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Interessante
Stadt, dieses Memmingen. Ähnlich wie Wangen: herausgeputzte
Häuser, der Marktplatz, auf dem Kinder (weil Fussgängerbereich)
mit Kettcars herum fahren dürfen, eine Strassenflucht mit
einem Bach, ansatzweise an Venedig erinnernd. Lange sitzen wir
in einem Strassencafé und beobachten das Treiben um uns
herum. Wir sind sehr zufrieden. Es hat sich ausgezahlt, den beiden
Städten einen Besuch abzustatten.
Günzburg
heisst uns dagegen gar nicht willkommen: innerhalb Günzburgs
wartet eine steile Rampe hinauf zum Marktplatz auf uns, die mit
grobem Kopfsteinpflaster belegt ist, dazu gesellen sich überraschend
rüde Autofahrer. Und das am Sonntag in der schwülen
Nachmittagshitze, wo kein Berufsverkehr Eile und Hast rechtfertigen
würde. Abends fängt es dann auch noch zu regnen an und
die Bedienung im Restaurant will uns einfach nicht bemerken. Erst
als wir Anstalten machen zu gehen, lässt sie sich schliesslich
doch herab und bedient uns. Also wirklich!
Sonst war
es heute eine gute Fahrt. Keine Immer-nur-kleinstes-Kettenblatt-Etappe
wie gestern, sondern Raum greifendes Rollen und Gleiten im Energiesparmodus.
Auf 70 Kilometern bauen wir heute etwa 200 Höhenmeter ab
und haben dazu auch noch Rückenwind: Weihnachten im September
Der Günztalradweg
ist heute unser Begleiter. Dieser wird auf meist asphaltierten
Wirtschaftswegen im Talgrund geführt und nur gegen Schluss
der Etappe warten ein paar Kilometer schlecht befahrbaren Kiesweges
entlang einer Bahnstrecke auf uns, wobei allerdings nicht klar
ist, ob man diese Wegebeschaffenheit den Baustellen an der Bahnlinie
zu verdanken hat oder ob das immer so ist. Abgesehen davon ist
es ruhig und friedlich, kaum Autoverkehr, kaum Radfahrer, Wellness
pur sozusagen. Die Landschaft ist weitläufiger geworden,
die Hügel des Voralpenlandes bleiben allmählich hinter
uns und die weiten Ebenen des Donautales öffnen sich vor
uns. Teilweise mutet die Landschaft mit den Weiden, Pferdekoppeln
und Pappelreihen auch irgendwie nordisch-norddeutsch an. Einmal
steht ein Schwarzstorch auf einer Wiese und pflegt sein schwarz-grün
schillerndes Gefieder. Erstaunlich. Ich will zwar nicht unbedingt
behaupten, dass ich von dieser Vogelart gestalkt werde, doch in
letzter Zeit sehe ich wirklich öfter mal Schwarzstörche.
Anscheinend erholen sich die Bestände wieder, hab ich neulich
mal gelesen.
Also eigentlich
eine schöne, entspannte Sonntagsfahrt. Nur Günzburg
zeigt uns eben nicht gerade seine Schokoladenseite. Ein wegen
dem Regen nur minimaler Stadtrundgang nach dem Abendessen lässt
immerhin ein sehenswertes Städtchen erahnen. Vielleicht stehen
heute einfach nur die Sterne schlecht, Jupiter in Konjunktion
zu Mars oder so.
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