Ostermontag, 25. April 2011. Von Beuron nach Riedlingen (64 Km).
Beuron > Thiergarten > Gutenstein > Inzigkofen > Sigmaringen > Sigmaringendorf > Scheer > Mengen > Neufra > Riedlingen

Gestern Abend hat es nun doch ein wenig geregnet. Nicht viel, höchstens fünf Minuten lang. Deswegen ist es heute morgen erst mal neblig und recht kühl. Als wir aufbrechen, kommt jedoch schon die Sonne durch und sorgt zusammen mit dem Restnebel und den Tau- und Wassertropfen für reichlich Atmosphäre. Die vielen Spinnennetze auf den Büschen und Bäumen wirken wie kleine Zelte oder glitzern wie Perlenketten im Gegenlicht. Im Gegensatz zu gestern sind wir heute lange alleine und erst als der Vormittag voranschreitet, beleben Radler oder Wanderer die Szenerie. Viel hat man hier im abgeholzt, das irritiert ganz schön. Einerseits erschreckend, wie kahl viel Stellen hier aussehen, andererseits ist es natürlich für den Wald auch gut, wenn er sich verjüngen kann, so man ihn lässt. Das Tal hier sollte man sich wirklich mal angesehen haben - der kleine Fluss, die Felsen, die Burgen oben drauf und das saftige Grün ringsum, schon auch ein Kleinod, finde ich.

Bei Sigmaringen weitet sich dieses Tal dann langsam und plötzlich sind wir mit einem ziemlich starken Nordostwind konfrontiert, also genau aus unserer Fahrtrichtung kommend. Als wir hinter Mengen auf eben jener weiten Ebene unterwegs sind, die ich so mag, ist es wahrlich kein Vergnügen mehr, gegen den Wind an zu radeln. Mich betrifft es mit dem Liegerad nicht so sehr, denn durch die geringe Stirnfläche ist das Rad viel aerodynamischer und weniger Gegenwind anfällig, doch Margrit hat recht viel zu arbeiten. Schade, aber was soll man machen? All zu weit wollen wir eh nicht mehr, maximal noch bis Riedlingen, und das ist immerhin absehbar. Jenseits dieser Unbill finde ich es natürlich schon auch interessant, diese Gegend hier mal im Nachmittagslicht zu sehen, bis jetzt bin ich ja immer früh am Tage hier durch gekommen. Und eine Landschaft sieht eben bei jeder Tageszeit und bei jedem Licht anders aus.

Eigentlich wollte ich endlich mal dieser vorgeschichtlichen Befestigung bei Binzwangen, der Heuneburg, einen Besuch abstatten, aber keiner von uns beiden hat jetzt noch Appetit darauf, den ebenen Weg zu verlassen und zusätzlich zum Wind auch noch den Berg hinauf zu strampeln. Naja, vielleicht das nächste Mal. Dafür besichtigen wir die hängenden Gärten in Neufra, das steht nämlich ebenfalls schon sehr lange auf meiner To-do-Liste. Inmitten des Schlosses gäbe es sogar ein Hotel, das kleinste Schlosshotel im Turm, oder so ähnlich, aber irgendwie ist uns das heute zu archaisch. Obwohl abends der Blick in die Weite bestimmt sehenswert ist. Wir begnügen uns mit dem Nachmittagslicht und machen uns auf den Weg nach Riedlingen, wo wir Speis', Trank und Logis für die Nacht finden. Auch ein nettes Städtchen, dieses Riedlingen. Viel historisches Fachwerk, viel alte Bausubstanz, sollte man sich ruhig mal ansehen, finde ich.