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Sonntag, 22. August 2010.
Von Wallsee nach Melk (65 km)
 

Ein wunderschöner Morgen, eine optimale Fahrt auf den ersten paar Kilometern: auf asphaltierten Strässlein durch die gestern Abend betrachtete Landschaft. Zu den Maisfeldern und Wiesen und Wäldchen gesellen sich noch blaue Hügel am Horizont dazu. So, wirklich genau so, stelle ich mir Radwandern vor! Da kann man schwelgen! Da öffnet sich das Herz! Da fühlt man sich schwerelos! Da vergisst man auch schnell die tendenziell eher suboptimale Nacht, mit dem Lärm einer Open Air Disco, den Stechmücken und dem heissen Zimmer…

Die blauen Hügel rücken näher, sortieren sich hintereinander, fächern sich auf und wie in einen Trichter radeln wir genau auf einen Einschnitt zu: das ist das Tal der Donau und die hat sich eine Bahn durch diese Hügelkette geschaffen. Strudengau heisst diese Landschaft hier. Der Radweg führt bald brav am Fluss entlang, auf einem ehemaligen Treidelpfad, wie gestern auf den letzten Kilometern nach Wallsee auch schon.

Die Stadt Grein, gleich zu Beginn des Strudengaus, sieht von unserer, der rechten, Uferseite recht eindrucksvoll aus. Dafür kommt mir später die Stadt Ybbs sonderbar verwahrlost vor. Bei der Durchfahrt fallen mir viele renovierungsbedürftige Fassaden ins Auge. Das wundert mich. Hätte ich hier in dieser Touri-Gegend nicht vermutet (Wo ich da meine Augen hatte, weiss ich im Nachhinein nicht, denn am Ende der Reise zeigen Fotos im Internet ein ganz anderes Bild dieses Städtchens). Hier ist das Tal auch wieder etwas weiter geworden, der enge Flussabschnitt des Strudengaus liegt hinter uns, der Weg führt aber immer noch oben auf dem Deich oder Damm entlang.

Wir radeln an Maria Taferl vorbei, das auf eine gewisse Art und Weise an den Potala-Palast in Lhasa erinnert (natürlich mit viel Fantasie und zusammen mit den nebenan liegenden Gebäuden betrachtet). Und bald sind wir dann auf der Zielgeraden: Melk ist das heutige Etappenziel. Die Stadt wird natürlich vom berühmten und prachtvollen Barockkloster dominiert und überragt. Das Städtchen selbst hat aber auch irgendwie seinen Reiz.

Morgen soll es noch heisser werden. Und vor uns liegt die Wachau, ein Landstrich, den ich schon längst mal sehen wollte. Doch ich will ihn nicht nur sehen, sondern auch geniessen. Was ich beim Studium des Radführers sehe, gefällt mir nicht wirklich: da soll's auf beiden Uferseiten entweder auf oder direkt neben grösseren Verkehrsachsen entlang gehen. Auch ist die Vorstellung nicht gerade erbaulich, wieder in einem grünen Korridor zu radeln und nur punktuell etwas von der Gegend zu sehen, wie es heute bei der Durchfahrt des Strudengaus der Fall war. Doch manchmal ist guter Rat gar nicht mal so teuer: wir werden morgen nochmals einen Ruhetag einlegen und eine Wachaurundfahrt mit dem Schiff unternehmen!

 

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