Die Stadt
sieht genau so aus, wie ich mir ein paar Tage vorher das Laufener
Stadtbild ausgemalt hatte - nur garniert mit einer Fussgängerzone!
Schön sind die Innenhöfe mit den Arkaden. Alles hat
schon ansatzweise dieses K&K-Flair. Wir verbringen einen sehr
gemütlichen Abend in einem Strassencafé in der Mitte
dieses sehenswerten Marktplatzes, lauschen dem fremden Idiom (natürlich,
so sehr unterscheidet sich der hiesige Dialekt nun auch wieder
nicht vom Bayerischen und ich kann plötzlich nachvollziehen,
warum ich in der Schweiz oft eher für einen Österreicher
als für einen Bayer gehalten werde) und vertiefen unsere
Beziehung zum Blaufränkischen.
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