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Freitag, 14. Mai 2010. Von Scheer nach Ramsen (85 km)

Scheer > Mengen > Rulfingen > Krauchenwies > Göggingen > Menningen > Messkirch > Unterbichtlingen > Zoznegg > Stockach > Wahlwies > Stahringen > Radolfzell > Überlingen am Ried > Rielasingen > Ramsen

Gestern war ja Feiertag und das Restaurant im Hotel Donaublick hatte leider geschlossen. Dafür hatte die "Bacchusstube" - das ausgebaute Souterrain im Nachbarhaus - geöffnet und immerhin gab's da ein Bärlauchsüppchen und Wurstsalat für mich. Damit kann man leben. Heute wieder Regen - damit muss man leben. Ich radle erstmal wieder die paar Meter zurück nach Mengen und suche mir den Weg in Richtung Ablachtal und Messkirch. Da radelt man zuerst auf dem Radweg neben der B311 einher und anschliessend auf kleineren Wirtschaftswegen an Baggerseen vorbei. Das gilt als Naherholungsgebiet. Doch an diesem regennassen Morgen begegnen mit nur ein paar LKWs von einer Kiesgrube oder Baustelle und eine Menge Wild- bzw. Graugänse, die vor mir Reissaus nehmen.

Zwischen Göggingen und Menningen wieder einer dieser Feldwege mit gelblich-weissem Split, was mir prompt einen Platten im Hinterrad beschert. Mitten im Ort wechsle ich dann auf dem Gehsteig den Schlauch. Was sich wohl die Leute in den Häusern denken, wenn sie mich da im Regen hantieren sehen? Einige Gardinen bewegen sich verräterisch. Ganz im Ernst: ich könnte mir bei diesem Wetter auch schöneres vorstellen, als hier durch die Gegend zu gaukeln. Doch auf dieser Tour habe ich nicht einen Moment lang daran gedacht, die Reise abzubrechen. Nun, bald hab ich wieder Luft im Reifen und kann meinen Weg fortsetzen. Nach Messkirch bin ich für ein Weilchen auf dem offiziell ausgeschilderten Schwäbische Alb Radweg unterwegs und hier im Ablachtal lässt sich schon auch prima radeln, wie es halt bei flachen Tälern mit kleinen Strässchen oft der Fall ist.

Ich komme wieder an renaturierten Baggerseen vorbei und dann bin ich in Zoznegg, wo diese steile Strasse auf mich wartet. Diesmal muss ich mich aber nicht hinauf arbeiten, sondern darf hinunter rollen. 16% Steigung steht auf dem Warnschild am Strassenrand. Ob das wohl stimmt? Als ich langsam hinab gleite, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich so eine Steigung jemals hinauf treten könnte. Und doch, das hab ich sowohl mit dem Trike, als auch mit meiner Speedmachine schon bewerkstelligt. Bald darauf finde ich mich auf dieser mässig stark befahrenen Strasse nach Stockach wieder. Diesmal natürlich auch bergab. Nach der Ruhe auf Feld- und Wirtschaftswegen empfinde ich es als sehr unangenehm, die Autofahrer an mir vorbei rauschen zu sehen. Und dann bin ich in Stockach mit dem geschäftigen Stadtverkehr. Da hat man als Radler eigentlich auch nicht viel zu melden. Irgendwo finde ich jedoch Wegweiser, die mich durch ein Wohngebiet leiten und lande dann auf kleinen Wegen, die mich abseits der grossen Verkehrsachsen wieder aus der Stadt bringen. Ich radle an einem langen Stau vorbei, kann mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen und bin kurz danach auf der Strecke nach Wahlwies, die mir einen Panoramablick nach Osten schenkt, mit dem markanten Höhenzug des Bodanrücks und der glitzernden Wasserfläche des Bodensees.

In Wahlwies folge ich den Wegweisern nach Radolfzell, kollidiere einen Augenblick später fast mit einem Kurierfahrer in dunkelbraunem Kleinlaster, der auf einem kurvigen und zugewachsenen Feldweg mit einem Affenzahn unterwegs ist. Was sich diese Leute wohl denken? Nicht um die nächste Kurve sehen können, aber mit Bleifuss auf dem Gaspedal… Nach ein paar Minuten hat sich das Adrenalin in meinem Körper wieder verflüchtigt und ich bin im Zickzack-Kurs durch Radolfzell unterwegs, bis ich endlich meinen Weg nach Überlingen am Ried und weiter nach Rielasingen gefunden habe. Eigentlich auch noch eine sehenswerte Gegend hier. Zumal inzwischen - man höre und staune - sogar die Sonne durch die Wolken drückt. Ein paar Kilometer noch und dann bin ich in Ramsen, checke wieder im gleichen Zimmer wie schon vor einer Woche ein und lasse mir von den Wirtsleuten erzählen, wie denn nun die Hochzeit abgelaufen ist.

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