Dienstag, 26. April 2011. Von Riedlingen nach Ravensburg (57 Km).
Riedlingen > Ertingen > Marbach > Moosheim > Bad Saulgau > Hochberg > Luditsweiler > Baltshaus > Altshausen > Malmishaus > Schreckensee > Baienbach > Mehlishofen > Weiler > Ravensburg

Es ist der Wind! Stark bis frisch aus Nordosten blasend hat er uns dazu gebracht, unsere Reiseroute etwas abzuändern. Anstatt weiter der Donau zu folgen und über Ehingen, Blaubeuren und dem Blautal nach Ulm zu reisen und erst dort umzukehren, haben wir uns dazu entschlossen, schon jetzt den Feind zum Freund zu machen und uns gen Süden, nach Ravensburg wehen zu lassen. Es kommt mir komisch vor, ausgerechnet hier der Donau den Rücken zu kehren, wo doch weiter vorne noch so sehenswerte Gegenden warten würden. Aber das läuft mir schliesslich nicht davon und wie ich mich kenne, wird es eh nicht all zu lange dauern, bis ich wieder den Fluss hier entlang fahre. Also radeln wir ein paar Meter zurück und tauschen bei Ertingen das flache Flusstal gegen eine wellige Landschaft. Wir halten uns ziemlich genau an die in meinem angeknabberten Kompass-Radwanderführer vorgeschlagene Route und kommen so auf kleinen Strässchen bis nach Saulgau. Alles ist jetzt frühlingsbunt: die Löwenzahnwiesen, die verschieden grün belaubten Bäume und Sträucher, alles glänzt in neuer Pracht. Am liebsten möchte man die Zeit anhalten.

In Bad Saulgau kann man - zum Beispiel bei einer Kaffee-und-Kuchen-Pause am Marktplatz - ein modern renoviertes Fachwerkhaus mit Glasfassade bewundern. Warum ich es nicht fotografiert habe, kann ich jetzt nicht mehr sagen, wahrscheinlich war ich zu sehr vor Ehrfurcht erstarrt. Gefallen hat es mir jedenfalls gut. Nicht gefallen tut mir ein wenig später der Verkehr in Altshausen. Hier erwarten uns etliche Kopflose, die, es hat soeben zwölf Uhr geschlagen, vor lauter Mittagspauseneuphorie sämtliche Verkehrsregeln vergessen zu haben scheinen. Ausserdem laufen da wieder mal diverse grosse Verkehrsachsen durch den Ort und an der einen Strasse wird auch noch gebaut. Wir sind froh, als wir wieder draussen auf weiter Flur sind, wo ruhige Wege auf uns warten.

Später, so beim Ort Mehlishofen, haben wir plötzlich einen weiten Blick hinab in ein Tal, an dessen Ende man die Basilika von Weingarten im Dunst erkennen kann. Dort hinunter, in diese Talsenke, gleiten auch wir und befinden uns damit auch schon auf der Einflugschneise nach Ravensburg. Es folgt das Übliche: Umgehungsstrassen, Stadtverkehr, ungeduldig drängelnde ortsansässige Radfahrer, alles wie gewohnt. Irgendwann - wir halten direkt neben dem Autohaus einer deutschen Nobelmarke - geht uns die Orientierung abhanden und wir finden plötzlich den Weg in die Innenstadt nicht mehr. Das ist doch mal eine gute Gelegenheit, so einen Autoverkäufer auf die Probe zu stellen, indem ich ihn nach dem Weg frage. Und siehe da: auch wenn man keinen Benz zu kaufen gedenkt, wird einem freundlich und sogar mit einem Witz auf den Lippen weiter geholfen.

Ravensburg ist eine laute Stadt. Zumindest am Nachmittag. Ich kapiere auch das mit der Fussgängerzone nicht so recht, denn obwohl als solche gekennzeichnet, fahren die Autos trotzdem hier durch. Bei den Linienbussen ist es ja verständlich. Ravensburg wird jedoch leiser, als abends die Läden schliessen. Plötzlich erscheint uns die Stadt sehr sehenswert, mit den historischen Gebäuden und den Fassaden aus verschiedenen Epochen. Beim abendlichen Bummel kommen wir an einem Veloladen vorbei, der ein wunderschönes Bianchi Rennrad im Schaufenster stehen hat - der Rahmen im typischen hell türkisblauen Farbton Celeste lackiert (wie mein damaliger Optima Baron), das Teil ist ein wirklich eine Wucht. Später erhaschen wir noch einen Blick auf den imposanten alten Saal unseres Hotels, der heutzutage als Seminarraum genutzt wird. Die Wände sind in genau demselben Bianchi-Celeste-Farbton gehalten…