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Sonntag, 4. September 20111
Von Memmingen nach Günzburg (70 Km)

Interessante Stadt, dieses Memmingen. Ähnlich wie Wangen: herausgeputzte Häuser, der Marktplatz, auf dem Kinder (weil Fussgängerbereich) mit Kettcars herum fahren dürfen, eine Strassenflucht mit einem Bach, ansatzweise an Venedig erinnernd. Lange sitzen wir in einem Strassencafé und beobachten das Treiben um uns herum. Wir sind sehr zufrieden. Es hat sich ausgezahlt, den beiden Städten einen Besuch abzustatten.

Günzburg heisst uns dagegen gar nicht willkommen: innerhalb Günzburgs wartet eine steile Rampe hinauf zum Marktplatz auf uns, die mit grobem Kopfsteinpflaster belegt ist, dazu gesellen sich überraschend rüde Autofahrer. Und das am Sonntag in der schwülen Nachmittagshitze, wo kein Berufsverkehr Eile und Hast rechtfertigen würde. Abends fängt es dann auch noch zu regnen an und die Bedienung im Restaurant will uns einfach nicht bemerken. Erst als wir Anstalten machen zu gehen, lässt sie sich schliesslich doch herab und bedient uns. Also wirklich!

Sonst war es heute eine gute Fahrt. Keine Immer-nur-kleinstes-Kettenblatt-Etappe wie gestern, sondern Raum greifendes Rollen und Gleiten im Energiesparmodus. Auf 70 Kilometern bauen wir heute etwa 200 Höhenmeter ab und haben dazu auch noch Rückenwind: Weihnachten im September…

Der Günztalradweg ist heute unser Begleiter. Dieser wird auf meist asphaltierten Wirtschaftswegen im Talgrund geführt und nur gegen Schluss der Etappe warten ein paar Kilometer schlecht befahrbaren Kiesweges entlang einer Bahnstrecke auf uns, wobei allerdings nicht klar ist, ob man diese Wegebeschaffenheit den Baustellen an der Bahnlinie zu verdanken hat oder ob das immer so ist. Abgesehen davon ist es ruhig und friedlich, kaum Autoverkehr, kaum Radfahrer, Wellness pur sozusagen. Die Landschaft ist weitläufiger geworden, die Hügel des Voralpenlandes bleiben allmählich hinter uns und die weiten Ebenen des Donautales öffnen sich vor uns. Teilweise mutet die Landschaft mit den Weiden, Pferdekoppeln und Pappelreihen auch irgendwie nordisch-norddeutsch an. Einmal steht ein Schwarzstorch auf einer Wiese und pflegt sein schwarz-grün schillerndes Gefieder. Erstaunlich. Ich will zwar nicht unbedingt behaupten, dass ich von dieser Vogelart gestalkt werde, doch in letzter Zeit sehe ich wirklich öfter mal Schwarzstörche. Anscheinend erholen sich die Bestände wieder, hab ich neulich mal gelesen.

Also eigentlich eine schöne, entspannte Sonntagsfahrt. Nur Günzburg zeigt uns eben nicht gerade seine Schokoladenseite. Ein wegen dem Regen nur minimaler Stadtrundgang nach dem Abendessen lässt immerhin ein sehenswertes Städtchen erahnen. Vielleicht stehen heute einfach nur die Sterne schlecht, Jupiter in Konjunktion zu Mars oder so.

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