Weiterlesen ¦ Zurück zur Titelseite ¦ Zurück zum Menue

Dienstag, 11. Mai 2010. Von Hechingen nach Metzingen (64 km)

Hechingen > Stein > Bechtoldsweiler > Bodelshausen > Bad Neidernau > Rottenburg am Neckar > Tübingen > Kirchentellinsfurt > Altenburg > Oferdingen > Mittelstadt > Riederich > Metzingen

In der Metzinger Innenstadt gibt es nicht nur eine Fussgängerzone und einen Rathausplatz, es gibt auch eine Art Outlet-City: eine Ansammlung Kaufhäuser mit Markenklamotten von Boss, Joop, Versace, Armani und den üblichen Verdächtigen. Hab ich so in dieser Form auch noch nicht gesehen. Es geht mir zwar eigentlich am…äh…so was von egal, aber staunen tu ich dann doch. Es sollte so Factory Outlets für Gibson-, Gretsch- oder Rickenbacker-Gitarren geben. Eine günstige Ricky oder eine White Falcon würde ich gerne mitnehmen…In meiner Unterkunft sehe ich später auch einige Gäste mit bedruckten Einkaufstaschen der oben genannten Marken herum laufen, da liegt die Vermutung nahe, dass die Leute extra deswegen von weit her anreisen. Es finden sich auch ein paar Autos mit Schweizer Kennzeichen auf dem Hotelparkplatz.

Heute hab ich die meiste Zeit eigentlich nur Strecke gemacht, muss ich ehrlich zugeben. Der Lust- oder Spassfaktor war nicht übertrieben gross. Das kann man den bescheidenen Morgentemperaturen anlasten, dem regenschwangeren Wolkenhimmel, oder auch den Wetterprognosen, die eine nasse und kalte zweite Wochenhälfte vorhersagen. Noch kälter? Noch nässer? Trotzdem bin ich schon um acht Uhr auf Piste und folge der Beschilderung des Hohenzollern Radweges. Zuerst geht das hinunter in den tiefer gelegenen Stadtteil von Hechingen, dann folgt der Weg einem Bach bis nach Stein, wo mich am Ortsausgang ein steiler Anstieg zu einem römischen Gutshof und weiter in den Wald hinein zum Schwitzen bringt. Anstrengende Passage auf durchweichten Forstwegen bis nach Bechtoldsweiler, hinunter dann nach Bodelshausen und erneut bis Dettingen etliche Höhenmeter durch den Wald.

Etwas später führt der Weg durch das Katzenbachtal bis zum Neckar. Das ist der schönste Abschnitt der heutigen Etappe - so ein bisschen wildromantisch. Diese Stimmung hält auch noch ein bisschen vor, bis ich, schon im Neckartal angekommen, in die Innenstadt von Rottenburg rolle. Von jetzt an prägt der Autoverkehr den Rest der heutigen Tour. Zwar gibt's auf den nächsten Kilometern noch so eine Art Galgenfrist, aber spätestens kurz vor Tübingen wird's zuerst laut und später dann hektisch. In Tübingen sind es gar nicht mal so sehr die Autofahrer, sondern die ungeduldigen einheimischen Tübinger Stadtradler. Am Radweg wird gebaut, also muss man den Fluss auf einer Fussgängerbrücke queren, die auf der einen Seite neben den Treppen nur eine schmale Spur für Fahrräder aufweist. Da geht natürlich mit dem Trike gar nix. Also alles abgepackt und einzeln hinüber getragen und am anderen Ufer wieder aufgeladen. Wie wohl Familien mit Kinderanhängern mit so was umgehen?

Der Lärm der grossen Verkehrsachsen hinter Tübingen bricht mir dann für heute das Kreuz. In Kirchtellinsfurt ist man zusätzlich noch direkt mit dem Schwerverkehr konfrontiert und in Altenburg ist der Neckarradweg überflutet. Also nehme ich den Weg über Oferdingen und Mittelstadt, sammle noch reichlich Höhenmeter ein und bin endlich, in der Ortschaft Riederich angekommen, über den Berg. Der Neckartalweg zwischen Tübingen und, sagen wir mal, Ludwigsburg, gefällt mir einfach überhaupt nicht. Weiter flussabwärts dann natürlich schon wieder - Stichwort Bad Wimpfen. Schwülwarm ist es mittlerweile geworden, ich kann sogar nur im Trikot fahren und die Hosenbeine hochkrempeln. Eigentlich wollte ich ja noch bis Bad Urach durchziehen, doch als ich in Metzingen durch die Fussgängerzone rolle, entscheide ich mich für ein vorzeitiges Etappenende. Denn für heute reicht's mir einfach. Punkt.


nach oben