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Anscheinend
ist es so: Wenn man öfters mal in einer Stadt verweilt, geht
sie gewissermassen in den eigenen Besitz über. Das ist zwar
ausgemachter Blödsinn, doch als wir nachmittags über
das Kopfsteinpflaster der Stadt zu unserem Hotel holpern, empfinde
ich so. Ist schon irgendwie meine Stadt, dieses Rothenburg. Ich
muss sie mir natürlich mit all den Touristen und den Ortsansässigen
teilen. Macht nichts, ich will den Ort ja nicht exklusiv für
mich haben, nur eben ab und an mal so ein bisschen partizipieren
Voraus ging
eine Etappe so recht nach unserem Geschmack: nochmals eine weite,
offene Landschaft, die nicht einengt und die den Gedanken freien
Lauf lässt, sie sozusagen zum Losfliegen ermutigt. Nur das
Wetter ist nicht viel besser geworden. Wenn man sich jedoch mal
zum Weiterfahren entschlossen hat, ist alles gleich halb so schlimm.
Wir radeln zuerst am Altmühlsee entlang und tauchen ein in
die Wiesenwelt des oberen Altmühltales. Immer wieder tief
über den Boden dahin jagende Schwalben, erneut eine erkleckliche
Anzahl Silberreiher mit dem ein oder anderen Graureiher und Storch.
Sehenswerte Städtchen wie Ornbau, Herrieden oder Colmberg
mit der schon von weitem sichtbaren, weil auf einer Anhöhe
thronenden Burg, säumen unseren Weg, von den oft sauber hergerichteten
Höfen - natürlich alles Fachwerk - mit ihren Gärten
gar nicht zu sprechen. Leider nimmt am späten Vormittag die
Windstärke wieder zu und zieht uns gegen Ende der Etappe
ordentlich die Zähne. Morgen soll es anscheinend wieder sommerlich
warm werden, dieses Bewusstsein hilft einem auch über den
Tag.
Ja, Rothenburg.
Lange sind wir am Abend noch draussen mit Blick auf den Marktplatz
und lassen uns auch durch die paar Regentropfen nicht stören,
die ab und zu mal von oben kommen. Im Inneren des Restaurants,
an dessem Tisch wir im Freien sitzen, bekommt eine Gruppe aus
Japan gerade das wohl im Reiseprogramm enthaltene Fränkische
Abendessen serviert. Als ich auf dem Weg zur Toilette an ihnen
vorbei gehe, sehe ich keineswegs in ausgesprochen glückliche
Gesichter. Eher kann man eine gewisse Skepsis oder Ratlosigkeit
hinein interpretieren. Nun, umgekehrt mag auch nicht jeder Europäer
Sushi oder Sashimi. Ich mag beides: Fränkische Bratwürste
mit Sauerkraut UND rohen Fisch. Nur vielleicht nicht gleichzeitig.
Allmählich wird es dunkel, als Nachtwächter verkleidete
Fremdenführer erscheinen auf der Bildfläche und nehmen
Touristen mit auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Auch
wir schlendern durch die spärlich erleuchteten Strassen,
besuchen die Vernissage einer Kunstausstellung, lauschen den dort
spielenden Musikern und blicken noch mal hinab ins Tal der Tauber,
das nur mehr durch ein paar spärliche Lichter zu erahnen
ist. Dort hinunter zieht es uns. Die ursprüngliche Reiseplanung,
nach Bamberg und eventuell noch weiter zum Staffelberg zu radeln,
wird auf einmal obsolet. Wir verschieben das auf ein anderes Mal.
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