Weiterlesen ¦ Zurück zur Titelseite ¦ Zurück zum Menue

Sonntag, 9. Mai 2010. Von Fürstenberg nach Deisslingen (48 km)

Fürstenberg > Neudingen > Geisingen > Zimmern > Öfingen > Sunthausen > Hochemmingen > Mühlhausen > Deisslingen

Kalt ist es morgens in Fürstenberg. Kalt und wolkig und windig. Doch unten im Tal scheint die Sonne und irgendwie passt das schon. Also für mich jedenfalls. Im Laufe des gestrigen Abends hab ich mich doch noch dazu entschlossen, meine ursprünglich geplante Runde zu drehen. Das liegt auch an einer Fernsehsendung über die Schwäbische Alb, bei der ich gestern noch hängen geblieben bin. Die darin gezeigten Gegenden fand ich schon beeindruckend. Ausserdem hab ich mich darüber amüsiert, dass die Älbler die Sonntagsausflügler aus den grösseren Städten - wie z.B. Stuttgart oder Böblingen - insgeheim als "Heckenscheisser" bezeichnen. Wohl weil man schon öfters mal diverse menschliche Hinterlassenschaften vorfand, nachdem die Besucher wieder abgereist waren…

Wie dem auch sei, heute warten trotzdem noch ein paar Minuten Donauradweg auf mich, denn mein ursprünglicher Plan sieht vor, dass ich bis kurz vor Immendingen die Donau entlang radle und anschliessend nach Norden in ein kleines Seitental einbiege. So lasse ich das Rad jetzt erstmal ins Tal hinunter rollen, erreiche bei Neudingen die Donau und folge dem Radweg flussabwärts. Es ist genau die gleiche sonnige Morgenstimmung, die ich nun schon ein paar Mal hier erlebt habe. Störche und Reiher und Milane sind unterwegs - und ausser mir auch schon die ersten Radwanderer. Am Fusse des Wartenberges ist es erstmal vorbei mit der Ruhe, denn die Bundesstrasse gesellt sich zum Radweg (oder umgekehrt). Als ich schliesslich bei Zimmern in das Nebental einbiege, ist es auf einmal wieder schlagartig ruhig. Nur ein kleines Strässlein führt hier entlang. Alles ist löwenzahngelb, der Mischwald in verschiedenen Grüntönen und einmal fliegt vor mir ein Schwalbenschwanz auf. Hübsch hier. Langsam kurble ich das Tal hoch, bis ich kurz vor Öfingen auf der Höhe angekommen bin und von dort hinunter nach Sunthausen gleite. Nun geht es über Hochemmingen nach Mühlhausen, über weites und welliges Land. Der Himmel hat sich zugezogen und, obwohl selber trocken geblieben, radle ich nun über regennasse Strassen. Es ist Mittag geworden und vor den Gaststätten parken viele Autos, aus denen gut gekleidete Familien aussteigen, meist mit einer älteren Dame im Schlepptau - es ist Muttertag.

Von Mühlhausen bis zum Neckarradweg ist es nur ein Katzensprung und schon sehe ich den Flugplatz und das Fliegermuseum bei Schwenningen vorüber gleiten und tauche auf einem Schotterweg in den Wald ein, neben mir das kleine Bächlein, dem man den Namen Neckar gegeben hat. Und so wie ich den Abschnitt heute früh schon des Öfteren bei gleissendem Morgenlicht gesehen habe, scheine ich auch diese paar Kilometer hier am Neckar schon ein paar Mal bei diesem trüben Wetter entlang geradelt zu sein, immer kurz vor dem Regenguss.

Ein kurzes Weilchen später checke ich in Deisslingen im Hotel Hirt ein. Leider hat das Restaurant heute Ruhetag. Schade, denn ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, mein Tagebuch mit Blick auf den saftig grünen Garten des Hotels zu schreiben. Dafür gibt's dann später eine sehr gute (und ziemlich preisgünstige) Lasagne in einer Pizzeria, als einziger Gast neben den Muttertagsfeierlichkeiten der Pächterfamilie. Da geht's abends immer noch hoch her und älteren Damen der Tischgesellschaft haben alle heisere Stimmen. Ob die immer so klingen oder heute einfach zuviel geredet haben? Draussen regnet es mittlerweile.

nach oben