Freitag, 29. April 2011. Von der Insel Reichenau nach Diessenhofen (47 Km).
Reichenau > Konstanz > Gottlieben > Ermatingen > Mannenbach > Berlingen > Steckborn >Mammern > Stein am Rhein > Stein am Rhein > Diessenhofen

Ab heute wird nichts mehr so sein wie früher. Definitiv. Eine neue Ära beginnt, denn im fernen Königreich der Angelsachsen heiraten Kate und William, und Kates Schwester verzückt (anscheinend) mit ihrem…äh…Derrière die Massen noch mehr als es die eigentlichen Protagonisten dieses Mega-Events tun - das liest man jedenfalls ein paar Tage später in der Zeitung. Auch die beste Ehefrau von allen (ich weiss, der Ausdruck ist von Kishon geklaut) verfolgt die Berichterstattung intensiv und durchaus auch gerührt, wie ich während des Schreibens dieser Zeilen in mein analoges Tagebuch heimlich schmunzelnd bemerke. Nun, das nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit, denn normalerweise bin ich es ja, der gleich nach dem Einchecken ins Hotel sofort das Televisionsgerät anwirft, um noch das Finish eines Radrennens zu verfolgen, so denn eines ausgetragen wird. Für einmal ist es heute umgekehrt. Auch recht.

Heute ist ja leider schon Freitag und eigentlich sind wir fast schon zuhause. Um die letzte Phase wenigstens noch etwas spannender zu gestalten, wählen wir einen anderen Etappenort als sonst, nämlich das malerisch am Rhein gelegene Diessenhofen. Dort gibt es direkt am Flussufer eine Gartenwirtschaft, in der wir früher des öfteren mal eingekehrt sind. Einfach mal während der Abendzeit am Rhein zu sitzen und den Sonnenuntergang über dem Fluss zu beobachten, davon haben wir früher des Öfteren mal gesprochen und nun setzen wir das eben in die Tat um.

Bevor wir die Insel Reichenau verlassen, statten wir der Georgskirche noch einen Besuch ab. Anschliessend machen wir uns auf den Weg. Zuerst rollen wir wieder die lange Pappelallee entlang auf's Festland und entdecken dabei einen Schwarzmilanhorst auf einem der Bäume auf der anderen Strassenseite. Die unter ihm vorbei fahrenden Autos scheinen ihm nichts auszumachen, doch als wir anhalten und das Fernglas zücken, wird's dem Altvogel plötzlich zuviel: laut schimpfend fliegt er auf. Anhaltende Menschen, die etwas auf ihn richten, sind ihm wohl nicht so ganz geheuer. Da wir ihn nicht bei seinem Brutgeschäft stören wollen, fahren wir lieber mal weiter. Bald sind wir in Konstanz, das man anhand der vorbildlichen Beschilderung gut durchqueren kann. Von unserer Richtung - der Radolfzeller - aus kommend, ist halt die Einflugschneise einfach ein wenig zu laut. Ein paar Minuten später rollen wir aber dann schon am Südufer des Untersees entlang, auf Stein am Rhein zu, meines Erachtens sowieso eine der schönsten Velopassagen am Bodensee, vielleicht gerade auch wegen der kleinen Orte mit ihren malerischen Fachwerkhäuschen samt den gepflegten Gärten: Ermatingen zum Beispiel, oder Belingen oder Steckborn.

In Stein am Rhein schliesst sich dann für uns der Kreis. Hier waren wir vor genau einer Woche schon. Mit dem einen Unterschied, dass es heute Platz genug in den Strassencafés gibt und wir leider nicht mehr in Aufbruchstimmung sind, sondern die Gedanken an den auf uns zu kommenden Alltag langsam wieder Raum gewinnen. Trotz Kapazitäten, was die freien Plätze in Cafés anbelangt, legt heute keiner von uns gesteigerten Wert auf ein Eis, denn es ist recht kühl. Die Sonne hat es schwer und kommt nur ab und an mal durch den Hochnebel. Doch gegen Kaffee und Kuchen ist ja genauer betrachtet auch nichts einzuwenden. Es folgen noch ein paar letzte Kilometer bis nach Diessenhofen, zuerst aus Stein am Rhein heraus, anschliessend auf dem Rheinradweg ein bisschen in den Wald hinein geklettert, und schon gleitet man wieder hinunter zum Fluss und auf die historische Holzbrücke in Diessenhofen zu.

Nachmittags und abends gewinnt die Sonne dann doch noch die Oberhand und wir können lange unten am Fluss sitzen und die Zeit verstreichen lassen. Auch ein idyllisches Plätzchen hier.