Mittwoch, 27. April 2011. Von Ravensburg nach Salem (29 Km).
Ravensburg > Wilhelmskirch > Wolketsweiler > Sattel > Kappel > Urnau > Roggenbeuren > Untersiggingen > Salem

Die Tapeten im altehrwürdigen Gasthof Schwanen in Salem, gleich neben dem Schloss, schimmern in warmen Bianchi-Celeste, das Treppenhaus sowieso und das Duschgel in seinem Spender im Badezimmer hat fast den gleichen Farbton. Was will mir das Universum damit mitteilen? Dass ich mir einen dieser Italo-Renner holen soll, um auf Coppis und Bartalis Spuren zu wandeln?

Ganz und gar nicht celeste zeigt sich dagegen das Firmament heute morgen. Im Gegenteil: es regnet was das Zeug hält. Wir betrachten es von der ökologisch-notwendigen Seite her und nehmen es sportlich, immerhin haben wir ja dementsprechende Ausrüstung dabei. Ich bin sowieso neugierig, wie sich die Kombination von offenen Schuhen und Sealskinz-Socken verhält - seit letztem Sommer meine Geheimwaffe gegen kalte und nasse Füsse. Da es jedoch bald zu regnen aufhört, fast möchte ich schreibe: leider, bliebt eine diesbezügliche Erfahrung aus.

Mit grossen bzw. mittelgrossen Städten ist es immer so eine Sache: hinein kommt man als Radfahrer meist ganz gut (falls nicht, findet sich bestimmt ein Autohändler als Auskunftsbüro), doch umgekehrt ist es nicht immer einfach. In der gewünschten Richtung und auf der richtigen Trasse aus einer Stadt zu finden, ist manchmal ein Glücksspiel. Uns glückt es diesmal so halbwegs, wir rollen wenigstens schon mal nach Südwesten, also in der richtigen Himmelsrichtung aus Ravensburg hinaus, allerdings auf Radwegen direkt neben einem Zubringer und später neben der B33. So meditativ das Radeln bei Regenwetter durch einen Buchenwald sein mag, so stressig ist es, wenn man bei gleichen Bedingungen neben einer Bundesstrasse unterwegs ist. Der nasse Asphalt potenziert den Lärm der Autos und LKWs bzw. deren Reifen noch. Ausserdem sind wir sowieso nicht so ganz wirklich auf der gewünschten Route, denn die B33 würde uns eher nach Markdorf und Meersburg führen. Und nach Meersburg wollen wir zwar manchmal durchaus gerne hin, heute aber nicht. So schlagen wir uns noch vor der Ortschaft Bavendorf querfeldein bis nach Wilhelmskirch und Wolketsweiler durch, und ab hier wird es wieder ruhiger. Zu regnen hat es mittlerweile ganz aufgehört, allerdings ziehen die Wolken tief und die Knipsi bleibt lieber in der Packtasche.

Die weiteren Kilometer bis nach Urnau verlaufen auf sehr angenehmen Terrain - kleine Dörfer, Obstgärten, etc.. Alles andere muss man sich natürlich dazu denken, denn die Sicht ist beschränkt. So um Urnau herum rollen wir hinab in das Tal der Deggenhauser Aach, der wir bis Salem folgen werden. Das läuft gut, immer ganz leicht abschüssig, so dass wir im Nu an unserem Zielort angekommen sind. War sowieso eine kurze Etappe heute. Doch das passt schon so, schliesslich wollen wir am Nachmittag ausgiebig Schloss Salem besichtigen, dass wir letztes Jahr entdeckt hatten. Wir nehmen an der Schlossführung teil und wie immer lohnt sich diese, auch wegen so mancher Anekdote: zum Beispiel erfahren wir, dass jedem Zisterzienser Mönch vormittags ein Liter Wein zustand - und für den Rest des Tages noch einmal soviel. Essen durften sie dagegen eher weniger. Auch ein Leben, so im Dauerrausch…