|
Das hier
ist einer meiner Lieblingsplätze. Die Terrasse des Restaurants
neben dem Blauen Turm in Bad Wimpfen. Hier sitzen und den Blick
hinab ins Neckartal geniessen. Beobachten, wie die Milane und
Turmfalken unter mir im Handaufwind segeln, die Ruderer ihre Trainingseinheiten
auf dem Fluss absolvieren und die dicken Frachtkähne den
Fluss hinauf nach Heilbronn oder hinab nach Rotterdam tuckern
und wie sich das Licht mit der untergehenden Sonne verändert.
Ganz so ideal wie auch schon ist es heute leider nicht, denn wir
haben veränderliches Wetter und der immer noch stramme Westwind
treibt dicke Wolkenschiffe vor sich her. Doch man kann draussen
sitzen und es ist warm genug.
Dieses Jahr
ist der Wind eh ein grossen Thema auf unseren Reisen. Auf der
Osterreise an der oberen Donau und Oberschwaben, später dann
in Österreich und jetzt hier: überall sind wir mit reichlich
Gegenwind konfrontiert gewesen. Auch heute bläst es den ganzen
Tag von vorn. Doch die Tour ist nur kurz. Wir folgen natürlich
weiterhin dem Flusstal, können das alles ohne Zeitdruck geniessen.
Das Tal ist sehenswert, stellenweise sogar recht idyllisch. In
Möckmühl gönnen wir uns eine kleine Kaffeepause
und bald sind wir schon auf der Einflugschneise nach Bad Wimpfen,
dessen Türme irgendwann in der Ferne über den Baumwipfeln
sichtbar werden.
Wir kommen
recht früh an und sind erstmal überrascht, dass es schwierig
ist, hier überhaupt noch ein Hotelzimmer zu ergattern. Wie
schon in Bad Mergentheim sind hier die paar Hotels fast ausgebucht.
Zwar bekommen wir noch ein Zimmer, doch die Suche danach gestaltet
sich etwas unentspannt. Im September ist hier anscheinend Hochsaison.
Da wir so "spät" im Jahr noch nie hier unterwegs
waren, und früher immer problemlos Unterkunft fanden, erstaunt
uns das natürlich. Andererseits: die vielen Radler, die wir
heute gesehen haben, Paare, Gruppen bis zu einem Dutzend Radler,
einmal sogar ein richtiges Peloton mit geschätzten dreissig
Teilnehmern, müssen auch irgendwo unterkommen. Ob wohl all
die Reiseveranstalter, die Radreisen als Komplettpaket mit Gepäcktransport
und Übernachtungen anbieten, die Hotels angemietet haben?
Anzunehmen.
Wir jedenfalls
kommen in einem schnuckeligen Hotel in der Altstadt unter, das
von einer Dame aus Thailand geführt wird. Die Innenausstattung
spiegelt sowohl westliche als auch asiatische Kultur wieder, best
of both worlds sozusagen: Der enge Treppenaufgang zu unserem Zimmer
im obersten Stockwerk ist gepflastert mit Bildnissen vom Kreuzweg
Jesu und mit thailändischem Dekor, die Wände im Zimmer
und im Frühstücksraum zeigen Bildnisse von europäischen
Staatsmännern und ihren Pendants in Thailand.
Wir sind
heute ein hellhörig geworden, was die Unterkunftssituation
in der Gegend hier betrifft und machen telefonisch schon mal die
nächsten beiden Übernachtungen am Kocherradweg flott
und widmen uns dann erst der Stadt.
|