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Freitag, 9. September 2011
Von Gunzenhausen nach Rothenburg ob der Tauber (72 Km)

Anscheinend ist es so: Wenn man öfters mal in einer Stadt verweilt, geht sie gewissermassen in den eigenen Besitz über. Das ist zwar ausgemachter Blödsinn, doch als wir nachmittags über das Kopfsteinpflaster der Stadt zu unserem Hotel holpern, empfinde ich so. Ist schon irgendwie meine Stadt, dieses Rothenburg. Ich muss sie mir natürlich mit all den Touristen und den Ortsansässigen teilen. Macht nichts, ich will den Ort ja nicht exklusiv für mich haben, nur eben ab und an mal so ein bisschen partizipieren…

Voraus ging eine Etappe so recht nach unserem Geschmack: nochmals eine weite, offene Landschaft, die nicht einengt und die den Gedanken freien Lauf lässt, sie sozusagen zum Losfliegen ermutigt. Nur das Wetter ist nicht viel besser geworden. Wenn man sich jedoch mal zum Weiterfahren entschlossen hat, ist alles gleich halb so schlimm. Wir radeln zuerst am Altmühlsee entlang und tauchen ein in die Wiesenwelt des oberen Altmühltales. Immer wieder tief über den Boden dahin jagende Schwalben, erneut eine erkleckliche Anzahl Silberreiher mit dem ein oder anderen Graureiher und Storch. Sehenswerte Städtchen wie Ornbau, Herrieden oder Colmberg mit der schon von weitem sichtbaren, weil auf einer Anhöhe thronenden Burg, säumen unseren Weg, von den oft sauber hergerichteten Höfen - natürlich alles Fachwerk - mit ihren Gärten gar nicht zu sprechen. Leider nimmt am späten Vormittag die Windstärke wieder zu und zieht uns gegen Ende der Etappe ordentlich die Zähne. Morgen soll es anscheinend wieder sommerlich warm werden, dieses Bewusstsein hilft einem auch über den Tag.

Ja, Rothenburg. Lange sind wir am Abend noch draussen mit Blick auf den Marktplatz und lassen uns auch durch die paar Regentropfen nicht stören, die ab und zu mal von oben kommen. Im Inneren des Restaurants, an dessem Tisch wir im Freien sitzen, bekommt eine Gruppe aus Japan gerade das wohl im Reiseprogramm enthaltene Fränkische Abendessen serviert. Als ich auf dem Weg zur Toilette an ihnen vorbei gehe, sehe ich keineswegs in ausgesprochen glückliche Gesichter. Eher kann man eine gewisse Skepsis oder Ratlosigkeit hinein interpretieren. Nun, umgekehrt mag auch nicht jeder Europäer Sushi oder Sashimi. Ich mag beides: Fränkische Bratwürste mit Sauerkraut UND rohen Fisch. Nur vielleicht nicht gleichzeitig. Allmählich wird es dunkel, als Nachtwächter verkleidete Fremdenführer erscheinen auf der Bildfläche und nehmen Touristen mit auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Auch wir schlendern durch die spärlich erleuchteten Strassen, besuchen die Vernissage einer Kunstausstellung, lauschen den dort spielenden Musikern und blicken noch mal hinab ins Tal der Tauber, das nur mehr durch ein paar spärliche Lichter zu erahnen ist. Dort hinunter zieht es uns. Die ursprüngliche Reiseplanung, nach Bamberg und eventuell noch weiter zum Staffelberg zu radeln, wird auf einmal obsolet. Wir verschieben das auf ein anderes Mal.

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