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Ein
wunderschöner Morgen, eine optimale Fahrt auf den ersten
paar Kilometern: auf asphaltierten Strässlein durch die gestern
Abend betrachtete Landschaft. Zu den Maisfeldern und Wiesen und
Wäldchen gesellen sich noch blaue Hügel am Horizont
dazu. So, wirklich genau so, stelle ich mir Radwandern vor! Da
kann man schwelgen! Da öffnet sich das Herz! Da fühlt
man sich schwerelos! Da vergisst man auch schnell die tendenziell
eher suboptimale Nacht, mit dem Lärm einer Open Air Disco,
den Stechmücken und dem heissen Zimmer
Die blauen Hügel rücken näher, sortieren sich hintereinander,
fächern sich auf und wie in einen Trichter radeln wir genau
auf einen Einschnitt zu: das ist das Tal der Donau und die hat
sich eine Bahn durch diese Hügelkette geschaffen. Strudengau
heisst diese Landschaft hier. Der Radweg führt bald brav
am Fluss entlang, auf einem ehemaligen Treidelpfad, wie gestern
auf den letzten Kilometern nach Wallsee auch schon.
Die Stadt Grein, gleich zu Beginn des Strudengaus, sieht von unserer,
der rechten, Uferseite recht eindrucksvoll aus. Dafür kommt
mir später die Stadt Ybbs sonderbar verwahrlost vor. Bei
der Durchfahrt fallen mir viele renovierungsbedürftige Fassaden
ins Auge. Das wundert mich. Hätte ich hier in dieser Touri-Gegend
nicht vermutet (Wo ich da meine Augen hatte, weiss ich im Nachhinein
nicht, denn am Ende der Reise zeigen Fotos im Internet ein ganz
anderes Bild dieses Städtchens). Hier ist das Tal auch wieder
etwas weiter geworden, der enge Flussabschnitt des Strudengaus
liegt hinter uns, der Weg führt aber immer noch oben auf
dem Deich oder Damm entlang.
Wir radeln an Maria Taferl vorbei, das auf eine gewisse Art und
Weise an den Potala-Palast in Lhasa erinnert (natürlich mit
viel Fantasie und zusammen mit den nebenan liegenden Gebäuden
betrachtet). Und bald sind wir dann auf der Zielgeraden: Melk
ist das heutige Etappenziel. Die Stadt wird natürlich vom
berühmten und prachtvollen Barockkloster dominiert und überragt.
Das Städtchen selbst hat aber auch irgendwie seinen Reiz.
Morgen soll es noch heisser werden. Und vor uns liegt die Wachau,
ein Landstrich, den ich schon längst mal sehen wollte. Doch
ich will ihn nicht nur sehen, sondern auch geniessen. Was ich
beim Studium des Radführers sehe, gefällt mir nicht
wirklich: da soll's auf beiden Uferseiten entweder auf oder direkt
neben grösseren Verkehrsachsen entlang gehen. Auch ist die
Vorstellung nicht gerade erbaulich, wieder in einem grünen
Korridor zu radeln und nur punktuell etwas von der Gegend zu sehen,
wie es heute bei der Durchfahrt des Strudengaus der Fall war.
Doch manchmal ist guter Rat gar nicht mal so teuer: wir werden
morgen nochmals einen Ruhetag einlegen und eine Wachaurundfahrt
mit dem Schiff unternehmen!
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