| Unterwegs
baut man immer wieder mal Feindbilder auf oder ruft schon vorhandene
von der eigenen Festplatte ab. Rabiate Autofahrer, das Wetter, Lüftungsanlagen
in Hotelzimmertoiletten und dergleichen mehr. Da kommt man im Laufe
der Jahre auf eine ansehnliche Liste, der ich gerne noch einen neuen
Punkt hinzufügen möchte: selbst schliessende schwere Türen,
die sich gerne finden in verschiedenen Bereichen diverser Hotels,
egal welcher Kategorie. Ob Korridore oder Tiefgaragen, Durchgänge
oder Eingangstüren - immer wieder trifft man auf diese Ungetüme,
die, bedingt durch eine starken Federmechanismus, kaum geöffnet,
sofort wieder zu fallen. Hat man nun in jeder Hand eine Ortlieb-Packtasche,
zusätzlich eine Lenker- oder andere Zusatztasche mit dem Gurt
um den Rücken gehängt, es geschafft, den Zimmerschlüssel
doch noch irgendwie in den Fingern zu halten und die Luftpumpe quer
zwischen den Zähnen, dann kommt so was ganz und gar ungelegen
(zudem kann man wegen der Pumpe nicht mal ordentlich fluchen). So
geht's uns unter anderem auch heute. Wo wir doch nichts anders wollen,
als durch den Morgensonnenschein gen Nordosten zu radeln, um vor
Beginn der Mittagshitze möglichst noch viele Kilometer zu machen.
Als sich
das mit der Tücke des Objektes wieder gelegt hat, arbeiten
wir uns aus der Stadt heraus, lassen die Vorortsiedlungen Wangens
hinter uns, bis uns ein Feldweg aufnimmt, der zwischen der Autobahn
und dem Flüsschen Untere Argen nach Nordosten führt.
Irgendwann liegen beide, also Autobahn und Fluss, hinter uns und
wir radeln - Hügel auf, Hügel ab - durch eine der gestrigen
Etappe ähnliche Topografie. Erneut Eiszeit-Gletscher-Terrain
mit Wiesen und Wäldern, alles saftigst grün, und immer
wieder mal einen Panoramablick auf die im Süden im Gegenlicht
liegende Alpenkette.
Um die Mittagszeit
machen wir Pause in Leutkirch, schon recht müde und abgekämpft,
obwohl der Tacho noch kaum 30 gefahrene Kilometer anzeigt. Die
zweite Etappenhälfte geht uns dann besser von der Hand. Wir
queren die Iller und finden zudem etwa 10 Kilometer vor Memmingen
noch eine stillgelegte Eisenbahntrasse und können, wie gestern
auch schon, ebenerdig und komfortabel in die Innenstadt rollen.
In der am Samstag ganz schön was los ist. Vor allen Dingen
auch in unserem Hotel, wo man wohl einen runden Geburtstag feiert
und die Gäste viel zu warm angezogen sind - jedenfalls haben
die alle rote Gesichter. Oder es kommt gar nicht von der Hitze.
Kann ja auch sein.
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