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Freitag,
7. Mai 2010. Von Zürich nach Ramsen (65 km)
Zürich-Oerlikon > Glattradweg > Eglisau
> Rafz > Lottstetten > Jestetten > Schaffhausen >
Stein am Rhein > Ramsen
Immerhin braucht man heute keine Sonnencrême, soviel ist
schon mal klar. Und das vor der Reise blitz-blank geputzte Trike
ist schon nach ein paar Kilometern von oben bis unten verdreckt.
Dabei hatte ich mir neulich soviel Mühe gegeben und das gute
Stück auch dort gewienert und poliert, wo man sonst nicht
hinsieht - also hinter den Ohren und so... und jetzt ist sie wieder
dahin, die glänzende Schönheit.
Also, man sieht schon: das Wetter ist bei Reisebeginn alles andere
als ideal. Die ganze Woche über hat es geregnet, mit Temperaturen
tief im Keller, und draussen sieht es dunkel und düster und
alles andere als einladend aus. So pressiert es mir überhaupt
nicht. Ich trödle nach dem Aufstehen zuhause rum, bin noch
kurz im Interweb unterwegs und mache mich erst - für meine
Begriffe - recht spät auf den Weg zu meiner kleinen, einwöchigen
Solotour. Angetan mit der ganzen Ritterrüstung inkl. Regengamaschen
mache ich es mir im Sitz meines Rades bequem und spule erstmal
das übliche Programm ab: hinunter zum Bahnhof Oerlikon, ein
paar Meter neben den Geleisen bis zum Radweg entlang der Glatt,
und dann immer flussabwärts. Auf den ersten Kilometern warten
gleich durchgeweichte Naturwege und tiefe Wasserlachen auf mich
- mit den oben schon erwähnten Auswirkungen auf die Sauberkeit
meines Verkehrsmittels. Schon stehe ich vor dem ersten Hindernis:
Hochwasser auf dem Radweg unter einem Brückenpfeiler. Nun,
Umgehungen gibt's ja hier genug. Ein Weilchen später wird
es dann endlich meditativ. Stadt und Flughafen liegen hinter mir,
der ganze Verkehrstrubel, den man doch unbewusst wahrnimmt, verliert
sich irgendwo und ich hab meinen Rhythmus gefunden - und auch
den Ohrwurm des Tages.
Dieser Ohrwurm, mein heutiger Tageshit, ist diese eine weltbekannte
Arie aus "Carmen": damm da dadamm dada da dadamm, dada
da da dada da da da
Und zwar verweilte ich gestern Abend
noch ein Stündchen bei der Live-Übertragung der Oper
im Fernsehen. Ich verglich das Spektakel unwillkürlich mit
dem Flamenco-Film
von Carlos Saura aus den 80er Jahren, mit Paco de Lucia als
Gitarrist. Die Darstellerin der Carmen im Film war wirklich so
richtig
tja, wie sagt man? Naja
egal, die Rolle war
mehr als passend besetzt. Die gestrige Carmen dagegen, also, gesungen
hat sie hervorragend, das will ich nicht abstreiten. Aber vom
visuellen Standpunkt aus betrachtet
Immerhin, das Stück
Musik sitzt fest und lässt mich heute nicht los.
In Eglisau rolle ich ausnahmsweise mal nicht sofort über
die Brücke zum anderen Rheinufer, sondern gleite noch diesseits
des Flusses hinunter zum Ufer, um das Städtchen mal aus dieser
Perspektive zu begutachten. Sieh mal einer an, schaut ja ganz
eindrucksvoll aus. Die Kirche, das Stadtpanorama, der Fluss. Weiter
mit dem üblichen Procedere: über die Brücke, den
steilen Anstieg hinauf gekurbelt und schon bin ich auf dem Rafzer
Feld. In Rafz riecht es diesmal nicht nach Modellbausprit. Dafür
zeigen sich ein paar Minuten später die ersten blauen Lücken
in der Wolkendecke, und schon ist der Belichtungsmesser meiner
Kamera nicht mehr ganz so beleidigt. In Neuhausen, am Bahnhof,
scheint der Personenaufzug genau für den Scorpion gemacht/gedacht
zu sein, und so stellt dieser wohl kaum für ein Trike gedachte
Treppenaufgang kein Problem dar.
Schon rolle ich unten am Rhein entlang und denke mir noch, dass
ich bei Gelegenheit wieder mal mit dem Schiff bis nach Stein am
Rhein fahren möchte, denn diese wunderbare Flusslandschaft
lässt sich eben auch sehr schön vom Wasser aus erkunden.
Und wie ich da so an der Schifflände in Schaffhausen entlang
rolle, liegt gerade ein Ausflugsdampfer abfahrbereit am Ufer.
Das Schiffspersonal ist schon dabei, den Landesteg einzufahren
und einer von denen grinst mich gar so nett an.
"Fahren Sie in Richtung Stein am Rhein?"
"Ja, gleich geht's los."
"Würden Sie mich noch mitnehmen?"
"Logisch, kommen Sie an Bord."
Im Nu ist das Trike ins Innere des Schiffes bugsiert, schon halte
ich meine Fahrkarte in der Hand und weiss noch gar nicht recht,
wie mir geschieht. Sieh mal einer an, denke ich mir, so schnell
werden manch halb-seidene Ideen Realität! Zwei Stunden dauert
die Fahrt bis Stein am Rhein, und das sind zwei sehr kurzweilige
Stunden, trotz der langsamen Gangart gegen die Strömung.
Ich kann diese Schiffspassage nur jedem anempfehlen. Man bekommt
hier Einblicke, die einem sonst verborgen bleiben. In Stein warten
dann noch ein paar Kilometer bis nach Ramsen auf mich, aber das
sind ja nur Peanuts.
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